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Aaron Praktiknjo

Spritrabatt: Falsche Wirkung, ungerechte Verteilung

Der neue Spritrabatt verbilligt Kraftstoff genau dann, wenn er knapp ist – Energieökonom Praktiknjo erklärt, warum das die falsche Wirkungsrichtung ist.

Redaktion · 25. September 2026, 12:42 Uhr · 4 Min. Lesezeit

Dieses Video wurde am 25.09.2026 von ntv Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Der erneute Spritrabatt der Bundesregierung kostet 2,5 Milliarden Euro über drei Monate – und soll Autofahrerinnen und Autofahrer um rund 17 Cent pro Liter entlasten. Doch der Energieökonom Professor Aaron Praktiknjo bescheinigt dem Instrument eine grundlegend falsche Wirkungsweise: Es verbillige Kraftstoff genau dann, wenn dieser knapp sei, und verstärke damit den Verbrauch statt ihn zu senken. Ob der Rabatt tatsächlich bei einkommensschwachen Haushalten ankommt, ist dabei eine zweite, ebenso kritische Frage.

Spritrabatt erhöht den Verbrauch statt ihn zu senken

Das grundlegende Problem des Tankrabatts liegt laut Praktiknjo in seiner Wirkungsrichtung. Hohe Kraftstoffpreise entstehen, weil das Angebot knapp ist. Wer in dieser Situation den Preis künstlich senkt, stimuliert zusätzliche Nachfrage – genau das Gegenteil einer sinnvollen Krisenreaktion.

Berechnungen des Energieökonomen zeigen: Durch den Rabatt steigt der Kraftstoffverbrauch um rund 2,2 Prozent. Die Maßnahme wirkt damit gegen das eigentliche Ziel, Engpässe abzufedern, und belastet gleichzeitig die öffentlichen Haushalte erheblich. Die Kosten von 2,5 Milliarden Euro sollen je zur Hälfte vom Bund und den Ländern getragen werden.

Als schnelle Soforthilfe sei das Instrument zwar nachvollziehbar, so Praktiknjo, denn es sei bereits erprobt. Doch die strukturellen Schwächen blieben dieselben wie beim ersten Tankrabatt im Jahr 2022.

Nur 13 bis 16 Cent von 17 kommen an der Zapfsäule an

Ein weiteres Problem ist der sogenannte Weitergabeeffekt. Frühere Untersuchungen zum Tankrabatt 2022 haben gezeigt, dass Mineralölkonzerne und Tankstellenbetreiber einen Teil der Steuersenkung nicht vollständig an die Verbraucher weitergeben.

Je nach Untersuchungsmethode kommen demnach lediglich 70 bis 90 Prozent der geplanten Entlastung tatsächlich bei den Autofahrenden an. Von den angestrebten 17 Cent pro Liter landen in der Praxis also nur rund 13 bis 16 Cent an der Zapfsäule im Portemonnaie der Verbraucher.

Das bedeutet: Ein Teil der Milliarden-Subvention versickert in den Margen der Kraftstoffbranche, ohne den Haushalten direkt zugutezukommen.

Entlastung folgt dem Verbrauch, nicht der Bedürftigkeit

Besonders scharf kritisiert Praktiknjo die soziale Verteilungswirkung des Rabatts. Das Entlastungsgeld folge dem Verbrauch – und nicht der wirtschaftlichen Bedürftigkeit der Haushalte.

Konkrete Berechnungen zeigen das Ungleichgewicht deutlich:

  • Haushalte mit den niedrigsten Einkommen sparen im Durchschnitt rund 3,20 Euro pro Monat.
  • Die obere Einkommenshälfte profitiert mit durchschnittlich 13 Euro pro Monat fast viermal so stark.
  • Besonders begünstigt sind Vielfahrer und Haushalte mit mehreren Fahrzeugen.
  • Gutverdienende mit hohem Kraftstoffverbrauch erhalten damit überproportional viel Unterstützung.

Die Maßnahme wirke nach dem Prinzip der Gießkanne: Alle erhalten etwas, aber gezielte Hilfe für einkommensschwache, auf das Auto angewiesene Menschen bleibt aus. Besonders diejenigen, die viel fahren müssen und gleichzeitig wenig verdienen, würden nicht ausreichend berücksichtigt.

Direkte Auszahlungen als Alternative – aber Datenlage fehlt

Als wirksamere Alternative nennt Praktiknjo direkte Hilfsauszahlungen an bedürftige Haushalte. Der entscheidende Vorteil: Geld ließe sich gezielt an jene lenken, die es tatsächlich brauchen, unabhängig von ihrem Kraftstoffverbrauch.

Doch genau hier liegt ein strukturelles Versäumnis. Um Direktzahlungen effizient abwickeln zu können, wären die IBAN-Kontodaten möglichst vieler Bürgerinnen und Bürger notwendig. Diese zu erheben wurde bereits nach dem Tankrabatt 2022 gefordert – passiert ist seither wenig. Derzeit liegen nach Einschätzung des Ökonomen weniger als 20 Prozent der benötigten Kontodaten vor.

Das zeigt: Die eigentliche Schwäche liegt nicht allein im Instrument Spritrabatt selbst, sondern in fehlenden digitalen Infrastrukturen für zielgenaue staatliche Transferleistungen. Solange diese Lücke nicht geschlossen wird, dürfte die Gießkanne bei der nächsten Energiepreiskrise erneut zum Einsatz kommen – mit denselben Schwächen wie zuvor.

Hinweis: Dieser Artikel wurde KI-gestützt erstellt und kann Fehler oder Ungenauigkeiten enthalten. Das verwendete Beitragsbild ist das YouTube-Vorschaubild des Original-Videos. Sämtliche Urheberrechte am Video, am Vorschaubild und an den darin enthaltenen Inhalten liegen beim jeweiligen YouTube-Kanal-Betreiber (ntv Nachrichten). Bei Fragen oder Anliegen zur Nutzung bitte über das Impressum kontaktieren.

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