Dieses Video wurde am 20.08.2026 von ntv Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Anleihen-Rendite befindet sich aktuell auf einem Niveau, das Investoren seit 10 bis 15 Jahren nicht mehr zu sehen bekamen. Für Anleger ergibt sich damit eine seltene Gelegenheit, attraktive Zinserträge mit vergleichsweise geringem Risiko zu sichern. Gleichzeitig stellt das gestiegene Zinsniveau den Aktienmarkt vor spürbare Herausforderungen – und wirft die Frage auf, wie ein kluger Portfoliomix in diesem Umfeld aussehen sollte.
Anleihen-Rendite auf historisch hohem Niveau
Nach Jahren der Niedrig- und Nullzinspolitik bieten festverzinsliche Wertpapiere wieder substanzielle Erträge. Wer heute in Anleihen investiert, kann sich Renditeniveaus sichern, die zuletzt vor rund anderthalb Jahrzehnten erreichbar waren. Das macht diese Anlageklasse besonders attraktiv – vor allem dann, wenn die Inflation mittelfristig wieder leicht zurückgeht.
Sinkt die Inflationsrate, steigt die sogenannte Realrendite, also der inflationsbereinigte Ertrag einer Anleihe. Anleger, die jetzt einsteigen, könnten damit sowohl von hohen Nominalzinsen als auch von sinkenden Preisen profitieren – eine Kombination, die in den vergangenen Jahren kaum möglich war.
Warum steigende Zinsen den Aktienmarkt belasten
Das gestiegene Zinsniveau ist für den Aktienmarkt aus gleich drei Gründen eine Belastung:
- Attraktivitätsverlust von Aktien: Wer sichere, hohe Zinsen auf Anleihen erhält, muss das höhere Risiko des Aktienmarktes nicht zwingend eingehen.
- Teurere Unternehmenskredite: Steigende Zinsen erhöhen die Finanzierungskosten von Firmen und drücken damit direkt auf deren Gewinne.
- Höherer Diskontierungssatz: Am Aktienmarkt wird bewertet, was zukünftige Gewinne heute wert sind. Je höher der Zins, desto geringer ist der heutige Barwert künftiger Erträge – und desto niedriger fällt die Bewertung von Unternehmen aus.
Diese drei Faktoren zusammen können die Aktienbewertungen mittelfristig unter Druck setzen – selbst wenn die Unternehmensgewinne stabil bleiben.
Raus aus Aktien, rein in Anleihen? Ein Irrweg
Trotz der gestiegenen Attraktivität von Anleihen wäre eine vollständige Abkehr vom Aktienmarkt ein Fehler. Aktien bieten weiterhin Chancen, insbesondere für Anleger mit einer mittleren bis höheren Risikoneigung und einem langen Anlagehorizont. Langfristig haben Aktien trotz aller Schwankungen historisch die besten Renditen geliefert.
Die Empfehlung lautet daher nicht, Aktien zu meiden, sondern das Depot neu zu justieren. Nach einer langen Phase steigender Kurse an den Aktienmärkten kann es sinnvoll sein, etwas Risiko herauszunehmen und den Anleiheanteil zu erhöhen – ohne dabei auf das Wachstumspotenzial von Aktien vollständig zu verzichten.
Praktische Empfehlung: Depot neu ausbalancieren
Für konservative Anleger ist der aktuelle Moment besonders interessant: Sie können jetzt Sicherheit ins Portfolio bringen, ohne dabei auf attraktive Erträge verzichten zu müssen. Anleihen erfüllen in diesem Umfeld gleich zwei Funktionen – sie stabilisieren das Depot und werfen gleichzeitig respektable Zinsen ab.
Risikobereitere Investoren sollten hingegen eine ausgewogene Mischung beibehalten. Ein breit diversifiziertes Portfolio aus Aktien und Anleihen federt mögliche Kursrückgänge am Aktienmarkt ab, ohne auf Wachstumschancen vollständig zu verzichten.
Insgesamt markiert das aktuelle Zinsumfeld eine echte Zeitenwende für private Anleger. Die Rückkehr attraktiver Renditeniveaus bei festverzinslichen Wertpapieren eröffnet neue Möglichkeiten zur Portfoliodiversifikation – und ermöglicht es, Risiko bewusst zu steuern. Ob und in welchem Ausmaß umgeschichtet werden sollte, hängt letztlich von der persönlichen Anlagestrategie und dem individuellen Zeithorizont ab.
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