Operation Vivaldi: Ukraine erzielt Erfolge in Donezk
Die ukrainischen Streitkräfte feiern mit Operation Vivaldi Geländegewinne bei Liman in Donezk – während Russland die Wirtschaftsinfrastruktur der Ukraine zerstört.
Dieses Video wurde am 30.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Ukraine verzeichnet im Krieg gegen Russland lokale Fortschritte an der Front: Mit der Operation Vivaldi erzielen die ukrainischen Streitkräfte Geländegewinne im Norden der Provinz Donezk, rund um die Stadt Liman. Gleichzeitig setzt Russland seine massiven Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur fort und versucht, dem Land die wirtschaftliche Grundlage zu entziehen. Präsident Wolodymyr Selenski reagiert mit der Ankündigung einer erhöhten Produktion neuer Abwehrraketen – und erhält aus dem Westen weiteren militärischen Rückhalt.
Operation Vivaldi: Vier Etappen wie die Vier Jahreszeiten
Den Namen der Offensive hat General Andrij Bilezkyj, Kommandeur des dritten Armeekorps der Ukraine, persönlich gewählt. Die Anlehnung an den italienischen Barockkomponisten Antonio Vivaldi und dessen berühmte Violinkonzerte „Die vier Jahreszeiten” ist dabei bewusst: Die Operation ist in vier Etappen gegliedert, die strukturiert aufeinander aufbauen.
Zu Beginn verlief die Offensive bewusst geräuschlos und ohne große Medienbegleitung. Erst nachdem konkrete Erfolge erzielt wurden, trat General Bilezkyj mit den Ergebnissen an die Öffentlichkeit. Das Vorgehen zeigt eine veränderte ukrainische Informationsstrategie: Erst handeln, dann kommunizieren.
Die Schwerpunkte der Operation liegen im äußersten Norden der Provinz Donezk, sowohl in Liman selbst als auch in Ortschaften nordwestlich davon. Ukrainische Einheiten konnten dort nach Angaben des verantwortlichen Generals messbare Geländegewinne erzielen.
Gemischtes Bild an der Gesamtfront in Donezk
Der Erfolg bei Liman steht jedoch im Kontrast zur Gesamtlage in der Provinz. An anderen Frontabschnitten geraten die ukrainischen Streitkräfte zunehmend unter Druck:
- Südlich von Liman, bei Slawjansk, verstärken russische Kräfte ihren Angriffsdruck erheblich.
- Noch weiter südlich, bei Pokrowsk, führen russische Vorstöße zu kritischer Bedrängnis ukrainischer Stellungen.
- In mehreren anderen Abschnitten der Provinz Donezk bleibt die Lage für die Ukraine angespannt.
Die ukrainische Führung muss ihre begrenzten Kräfte damit auf einem langen und vielschichtigen Frontbogen einsetzen, was taktische Schwerpunktbildung erschwert.
Russlands Strategie: Wirtschaft und Infrastruktur im Visier
Parallel zum Frontkampf verfolgt Russland eine systematische Zerstörungsstrategie im ukrainischen Hinterland. Nahezu täglich greifen russische Streitkräfte gezielt wirtschaftlich relevante Ziele an:
- Hafenanlagen und Infrastruktur an der Donau und am Schwarzen Meer
- Standorte der ukrainischen Stahlindustrie, die inzwischen kaum noch produziert
- Industriebetriebe und Fabriken landesweit, teils scheinbar wahllos
- Energieinfrastruktur – besonders relevant mit Beginn der kälteren Jahreszeit
Das übergeordnete Ziel dieser Angriffe ist klar: Die Ukraine soll möglichst wenig Steuereinnahmen generieren können. Die daraus wachsende finanzielle Abhängigkeit von westlichen Partnern – allen voran Deutschland und andere EU-Staaten – soll die Geberländer langfristig zermürben und zu einer Reduzierung der Hilfszahlungen bewegen. Gelingt das, so das russische Kalkül, verliert die Ukraine ihre Handlungsfähigkeit.
Neue Abwehrraketen und westliche Militärhilfe
Die Ukraine reagiert auf die anhaltenden Drohnenangriffe auf Kiew und andere Städte mit gezielten Gegenmaßnahmen. Präsident Selenski kündigte eine steigende Produktionsrate neuartiger Abwehrraketen an, die speziell auf die schnelleren Jet-Drohnen russischer Bauart ausgelegt sind. Das Stadtzentrum Kiews war zuletzt wiederholt Ziel russischer Drohnenangriffe.
Unterstützung kommt auch aus Europa: Belgien hat zugesagt, bis Ende des laufenden Jahres drei F-16-Kampfflugzeuge an die Ukraine zu liefern. Die Maschinen sollen die ukrainische Luftverteidigung und Angriffskapazität weiter stärken.
Die Lage bleibt vielschichtig: Während die Ukraine mit Operation Vivaldi zeigt, dass sie zu gezielten Offensivoperationen fähig ist, kämpft das Land gleichzeitig gegen eine systematische Zerstörung seiner wirtschaftlichen Basis. Wie lange der Westen bereit ist, diese Lücke zu finanzieren, dürfte eine der entscheidenden Fragen der kommenden Monate bleiben.
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