Dieses Video wurde am 21.08.2026 von NIUS auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Dennis Ratke, Mitglied des Europaparlaments, CDU-Bundesvorstandsmitglied und Vorsitzender der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), hat mit einem Auftritt in der ZDF-Sendung von Markus Lanz eine heftige Debatte ausgelöst. Der 47-jährige NRW-Politiker erklärte, die Deutschen müssten sich daran gewöhnen, dass es in vielen Innenstädten keine deutschen Metzger und keine Kinos mehr gebe – und daran werde auch eine konsequente Abschiebung illegaler Migranten nichts ändern. Die Aussagen stoßen parteiübergreifend auf Unverständnis und werfen Fragen zur CDU-Linie im Vorfeld der NRW-Landtagswahl auf.
Was Ratke bei Lanz sagte – und wie er es begründete
Ratke argumentierte, selbst wenn alle illegal in Deutschland lebenden Migranten abgeschoben würden, verändere sich das Stadtbild in vielen Kommunen nicht. Als konkretes Beispiel nannte er seinen Heimatort Wattenscheid: Das letzte deutsche Metzgergeschäft in der Fußgängerzone habe geschlossen, an seiner Stelle sei ein Halal-Metzger. Ein Kino gebe es in der Innenstadt ebenfalls nicht mehr. Wattenscheid werde nie wieder so aussehen wie in den 1970er- oder 1980er-Jahren – daran führe kein Weg vorbei.
Moderator Markus Lanz hakte mehrfach nach, Ratke blieb jedoch bei seiner Position. Besonders auffällig: Er schilderte, dass er diese Diskussion auch mit seinen eigenen Eltern führe, die sich das frühere Wattenscheid zurückwünschten – und er ihnen erkläre, dass diese Zeit unwiederbringlich vorbei sei.
Kritik an den Aussagen: Politisch und moralisch fragwürdig
Die Reaktionen auf den Auftritt fallen deutlich aus. Mehrere Kritikpunkte werden dabei ins Feld geführt:
- Ratke ziehe aus seinem Argument einen fragwürdigen Umkehrschluss: Wenn Abschiebungen das Stadtbild ohnehin nicht verändern, brauche man sie auch nicht – das sei eine problematische Schlussfolgerung.
- Er stelle seine eigenen Eltern implizit als begriffsstutzig dar, indem er ihr Empfinden öffentlich als nicht zeitgemäß bezeichnet.
- Als Chef des Arbeitnehmerflügels CDA vertrete er eigentlich die Interessen der arbeitenden Bevölkerung – seine Aussagen vermittelten jedoch das Gegenteil von Bürgernähe.
- Eine Falschaussage zur Abschiebebilanz des einzigen AfD-Landrats in Sonneberg: Ratke behauptete, dieser habe in drei Jahren keinen einzigen Migranten abgeschoben. Tatsächlich wurden mindestens 14 Personen abgeschoben.
- Er weiche einer sachlichen Diskussion über CDU-Lösungsvorschläge aus und verweise stattdessen populistisch auf die AfD.
Strukturelle Ursachen: Warum verschwinden deutsche Metzger wirklich?
Neben der migrationspolitischen Debatte werden auch wirtschaftliche Gründe für das Verschwinden von Handwerksbetrieben aus den Innenstädten angeführt. Hohe Bürokratiebelastung, strenge Auflagen und fehlende wirtschaftliche Perspektiven für Selbstständige machten es Handwerksmeistern zunehmend schwer, eigene Betriebe zu führen.
Viele Metzgermeister zögen es vor, in Kantinen oder Großbetrieben angestellt zu arbeiten, anstatt sich den täglichen Kontrollen und Vorschriften eines eigenen Betriebs auszusetzen. Diese Entwicklung treffe den deutschen Mittelstand und das Handwerk strukturell – unabhängig von Migrationsfragen. Ratke als CDA-Vorsitzender hätte genau diesen Aspekt thematisieren können, tat es jedoch nicht.
Politische Folgen im Blick auf die NRW-Landtagswahl
In Nordrhein-Westfalen wird am 25. Mai 2026 ein neuer Landtag gewählt. Ratke gilt als einer der einflussreichsten CDU-Politiker des bevölkerungsreichsten Bundeslandes. Sein Auftritt bei Lanz dürfte die parteiinterne Debatte über den richtigen Umgang mit Migrationsfragen neu entfachen.
Ob die Aussagen der CDU nützen oder schaden, ist umstritten. Einerseits könnten sie Wählerinnen und Wähler ansprechen, die sich von anderen Volksparteien nicht mehr vertreten fühlen. Andererseits drohen sie, der AfD weiteren Auftrieb zu geben – indem sie das Framing übernehmen, ohne konkrete Lösungen zu benennen. Bisher blieb eine offizielle Reaktion der CDU-Führung auf Ratkes Thesen aus. Damit rückt die Frage ins Zentrum, ob seine Haltung als Einzelmeinung gilt oder ein breiteres Stimmungsbild innerhalb der Partei widerspiegelt.
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