Dieses Video wurde am 19.08.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der chinesische Roboterbauer Unitree hat mit seinem Börsengang an der Shanghaier Börse für ein weltweites Aufsehen gesorgt. Der Eröffnungskurs der Aktie lag mehr als 1.100 Prozent über dem Ausgabepreis, der Schlusskurs noch immer rund 460 Prozent darüber – bei 845 Yuan. Die Marktbewertung des Unternehmens kletterte zeitweise auf umgerechnet 43 Milliarden Euro und machte Unitree damit zu einem der wertvollsten Robotik-Unternehmen der Welt. Das Debüt gilt als Meilenstein für Chinas Ambitionen, in den Bereichen Robotik und Künstliche Intelligenz eine globale Führungsrolle zu übernehmen.
Rekordnachfrage: 8.000-fach überzeichnet
Unitree hatte beim Börsengang rund 40 Millionen neue Aktien ausgegeben und damit umgerechnet 783 Millionen Euro eingenommen. Das enorme Anlegerinteresse zeigte sich besonders deutlich in der Nachfrage: Der für Kleinanleger reservierte Teil der Emission war laut einem Unternehmenssprecher mehr als 8.000-fach überzeichnet – ein außergewöhnlicher Wert selbst nach chinesischen Maßstäben.
Das Unternehmen wurde 2016 gegründet und produzierte zunächst vierbeinige Roboter. Inzwischen sorgen Unitrees humanoide Modelle international für Aufmerksamkeit: Sie können Rennen laufen, tanzen und Kung-Fu-Übungen vorführen. Gemessen am Umsatz gilt Unitree als weltgrößter Hersteller humanoider Roboter. Ein weiterer entscheidender Vorteil gegenüber vielen Konkurrenten: Das Unternehmen ist bereits profitabel.
Steigende Anleiherenditen belasten globale Märkte
Der Unitree-Hype trifft auf ein angespanntes globales Marktumfeld. Die Rendite der deutschen Bundesanleihe mit zehnjähriger Laufzeit stieg zuletzt auf den höchsten Stand seit Mai 2011 und überschritt die Marke von 3,27 Prozent. Als Hauptauslöser gilt die Sorge vor einer Eskalation des Konflikts im Nahen Osten sowie eine faktisch geschlossene Straße von Hormuz, die den Ölpreis weiter antreibt.
Kapitalmarktstratege Stefan Risse erläutert den Zusammenhang: Gestiegene Energiepreise seit Ausbruch des Irankrieges hätten die Inflationserwartungen massiv verändert. Statt der zu Jahresbeginn erwarteten Zinssenkungen habe die Europäische Zentralbank bereits einen Zinsschritt nach oben vollzogen – und auch in den USA werde eher mit einer Erhöhung gerechnet.
Wirtschaftsweise warnt vor globaler Staatsschuldenkrise
Der Wirtschaftsweise Gabriel Felbermayr sieht in den steigenden Renditen gleich mehrere Warnsignale:
- Zunehmende Instabilitäten auf den globalen Anleihemärkten
- Steigende Kosten der Staatsverschuldung – auch in Deutschland
- Höhere Fremdkapitalkosten für die gesamte Wirtschaft, die das Wachstum bremsen
Stefan Risse ergänzt: Der US-Staat gebe bereits 16 Prozent seiner Einnahmen allein für Zinszahlungen aus – dreimal so viel wie vor dem Zinsanstieg der Coronakrise. Sollten die Langfristzinsen weiter steigen, seien die Notenbanken letztlich gezwungen einzugreifen und erneut Staatsanleihen zu kaufen – eine Form der Staatsfinanzierung über die Notenpresse, bekannt als Zinskurvenkontrolle, die Japan bereits praktiziert hat.
Anleger-Strategie: Aktien halten, Anleihen beimischen
Besonders unter Druck geraten könnten KI-Unternehmen, da bei ihnen vor allem zukünftige Gewinne bewertet werden – und diese müssen bei höheren Zinsen stärker abgezinst werden, was den inneren Unternehmenswert drückt. Der DAX dürfte weniger stark leiden als der S&P 500, da KI-Werte dort einen geringeren Anteil haben. Dennoch seien auch deutsche Industrieunternehmen durch steigende Zinsen und teils hohe Verschuldung belastet.
Risse empfiehlt Anlegern dennoch, Aktien im Portfolio zu halten, da sie langfristig einen Inflationsausgleich bieten. Ergänzend könne es sinnvoll sein, in Unternehmensanleihen mit guter Bonität zu investieren – etwa von KI-Unternehmen, die zwar hohe Investitionen in Rechenzentren tätigen, aber weiterhin solide Bonitätsnoten aufweisen. Positiv stimmt zudem: Die Deutsche Industrie verzeichnet einen Rekord-Auftragsbestand, und der Bundesverband der Volksbanken hat seine BIP-Wachstumsprognose für 2026 von 0,5 auf 1,0 Prozent verdoppelt.
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