Papst Leo XIV. in Argentinien: Treffen mit Milei
Papst Leo XIV. reist trotz überstandener Lungenoperation nach Südamerika. In Argentinien trifft er auf Präsident Milei – ein Besuch voller Zündstoff und Diplomatie.
Dieses Video wurde am 08.11.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Papst Leo XIV. hat seine Südamerikareise angetreten – trotz einer kurz zuvor überstandenen Lungenoperation. Nach einem ersten Aufenthalt in Uruguay reist das Oberhaupt der katholischen Kirche weiter nach Argentinien und anschließend nach Peru, wo er als Missionar und Bischof tätig war. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem geplanten Treffen mit dem argentinischen Präsidenten Javier Milei – einer Begegnung, die politisch und religiös gleichermaßen aufgeladen ist.
Papstreise trotz Lungenoperation: Ein Zeichen der Entschlossenheit
Wenige Wochen nach einem operativen Eingriff an der Lunge hielt Leo XIV. unbeirrt an seinem ambitionierten Reiseprogramm fest. Die strapaziöse Tour durch mehrere südamerikanische Länder gilt als klares Signal: Der neue Papst setzt Prioritäten – und Lateinamerika steht ganz oben auf seiner Agenda.
Peru hat für ihn eine besondere persönliche Bedeutung. Dort verbrachte er Jahre als Missionar und später als Bischof, kennt die Region also aus eigener Anschauung. Dieser biografische Hintergrund verleiht der Reise eine Tiefe, die über diplomatische Pflichtbesuche hinausgeht.
Heikles Treffen: Leo XIV. und Milei in Buenos Aires
Im Mittelpunkt der öffentlichen Debatte steht das Aufeinandertreffen mit Argentiniens Staatschef Javier Milei. Der hatte einst Leos Vorgänger Papst Franziskus scharf angegriffen und ihm vorgeworfen, gemeinsam mit der politischen Linken von der Armut des Landes zu profitieren. Franziskus konterte, ohne Namen zu nennen, und bezeichnete ihn als „Rattenfänger”.
Als Milei und Franziskus sich schließlich persönlich in Rom trafen, verlief die Begegnung überraschend herzlich. Doch die ideologischen Gegensätze in wirtschaftspolitischen Fragen blieben bestehen. Leo XIV. gilt als diplomatischer und im Umgang konzilianter als sein Vorgänger – in der Sache jedoch als prinzipientreu. Wie er mit Mileis wirtschaftsliberalem Kurs umgeht, wird die Region genau beobachten.
- Milei warf Franziskus vor, von Argentiniens Armut zu profitieren
- Franziskus nannte Milei indirekt einen „Rattenfänger”
- Das persönliche Treffen in Rom verlief dennoch harmonisch
- Leo XIV. gilt als diplomatischer, aber inhaltlich standhaft
Lateinamerika: Katholische Kirche unter Druck der Evangelikalen
Jenseits des politischen Schlagabtauschs steht die Reise vor einem strukturellen Hintergrund: Die katholische Kirche verliert in Lateinamerika zunehmend Gläubige an evangelikale Kirchen. Als Grund gilt unter anderem, dass sich konservative Katholiken mit einer als wirtschaftspolitisch linksorientiert wahrgenommenen Kirchenlinie unter Franziskus nicht mehr vollständig identifizieren konnten.
Dennoch bleibt die Kirche ein zentraler gesellschaftlicher Faktor auf dem Kontinent. Die Messen sind voll, die Bindung der Bevölkerung an den Glauben ist stark – vergleichbar mit Europa in den 1950er und 1960er Jahren.
Von Leo XIV. erhoffen sich viele konservative Gläubige versöhnlichere Töne in gesellschaftspolitischen Fragen. Ob er diese Erwartungen erfüllt oder einen eigenen Kurs setzt, wird sich auf dieser Reise erstmals zeigen.
Einordnung: Signalwirkung für einen ganzen Kontinent
Die Südamerikareise von Papst Leo XIV. ist weit mehr als ein symbolischer Besuch in seiner früheren Wirkungsstätte. Sie ist ein politisches und religiöses Statement zu einem Zeitpunkt, an dem die Kirche auf dem Kontinent um Relevanz und Einheit kämpft. Was der Papst sagt, wie er auftritt und wie er mit Milei umgeht – all das wird in den kommenden Tagen auf einem ganzen Kontinent mit Spannung verfolgt. Die Reise könnte wegweisend sein: für das Verhältnis zwischen Vatikan und lateinamerikanischer Politik, aber auch für die Zukunft des Katholizismus in der Region.
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