Handwerk fordert Reformen: Deutschland muss liefern
Der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Jörg Detrich, dringt auf ein Reformpaket – und mahnt Parlament und Gesellschaft gleichermaßen.
Dieses Video wurde am 23.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der Zentralverband des Deutschen Handwerks drängt auf längst überfällige Reformen. Verbandspräsident Jörg Detrich fordert von der Bundesregierung und dem Bundestag, endlich Entscheidungen zu treffen – und macht klar: Deutschland braucht keine emotionalen Debatten, sondern verlässliche Signale für Wachstum und Zuversicht. Das Interview auf dem Nachrichtensender WELT zeigt, wie tief die Ungeduld der Wirtschaft mittlerweile sitzt.
Wirtschaft zeigt Leidensbereitschaft – Politik liefert nicht
Laut Detrich bringen Unternehmen und Handwerk bereits erhebliche Leidensbereitschaft auf. Denn die notwendigen Reformen bleiben aus, während Betriebe weiter auf belastbare Rahmenbedingungen warten. Viele Reformen hätten Nachteile, das räumt der Verbandspräsident offen ein. Dennoch: Nahezu alle Wirtschaftsverbände seien sich einig, dass die Umsetzung jetzt erfolgen müsse.
Das zentrale Argument: Deutschland muss beweisen, dass es überhaupt noch in der Lage ist, Reformen zu bewältigen. Ein Signal, das nach innen wie nach außen wirkt. Wer das verweigere, verspiele die Chance auf einen neuen Wachstumspfad.
Demografischer Wandel, Digitalisierung, Geopolitik: Die Dreifachbelastung
Detrich benennt drei große Kräfte, die Deutschland unter Druck setzen und auf die die Politik bislang keine ausreichende Antwort gefunden hat:
- Digitalisierung: Sie verändert Medienlandschaft, politische Kommunikation und Wahlverhalten grundlegend.
- Geopolitik: Eine große Wirtschaftsnation wie Deutschland könne nicht auf Pazifismus und Zurückhaltung setzen – eine klare europäische Position sei unerlässlich.
- Demografischer Wandel: Die Folgen seien gravierender, als der politische Betrieb bislang zugeben wolle.
Die Schlussfolgerung des Handwerkspräsidenten ist unmissverständlich: Gesellschaft und Politik hätten den Ernst der Lage noch nicht ausreichend verinnerlicht. Es brauche mehr als den kleinsten gemeinsamen Nenner.
Nicht der Kanzler allein – das Parlament steht in der Pflicht
Auf die Frage, ob der Bundeskanzler persönlich für das Reformversagen verantwortlich sei, weicht Detrich einer pauschalen Antwort aus. Zwar trügen Führungspersönlichkeiten besondere Verantwortung, doch der Blick müsse auf die parlamentarische Mehrheit gelenkt werden.
Als konkretes Beispiel nennt Detrich das Sonntagsparkverbot für Bäcker: Die Abschaffung steht explizit im Koalitionsvertrag – umgesetzt wurde sie bislang nicht. Das zeige, dass nicht nur die Regierungsspitze, sondern jeder einzelne Abgeordnete Verantwortung trage. Der Zentralverband kündigt an, genau das einzufordern: Man werde Parlamentarier aktiv befragen, was sie konkret unternähmen, um extreme Positionen aus der politischen Mitte fernzuhalten.
Reformen ja – aber sozial verträglich
Detrich wehrt sich gegen die Gleichsetzung von Reformdruck und sozialem Abbau. Wandel bedeute nicht automatisch, dass es ungerechter oder unsozialer wird. Vielmehr müsse sich das gesellschaftliche Modell mit den Bedingungen der Zeit weiterentwickeln.
Das Handwerk – als einer der größten Arbeitgeber und Ausbildungsbereiche Deutschlands – stehe bereit, diesen Prozess mitzutragen. Die Botschaft an die Politik ist klar: Die Zeit der Ausreden ist abgelaufen. Deutschland müsse jetzt die Ärmel hochkrempeln und zeigen, dass strukturelle Erneuerung gelingt. Andernfalls drohe eine weitere Destabilisierung – wirtschaftlich wie gesellschaftlich.
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