Trump-Xi-Gipfel: Handelsstreit, Taiwan und KI
Beim Trump-Xi-Gipfel in Washington blieben große Durchbrüche aus: Zollpause verlängert, Taiwan-Streit ungelöst, KI-Regulierung gescheitert.
Dieses Video wurde am 25.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der Trump-Xi-Gipfel in Washington hat kaum greifbare Ergebnisse geliefert. US-Präsident Donald Trump empfing Chinas Staatschef Xi Jinping zu einem pompösen Staatsbankett im Weißen Haus, zu dem neben Regierungsvertretern auch führende Köpfe der amerikanischen Technologiebranche geladen waren – darunter Elon Musk, Tim Cook und Sam Altman. Doch hinter der protokollarischen Inszenierung zeichnete sich ein ernüchterndes Bild ab: Bei den zentralen Streitpunkten Handel, Taiwan und Künstliche Intelligenz blieben substanzielle Einigungen aus.
Zollpause verlängert – aber kein echter Deal
Das einzige konkrete Ergebnis des Treffens ist eine Verlängerung der Zollpause zwischen den USA und China. Der ursprünglich bis zum 10. November geltende Handelsfrieden wurde bis zum 10. Januar ausgedehnt. Viele Beobachter hatten auf eine Verlängerung von mindestens einem Jahr gehofft – entsprechend groß ist die Enttäuschung.
Ökonom Zyrus Della Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank (HCOB), bewertet das Ergebnis skeptisch. Er erwartet keine grundlegende Lösung des Handelskonflikts, sondern ein fortlaufendes Hangeln von Verlängerung zu Verlängerung. Sein Argument: China besitzt den längeren Hebel.
- China ist der weltweit dominante Lieferant von seltenen Erden, von denen die USA stark abhängig sind.
- Trotz der US-Zollpolitik steigen Chinas Exportzahlen von Rekord zu Rekord.
- Washington hat es bislang nicht geschafft, Chinas Exportfähigkeit nennenswert einzuschränken.
- Trump könnte die kurze Verlängerung als Druckmittel nutzen, um rasch einen echten Deal zu erzwingen – ob das gelingt, bleibt offen.
Della Rubia sieht die USA als strukturell schwächere Seite in diesen Verhandlungen – zu groß sei die wirtschaftliche Abhängigkeit von chinesischen Rohstoffen und Vorprodukten.
Taiwan: Sicherheitsgarantien bleiben vage
Ein weiteres zentrales Thema der bilateralen Gespräche war Taiwan. Xi Jinping drängte die US-Regierung, eine Unabhängigkeit der Insel offiziell abzulehnen – und nicht lediglich zu erklären, man unterstütze sie nicht. Diese scheinbar kleine Nuancierung im diplomatischen Wording hätte weitreichende politische Signalwirkung.
Trump soll diesen Punkt nicht explizit zugesagt, aber auch nicht klar abgelehnt haben. Hinzu kommt, dass ausstehende Waffenlieferungen an Taiwan, die bislang nicht von Trump unterzeichnet wurden, als mögliches Verhandlungsinstrument im Raum stehen. Analysten sehen darin ein Signal, dass Washington bereit sein könnte, Taiwan als Tauschmasse einzusetzen.
Fazit: Taiwan kann sich nach dem Gipfel nicht sicherer fühlen als zuvor – im Gegenteil deuten mehrere Signale auf eine zunehmende Unsicherheit der US-Sicherheitsgarantien hin.
Keine Einigung bei KI-Regulierung
Auch beim Thema Künstliche Intelligenz blieb der Gipfel ohne Fortschritt. Anthropic-Chef Dario Amodei hatte im Vorfeld vorgeschlagen, das Entwicklungstempo bei KI-Modellen zu drosseln, um Risiken besser kontrollieren zu können. Dieser Ansatz fand bei keiner der beiden Supermächte Gehör.
Trump lehnte jegliche Verlangsamung der KI-Entwicklung in den USA ab. Xi seinerseits verwies zwar auf chinesische KI-Regulierungsrahmen, die den menschlichen Nutzen sicherstellen sollen, sprach sich aber ebenfalls gegen ein Abbremsen aus – aus Furcht, den technologischen Rückstand gegenüber den USA weiter zu vergrößern.
Als einziges Ergebnis wurde ein offener Dialogkanal vereinbart, über den beide Seiten bei konkreten KI-Risiken miteinander kommunizieren können. Substanzielle Fortschritte bei der globalen KI-Governance blieben aus.
Ölpreis und Anleihemärkte im Fokus
Parallel zum Gipfelgeschehen bewegen sich die Finanzmärkte in einem angespannten Umfeld. Laufende US-Iran-Verhandlungen am Rande der UN-Vollversammlung in New York kreisen um die Straße von Hormus: Teheran könnte die Meerenge wieder öffnen, Washington im Gegenzug die Wirtschaftsblockade aufheben. Doch keine Seite will den ersten Schritt tun.
Della Rubia zeigt sich wenig optimistisch: Irans Hardliner, insbesondere die Revolutionsgarden, hätten kein Interesse an einer schnellen Einigung – zumal die US-Kongresswahlen Anfang November als politisches Druckmittel genutzt werden können. Der Ölpreis gab am Berichtstag leicht um rund ein Prozent nach, nachdem er zuvor deutlich zugelegt hatte. Der DAX reagierte mit einem Plus von 0,6 Prozent.
Auch die Anleiherenditen stehen im Fokus. Überraschend gute US-Konjunkturdaten, positive Einkaufsmanagerindizes und Aussagen eines Fed-Vertreters, dass der Inflationstrend nicht nach unten zeige, hatten die Renditen zuletzt um 20 bis 30 Basispunkte steigen lassen. Della Rubia hält einen weiteren Renditeanstieg für möglich, glaubt aber, dass ein temporärer Höhepunkt nahe ist.
Der Trump-Xi-Gipfel hat gezeigt, wie komplex das geopolitische und wirtschaftliche Geflecht zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt geworden ist. Kurzfristige Verlängerungen und Dialogversprechen überbrücken strukturelle Konflikte – lösen sie aber nicht. Ob bis Januar ein belastbarer Handelsdeal gelingt, bleibt die entscheidende Frage für Märkte und Politik gleichermaßen.
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