Dieses Video wurde am 20.08.2026 von NIUS auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Eine neue Schreibweise in Beiträgen von Tagesschau und ZDF heute sorgt für scharfe Kritik: Beide öffentlich-rechtlichen Sender verwenden das Adjektiv „Schwarz” großgeschrieben, wenn es um Menschen mit dunkler Hautfarbe geht – das Adjektiv „weiß” hingegen bleibt kleingeschrieben. Kritiker sprechen von einer sogenannten rassistischen Rechtschreibung, die bewusst Wertunterschiede zwischen Hautfarben in die Sprache einschreibe und gesellschaftliche Spaltung fördere. Anlass war die Berichterstattung über einen abgesagten exklusiven Schwimmnachmittag für Schwarze Menschen im Berliner Volksbad.
Woher stammt die neue Schreibkonvention?
Die Großschreibung von „Schwarz” geht auf Definitionen zivilgesellschaftlicher Organisationen zurück. Die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland erklärt, „Schwarze Menschen” sei eine Selbstbezeichnung und beschreibe eine von Rassismus betroffene gesellschaftliche Position. Das großgeschriebene „S” solle verdeutlichen, dass es sich um ein konstruiertes Zuordnungsmuster handele, nicht um eine biologische Eigenschaft.
Der Verein Neue Deutsche Medienmacher*innen liefert eine ergänzende Definition für „Weiß”: Gemeint sei nicht eine Hautfarbe, sondern eine gesellschaftspolitische Norm- und Machtposition – weshalb der Begriff in wissenschaftlichen Texten oft kleingeschrieben werde.
Tagesschau-Redakteure begründen die Übernahme dieser Schreibweise damit, die großgeschriebene Form „Schwarze Community” sei laut Duden mittlerweile gebräuchlich und werde von anderen Medien ähnlich verwendet.
Kritik: Sprache als Instrument der Ungleichbehandlung
Journalisten und Kommentatoren, die sich gegen die neue Schreibweise aussprechen, bringen mehrere Einwände vor:
- Die deutsche Rechtschreibregel besagt eindeutig: Adjektive werden kleingeschrieben.
- Großschreibung verleiht „Schwarz” ein sprachliches Adelsprädikat, das einer Hautfarbe explizit mehr Gewicht zuordnet.
- Das Gegenbeispiel – „Weiß” konsequent großzuschreiben – würde als rassistisch eingestuft; dieselbe Logik müsse symmetrisch gelten.
- Öffentlich-rechtliche Sender, die mit Rundfunkbeiträgen finanziert werden, sollten ideologisch neutrale Sprache verwenden.
- Die Schreibweise impliziere, alle Schwarzen hätten Rassismuserfahrung – ein Pauschalurteil, das selbst problematisch sei.
Besonders scharf ist der Vorwurf, durch solche Sprachregelungen werde eine Rangordnung von Hautfarben zementiert – genau das, was jahrzehntelange Anti-Rassismus-Arbeit überwinden wollte.
Hintergrund: Berliner Volksbad und die Absage des Schwimmnachmittags
Konkreter Auslöser der Berichterstattung war ein geplantes Event der Berliner Volksbühne gemeinsam mit dem Verein E-Ton: ein Schwimmnachmittag im Freibad vor der Volksbühne, der ausschließlich Schwarzen Menschen offenstehen sollte. Die Veranstaltung wurde kurzfristig abgesagt, nachdem den Veranstaltern Gewalt angedroht worden war und weder eine sichere An- noch Abreise garantiert werden konnte.
Bereits im Vorfeld hatte AFD-Chefin Alice Weidel das Event öffentlich kritisiert; auch eine Berliner CDU-Politikerin meldete sich zu Wort und erklärte, sie fühle sich als weiße Person diskriminiert. Die Volksbühne verteidigte das Konzept: Es gehe darum, Menschen, die häufiger diskriminiert werden, einen Schutzraum zu bieten.
Tagesschau und ZDF heute übernahmen bei ihrer Berichterstattung über diesen Fall die umstrittene Schreibweise – und gerieten dadurch selbst in den Fokus der Kritik.
Öffentlich-rechtliche Medien und ideologische Neutralität
Die Debatte wirft grundsätzliche Fragen zur Rolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auf. Kritiker argumentieren, Sender wie ARD und ZDF hätten einen gesetzlichen Auftrag zur Meinungsvielfalt und politischen Neutralität – die unreflektierte Übernahme von Begriffsdefinitionen aktivistischer NGOs widerspreche diesem Auftrag.
Befürworter der neuen Schreibweise hingegen verweisen darauf, Sprache entwickle sich gesellschaftlich weiter, und Redaktionen seien verpflichtet, zeitgemäße Bezeichnungen zu verwenden, wenn diese von betroffenen Gruppen selbst verwendet werden.
Die Debatte um Groß- und Kleinschreibung von Hautfarben-Adjektiven dürfte damit nicht beendet sein. Sie berührt zentrale Fragen: Wer darf Sprache definieren? Welche Rolle spielen Medien bei der Durchsetzung von Sprachkonventionen? Und wo beginnt die Grenze zwischen sprachlicher Sensibilität und ideologischer Einflussnahme? Diese Fragen werden politische und mediale Debatten noch länger begleiten.
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