Dieses Video wurde am 20.08.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Im Ukrainekrieg spitzt sich die Lage für die ukrainische Bevölkerung weiter zu. Gerald Kaner, Brigadier a. D. des österreichischen Bundesheeres, zeichnet ein düsteres Bild: Die Ukraine verfügt derzeit kaum über wirksame Mittel zur Abwehr ballistischer Raketen und Hyperschallraketen. Gerade mit Blick auf den kommenden Winter, der nach Einschätzung des Militärexperten noch härter werden könnte als der bisher schlimmste seit Kriegsbeginn, sind das alarmierende Aussichten.
Russische Terrorangriffe auf die Zivilbevölkerung
Russland setzt seinen Beschuss der Ukraine unvermindert fort – mit Gleitbomben in Frontnähe ebenso wie mit ballistischen Lenkwaffen auf Bevölkerungszentren. Ziel dieser Angriffe ist laut Kaner nicht allein die militärische Schwächung der Ukraine, sondern auch die psychologische Zermürbung der Bevölkerung.
Russland nutze diese Angriffe als Terrorstrategie, um den Widerstandswillen zu brechen und Druck auf die politische Führung in Kyjiw auszuüben. Gleichzeitig konzentriert sich die Ukraine ihrerseits auf gezielte Gegenangriffe gegen russische Rüstungsproduktionsstätten, Ölraffinerien und Logistikzentren für sogenannte Dual-Use-Güter – also Waren, die sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden können. Dabei erzielt Kyjiw nach Einschätzung Kaners durchaus Erfolge.
Russlands Wirtschaft unter schwerem Druck
Trotz der martialischen Rhetorik aus Moskau ist Russland wirtschaftlich erheblich unter Druck geraten. Als symbolisches Zeichen gilt der Fall eines Chefökonomen einer russischen Staatsbank, der öffentlich einräumte, die russische Wirtschaft befinde sich in einem deplorablen Zustand und der Krieg sei wirtschaftlich auf Sicht nicht zu gewinnen – er wurde daraufhin sofort abgelöst.
Die wesentlichen Merkmale der russischen Wirtschaftslage im Überblick:
- Das Wirtschaftswachstum ist gering und fast ausschließlich auf die Kriegswirtschaft zurückzuführen.
- Die zivile Wirtschaft befindet sich in einem schlechten Zustand.
- Viele Unternehmen kämpfen unter dem Druck sehr hoher Kreditzinsen ums Überleben.
- Russland hat auf Kriegswirtschaft umgestellt, was strukturelle Schwächen verschärft.
Kaner schätzt, dass Russland diesen Krieg wirtschaftlich noch „das eine oder andere Jahr” durchhalten könne – was aus seiner Sicht jedoch zugleich bedeutet, dass alles daran gesetzt werden müsse, den Konflikt möglichst bald zu beenden.
Das Hauptproblem: Fehlende Luftabwehr gegen Hyperschallraketen
Der gravierendste Schwachpunkt der Ukraine liegt derzeit in ihrer Luftabwehr. Zwar sind Abschussvorrichtungen vorhanden, doch die dazugehörigen Lenkwaffen fehlen. Der Grund: Die USA benötigen diese Systeme – darunter Patriot-Abwehrraketen – selbst im Rahmen ihrer Operationen im Nahen Osten, konkret im Krieg gegen den Iran, und haben sie der Ukraine daher nicht freigegeben.
Eine Ersatzproduktion ist noch nicht in ausreichendem Umfang angelaufen. Die Folge ist dramatisch: Die Ukraine ist im Moment gegen ballistische Raketen und insbesondere gegen Hyperschallraketen nahezu schutzlos.
Drohender Albtraumwinter für die Ukraine
Der vergangene Winter war für die ukrainische Bevölkerung der härteste seit Beginn des Krieges. Flächendeckende Ausfälle der Heizinfrastruktur trafen Millionen Menschen. Kaner befürchtet, dass der kommende Winter noch schlimmer werden könnte.
Der entscheidende Unterschied: Im Vorjahr verfügte die Ukraine noch über einsatzbereite Flugabwehrsysteme, die einen Teil der Angriffe abwehren konnten. Diese Kapazitäten sind heute weitgehend erschöpft. Gelingt es nicht, rechtzeitig Ersatz zu beschaffen oder alternative Abwehrlösungen zu finden, droht der Ukraine ein Winter mit verheerenden humanitären Folgen für die Zivilbevölkerung.
Die Lage im Ukrainekrieg bleibt damit auf mehreren Ebenen kritisch – militärisch, infrastrukturell und humanitär. Ob diplomatische oder rüstungspolitische Lösungen rechtzeitig greifen können, wird sich in den kommenden Monaten entscheiden.
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