Dieses Video wurde am 17.08.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der Ölpreis legt zu Wochenbeginn erneut rund ein Prozent zu – angetrieben von den anhaltenden Spannungen im US-Iran-Konflikt. Auslöser der jüngsten Eskalation ist eine Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, die Kontrolle über die Straße von Hormus übernehmen zu wollen. Der Iran stellte daraufhin die Wiederaufnahme von Verhandlungen mit Washington in Frage. Der DAX zeigt sich davon bislang wenig beeindruckt und notiert mit einem kleinen Plus von 0,09 Prozent.
Patt zwischen USA und Iran – keine Lösung in Sicht
Ein auf 60 Tage angelegtes Rahmenabkommen zur Klärung strittiger Themen – allen voran das iranische Atomprogramm – läuft aus, ohne dass nennenswerte Fortschritte erzielt wurden. Portfoliomanager Askan Iri sieht auf absehbare Zeit keine Chance auf eine Entspannung: Der Iran nutze seine Verhandlungsposition aktiv aus und zeige derzeit kein erkennbares Interesse an einer Einigung.
Das bedeutet laut Iri auch, dass das Thema Straße von Hormus – eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten für Öltransporte weltweit – die Märkte weiter beschäftigen wird.
Ölpreis stabilisiert sich – Risiko eines Ausbruchs bleibt
Trotz der angespannten Lage verzeichnet der Ölpreis keine extremen Ausschläge mehr. Iri erklärt das unter anderem damit, dass Saudi-Arabien mit Hochdruck daran arbeitet, alternative Lieferwege – etwa über das Rote Meer – zu erschließen und so die Versorgung zu stabilisieren.
Dennoch warnt der Experte vor einem möglichen Preisanstieg nach oben. Gleichzeitig seien auch andere Rohstoffpreise angespannt, was einen strukturellen Kostendruck auf die Industrie erzeuge:
- Höhere Energiekosten belasten die Produktionskosten
- Der Erzeugerpreisindex in den USA lag zuletzt bei 4,7 Prozent
- Die US-Inflation beträgt 3,4 Prozent – unterhalb des Fed-Leitzinsbandes von 3,5 bis 3,75 Prozent
- Strukturell hohe Nachfrage bei gleichzeitig jahrelang zu geringen Investitionen in Förderkapazitäten
Sowohl die US-Notenbank Fed als auch die EZB müssten darauf achten, dass der Preisdruck nicht außer Kontrolle gerät.
DAX im Seitwärtslauf – Quartalsberichte als Stütze
Trotz Zins- und Inflationssorgen hatte der DAX zuletzt neue Rekorde erreicht, befeuert durch starke Quartalszahlen zum zweiten Quartal 2026. Aktuell befindet sich der Index im Seitwärtslauf – ein Muster, das Iri zufolge auch international bei anderen großen Indizes zu beobachten ist. Angesichts der ungelösten geopolitischen Lage rechnet der Experte in den kommenden Tagen nicht mit nennenswerten Kursgewinnen.
Positiv stachen heute Technologietitel hervor: Morgan Stanley stufte zehn europäische Unternehmen als besonders attraktive Profiteure des KI-Booms ein. Zu den größten Gewinnern gehörten Siemens Energy (+2,6 %), ASML (+2,8 %), Infineon (+1,2 %) und ST Microelectronics (+4,1 %). Salzgitter legte nach einer Kaufempfehlung der Bank of America mit einem Kursziel von 71 Euro rund 4 Prozent zu.
Anlagestrategien in unsicheren Zeiten
Für Anleger empfiehlt Iri eine differenzierte Strategie: Wer vom langfristigen KI-Trend überzeugt ist, könne bei Halbleiteraktien nach den jüngsten Kursrückgängen günstige Einstiegspunkte finden. Wer hingegen ein größeres Krisenszenario – etwa durch steigende Zinsen und Rohstoffpreise – für wahrscheinlich hält, sollte eher auf globale Qualitätsaktien setzen, die weltweit noch vergleichsweise attraktiv bewertet seien.
Die geopolitische Ungewissheit rund um den US-Iran-Konflikt und die Straße von Hormus dürfte die Märkte noch geraume Zeit begleiten. Ob eine diplomatische Lösung gelingt, bleibt offen – die Auswirkungen auf Energiepreise und Inflation sind jedoch bereits spürbar.
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