Henrik Wüst: Jörges nennt ihn „butterweichen Taktierer”
Nach dem CDU-Debakel in Mecklenburg-Vorpommern kritisiert Kolumnist Hans-Ulrich Jörges Henrik Wüst scharf: Er sei ein butterweicher Taktierer ohne Führungsqualität.
Dieses Video wurde am 28.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Das historische Wahlergebnis der CDU in Mecklenburg-Vorpommern hat eine parteiinterne Debatte ausgelöst – oder genauer gesagt: eben nicht. Erstmals in der Parteigeschichte flog die CDU dort aus einem Landesparlament, mit einem Ergebnis unter fünf Prozent. Doch statt offener Aufarbeitung herrsche in der Partei auffälliges Schweigen, kritisiert Kolumnist Hans-Ulrich Jörges scharf. Besonders Henrik Wüst, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, steht dabei im Mittelpunkt seiner Kritik.
Acht Ministerpräsidenten schweigen nach dem Wahldebakel
Kurz vor der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern hatten alle acht CDU-Landesministerpräsidenten noch gemeinsam einen Brief zur Unterstützung von Bundeskanzler Friedrich Merz unterzeichnet. Nach dem verheerenden Wahlergebnis jedoch: kein einziges öffentliches Wort. Kein Statement, keine Analyse, keine Forderung nach Konsequenzen.
Noch am Wahlabend sollen sich die Ministerpräsidenten in der Berliner Landesvertretung Rheinland-Pfalz getroffen haben. Wüst soll das Gebäude anschließend mit tief ins Gesicht gezogener Basecap verlassen haben – ein Bild, das Jörges als „albern” und symptomatisch für den Zustand der Partei bezeichnet.
Der Kolumnist ist überzeugt, dass hinter verschlossenen Türen durchaus über eine mögliche Ablösung von Friedrich Merz diskutiert wurde – man sich am Ende jedoch gegen ein offenes Aufbegehren entschied. Das Ergebnis: demonstratives Schweigen statt politischer Klarheit.
Henrik Wüst als Hoffnungsträger gescheitert
Jörges, der Wüst lange als möglichen Nachfolger an der CDU-Spitze eingeschätzt hatte, zieht nun eine klare Schlussfolgerung: Er glaube nicht mehr daran, dass Henrik Wüst der Richtige sei, um die Partei nach der Ära Merz wieder aufzubauen.
„Er hat sich für mich als butterweicher Taktierer gezeigt”, so Jörges. Wer Führungsanspruch in der größten Volkspartei erhebe, müsse aufrecht gehen, klar Position beziehen und dürfe in entscheidenden Momenten nicht verstummen. Wüst habe genau das Gegenteil getan.
- Kein öffentliches Wort nach dem historischen CDU-Absturz in MV
- Heimliches Treffen der Ministerpräsidenten ohne öffentliche Kommunikation
- Kein Bekenntnis zur Parteiführung – aber auch keine offene Kritik
- Ähnliches Verhalten bei Daniel Günther und Boris Rhein
Der Befund von Jörges ist vernichtend: Die CDU klammere sich an die Macht, ohne die notwendige Erneuerungsdiskussion zu führen. Eine Partei, die zu einem solchen Ergebnis schweige, könne dem Land keine politische Klarheit bringen.
Reformstau in der Koalition: SPD blockiert Pflegereform
Neben dem CDU-Versagen richtet Jörges seinen Blick auf die Bundesregierung. Die SPD-Fraktion unter Matthias Miersch hat öffentlich angekündigt, die geplante Pflegereform von Gesundheitsminister Karl Lauterbach nicht mitzutragen – obwohl diese bereits für das Kabinett terminiert war.
Dieses Vorgehen steht exemplarisch für einen umfassenderen Reformstillstand: Rentenreform, Steuerreform, Gesundheitsreform – überall wird gezogen, geschoben und neu verhandelt. Auch Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin aus Mecklenburg-Vorpommern, soll direkt mit dem Kanzler über Reformen verhandeln – an der eigenen Koalitionsführung vorbei.
Jörges fordert, dass der Kanzler nun klar benennt, welche Reformen noch Gültigkeit haben und welche neu verhandelt werden müssen. Ohne diese Klärung drohe eine politische Lähmung auf breiter Front.
Schulfach Zukunft: Ein konstruktiver Ausblick
Inmitten aller Kritik setzt Jörges auch einen positiven Akzent: Der Zukunftsforscher Harry Gattaz hat vorgeschlagen, an Schulen ein eigenes Schulfach „Zukunft” einzuführen. Die Idee: Schülerinnen und Schüler sollen lernen, vorausschauend zu denken, gesellschaftliche Entwicklungen zu antizipieren und eigene Lebenspläne zu entwickeln.
Jörges begrüßt den Vorschlag ausdrücklich. In einer Zeit, in der politische Debatten von Rückwärtsgewandtheit und kurzfristigem Taktieren geprägt seien, brauche es genau diese Fähigkeit: den Blick nach vorn. Ein Schulfach, das Fantasie, Planung und Zukunftsdenken fördere, könnte einen wichtigen Beitrag zur politischen Bildung der nächsten Generation leisten.
Der Kontrast könnte kaum größer sein: Während Parteistrategen im Verborgenen taktieren und Reformen im Koalitionsstreit versinken, plädiert Jörges dafür, junge Menschen systematisch auf eine gestaltbare Zukunft vorzubereiten.
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