Irankrieg und US-Wahlen: Navidi ordnet ein
Greift Trump nach den US-Kongresswahlen erneut den Iran an? USA-Expertin Sandra Navidi analysiert Militärkapazitäten, Ölinteressen und Wahlchancen der Demokraten.
Dieses Video wurde am 28.09.2026 von ntv Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Laut einem Bericht des Wall Street Journal erwägt US-Präsident Donald Trump nach den Kongresswahlen im November eine Wiederaufnahme militärischer Angriffe auf den Iran. USA-Expertin Sandra Navidi ordnet die Lage aus New York ein: Der Irankrieg ist in der amerikanischen Bevölkerung unbeliebt, die militärischen Kapazitäten der USA sind erheblich geschwächt – und Trumps eigentliches Ziel könnte weniger mit Sicherheitspolitik als mit Rohstoffinteressen zu tun haben.
Trump verschiebt unangenehme Entscheidungen auf nach den Midterms
Navidi zufolge verfolgt Trump die Strategie, politisch heikle Entscheidungen gezielt bis nach den Zwischenwahlen aufzuschieben. Gleichzeitig warnt sie davor, Trumps künftiges Handeln zu sicher vorherzusagen: Wiederholt sei zu beobachten gewesen, dass Spannungen zum Wochenende hin eskalierten und zu Wochenbeginn – wenn die Ölmärkte wieder öffnen – wieder deeskalierten.
Auch der jüngste Vorschlag des Irans bringe inhaltlich nichts Neues. Er enthalte im Wesentlichen nur die Absichtserklärungen, die beide Seiten bereits vor einiger Zeit geäußert hatten – ohne substanzielle neue Elemente.
Militärische Kapazitäten stark eingeschränkt
Einem der zentralen Argumente gegen neue Großangriffe zufolge fehlen den USA schlicht die nötigen Mittel. Navidi berichtet, dass die Munitionsvorräte weitgehend aufgebraucht sind und zahlreiche US-Militärbasen durch den bisherigen Konflikt zerstört wurden. Pentagon-Experten halten einen schnellen Wiederaufbau für unrealistisch.
Der entstandene Schaden gehe in die Milliarden Dollar und sei in absehbarer Zeit nicht zu beheben. Diskutiert werden laut Navidi auch der Einsatz taktischer Nuklearwaffen sowie der Einsatz von Bodentruppen – Szenarien, die die Lage weiter verschärfen würden.
Hohe Spritpreise als Wahlkampfthema
Die wirtschaftlichen Folgen des Konflikts sind für viele Amerikaner unmittelbar spürbar. Als direkte Konsequenz des Irankriegs verzeichnen die USA historisch hohe Benzin- und Dieselpreise. Auch Lebensmittelpreise und Transportkosten sind deutlich gestiegen.
Betroffene Wählergruppen sind dabei auch traditionelle Trump-Unterstützer:
- Landwirte und Farmverbände klagen über explodierende Betriebskosten
- Transportunternehmen und LKW-Firmen stehen teils vor der Insolvenz
- Raffinerie-Kapazitäten sind kriegsbedingt beeinträchtigt
- Transportwege bleiben auf absehbare Zeit gestört
Navidi sieht darin eine Chance für die Demokraten, betont aber, dass auch sie das Ruder nicht kurzfristig herumreißen könnten – strukturelle Schäden an Infrastruktur und Versorgungsketten seien nicht per Knopfdruck zu beheben.
Öl statt Demokratie: Trumps eigentliche Agenda?
Einen besonders brisanten Aspekt beleuchtet Navidi mit Blick auf Trumps strategische Ziele. Bei der UN-Vollversammlung habe Trump klargemacht, dass es ihm weder um die iranische Bevölkerung noch um Menschenrechte, Regimewechsel oder Atomwaffenkapazitäten gehe. Sein erklärtes Ziel sei der Zugang zum iranischen Öl – ähnlich wie im Fall Venezuelas.
Wohin die Einnahmen aus diesen Ressourcen letztlich fließen, bleibt unklar. Auch Finanzminister Scott Bessent konnte bei einer Kongressanhörung keine eindeutige Antwort darauf geben.
Mit Blick auf die Kongresswahlen hält Navidi eine blaue Welle zugunsten der Demokraten bei fairen Bedingungen für wahrscheinlich – angesichts Trumps historisch schlechter Umfragewerte und der wirtschaftlichen Belastungen. Allerdings warnt sie vor gezielten Manipulationen des Wahlprozesses durch Republikaner, die in ihrer Gesamtheit geeignet sein könnten, das Ergebnis zu beeinflussen. Wie die Wahlen letztlich ausgehen, lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorhersagen.
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