Ukraine-Krieg: Warum Putins Offensive stockt
Der Ukraine-Krieg an der Front bleibt festgefahren: Drohnenangriffe, zerstörte Schulen und ein stockender russischer Vormarsch im Donbas – ein Lagebericht.
Dieses Video wurde am 24.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der Ukraine-Krieg an der Front entwickelt sich seit Monaten kaum noch weiter – der Frontverlauf ist weitgehend eingefroren, während beide Seiten erbittert um jeden Kilometer kämpfen. Aus der Provinz Charkiw, genauer aus der Stadt Tschuhujew, lässt sich die aktuelle Lage exemplarisch beschreiben: Die Stadt liegt nicht in unmittelbarer Frontnähe, bietet aber dennoch ein anschauliches Bild vom Alltag des Krieges – geprägt von Drohnenangriffen, zerstörter Infrastruktur und einer Bevölkerung, die immer wieder neu aufbaut, was zerstört wird.
FPV-Drohnen: Die neue Waffe des Stellungskrieges
Eine zentrale Rolle im aktuellen Kriegsgeschehen spielen sogenannte FPV-Drohnen – kurz für „First Person View”. Dabei handelt es sich um kleine, ferngesteuerte Fluggeräte, an denen Granaten befestigt werden. Die Piloten steuern sie aus dem rückwärtigen Raum, ausgestattet mit FPV-Brillen, die ihnen ein direktes Sichtfeld aus der Drohnenperspektive liefern.
Diese Drohnen sind verhältnismäßig günstig, aber äußerst effektiv. Ihre Reichweite ist jedoch begrenzt: Städte wie Tschuhujew, die mehrere Dutzend Kilometer von der Front entfernt liegen, sind vor diesen Kamikaze-Drohnen noch weitgehend sicher.
Dennoch zeigt das Beispiel einer örtlichen Schule, wie weit der Krieg in den Alltag reicht: Das Gebäude wurde bereits 2022 zerstört, anschließend wieder aufgebaut – und dann erneut angegriffen. Ein Muster, das sich regelmäßig wiederholt. Der russische Geheimdienst beobachtet offenbar systematisch, was die Ukraine wiederaufbaut, und nimmt diese Ziele gezielt ins Visier.
Frontverlauf: Kaum Bewegung über Monate
Ein Blick auf die aktuelle Frontlinie zeigt: Trotz anhaltender Kämpfe hat sich der Frontverlauf in den vergangenen Monaten kaum verändert. Vom Süden bis in den Norden der Ukraine verläuft die Front nahezu statisch.
Besonders umkämpft ist derzeit die Provinz Saporischschja, wo russische Kräfte behaupten, in der Stadt Orichiv vorgedrungen zu sein. Die ukrainische Seite widerspricht und spricht lediglich von vereinzelten, versprengte russischen Einheiten ohne strategische Bedeutung. Eine unabhängige Verifikation vor Ort ist wegen der extremen Gefährdungslage nicht möglich – Aussage steht gegen Aussage.
Die wichtigsten Eckdaten zur aktuellen Frontlage:
- Russland kontrolliert rund 99,5 Prozent der Provinz Luhansk
- In der Provinz Donezk hält Russland etwa 80 Prozent des Gebiets
- Die Ukraine kontrolliert noch rund 5.000 Quadratkilometer im Donbas – eine Fläche doppelt so groß wie das Saarland
- Im Norden der Provinz Donezk, bei Lyman, erzielten ukrainische Kräfte zuletzt lokale Geländegewinne
- Der Großraum Slowjansk–Kramatorsk gilt als Hauptstoßrichtung der russischen Offensive
Donbas: Putins erklärtes Kriegsziel
Die strategische Priorität Russlands ist klar: der vollständige Zugriff auf den Donbas. Das Gebiet umfasst die beiden Provinzen Donezk und Luhansk und soll nach dem Willen von Präsident Wladimir Putin vollständig in die Russische Föderation integriert werden. Erst danach, so Putins Linie, sei Frieden möglich.
Die ukrainische Seite lehnt jede territoriale Konzession kategorisch ab. Präsident Selenskyj und die ukrainische Militärführung betonen immer wieder, kein Gelände freiwillig abzutreten. Diese verhärteten Positionen auf beiden Seiten machen eine diplomatische Lösung auf absehbare Zeit nahezu unmöglich.
Der Donbas-Konflikt ist damit nicht nur militärisch, sondern auch politisch eingefroren: Beide Kriegsparteien sind nicht bereit, aufeinander zuzugehen.
Ausblick: Ein Ende des Krieges nicht in Sicht
Die Lage an der Front im Ukraine-Krieg bleibt unübersichtlich und festgefahren. Russland kommt mit seiner Offensive nur sehr langsam voran, während die Ukraine mit begrenzten Ressourcen versucht, die Frontlinie zu halten und punktuelle Gegenvorstöße zu unternehmen.
Solange beide Seiten an ihren maximalen Kriegszielen festhalten – Russland an der vollständigen Kontrolle des Donbas, die Ukraine an der Wiederherstellung ihrer territorialen Integrität –, ist ein nachhaltiger Waffenstillstand nicht in Sicht. Der Krieg in der Ukraine droht sich weiter als Zermürbungskonflikt fortzusetzen, mit schweren Verlusten auf beiden Seiten und einer Zivilbevölkerung, die täglich mit den Folgen konfrontiert ist.
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