BND-Chef warnt vor russischen Angriffen auf Infrastruktur
BND-Chef Martin Jäger warnt vor verstärkten russischen Angriffen auf kritische Infrastruktur und Sabotageakten in Europa. Was Bürger jetzt tun sollten.
Dieses Video wurde am 05.10.2026 von BILD auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
BND-Präsident Martin Jäger hat in einer Anhörung eindringlich vor einer Eskalation des russischen Schattenkriegs gegen westliche Staaten gewarnt. Demnach müssen Deutschland und seine NATO-Partner mit einer Zunahme von Anschlägen auf kritische Infrastruktur, gezielter Sabotage sowie verstärkter Desinformation rechnen. Sicherheitsexperten und Politiker sprechen seit etwa zwei Wochen mit wachsender Ernsthaftigkeit über die Bedrohungslage – und der Ton gegenüber Moskau wird deutlich schärfer.
Schattenkrieg statt hybride Bedrohung: Was Russland plant
Was lange als hybrider Krieg bezeichnet wurde, trägt nach Einschätzung des BND-Chefs inzwischen einen passenderen Namen: Schattenkrieg. Gemeint sind niederschwellige, aber systematische Angriffe unterhalb der Schwelle eines offenen militärischen Konflikts. Ziel ist es, die Bevölkerungen westlicher Staaten zu verunsichern und die Unterstützung für die Ukraine zu untergraben.
Der Hintergrund: Russland kommt nach allen vorliegenden Studien auf dem ukrainischen Schlachtfeld nicht voran – an einigen Frontabschnitten wurden sogar Geländeverluste verzeichnet. Das zwingt den Kreml dazu, Nebenkriegsschauplätze zu eröffnen und den Druck im Westen durch Sabotage, Desinformation und verdeckte Operationen zu erhöhen.
Konkrete Szenarien, mit denen Sicherheitsbehörden rechnen, umfassen:
- Drohnenangriffe über westeuropäischen Staaten
- Sabotageakte an Strom- und Wasserversorgungsnetzen
- Reisende Sabotagetrupps, die bereits in ganz Europa aktiv sein sollen
- Verstärkte Aktivität russischer Desinformationsnetzwerke und Trolle
- Mögliche militärische Provokationen in Transnistrien, Georgien oder Armenien
Russische Agenten und paramilitärische Strukturen in Deutschland
Besonders alarmierend sind die Zahlen, die Sicherheitskreise nennen: Schätzungsweise 3.500 bis 7.000 russische Agenten sollen sich derzeit in Deutschland aufhalten. Hinzu kommen paramilitärische Kräfte, die in Kampfsportvereinen untergetaucht sein sollen, sowie reisende Saboteurstrupps, die europaweit operieren.
Zudem wird davon ausgegangen, dass russische Geheimdienste das deutsche Infrastrukturnetz bereits vollständig kartiert haben – sie wissen, wo sich sensible Anlagen befinden. Dieser Geheimdienstkrieg gegen den Westen ist laut Experten kein neues Phänomen: Er begann schon unter Lenin und wurde nach 1990 – anders als im Westen wahrgenommen – nie eingestellt.
Besondere Aufmerksamkeit verdient auch die Desinformationsstrategie des Kremls. Narrative wie „Die Ukraine-Unterstützung treibt uns in den Krieg” werden gezielt in westlichen Gesellschaften gestreut und finden sich im Programm mehrerer Parteien wieder. Sicherheitsexperten betonen: Das ist ein aus Moskau stammendes Narrativ, kein organisch gewachsener politischer Standpunkt.
Der Westen schlägt einen neuen Ton an
Auf diplomatischer Ebene zeichnet sich eine klare Kursänderung ab. Mehrere westliche Spitzenpolitiker haben in den vergangenen Wochen öffentlich und ungewöhnlich deutlich Signale an Moskau gesendet:
Der Chef eines westlichen Geheimdienstes reiste eigens nach Moskau, um die Botschaft zu übermitteln: „Wir wissen, was ihr plant.” Der polnische Außenminister erklärte öffentlich, die NATO könnte Russland in einem Konflikt innerhalb von sechs Wochen entscheidend schwächen. Der estnische Staatspräsident kündigte an, bewaffnete Kräfte ohne Hoheitsabzeichen sofort zu erschießen. Die Türkei beobachtet russische Schiffe im Schwarzen Meer mit Drohnen und drohte mit dem Einsatz ihrer Flotte.
Auch Friedrich Merz reiste zu einem symbolisch aufgeladenen Zeitpunkt nach Kyiv und sandte damit ein klares Signal der Stärke an den Kreml. Deutschland kündigte zudem ein Milliardenpaket sowie die gemeinsame Produktion weitreichender Waffen an.
Zivilschutz: Was Bürger jetzt konkret tun können
Trotz der ernsten Lage betonen Experten: Panik ist fehl am Platz. Ein russischer Einmarsch in Deutschland ist nicht zu erwarten. Dennoch ist Wachsamkeit geboten – und eine einfache, aber wirkungsvolle Vorbereitung empfehlenswert.
Folgende Zivilschutzmaßnahmen werden empfohlen:
- Wasservorräte anlegen (für mindestens 2–5 Tage)
- Gaskartusche und Campingkocher bereithalten
- Kerzen und Taschenlampen mit ausreichend Batterien lagern
- Notstromaggregat anschaffen (sofern möglich)
- Verdächtige Aktivitäten an Infrastrukturanlagen umgehend melden
Bürgerinnen und Bürger werden außerdem dazu aufgerufen, aufmerksam zu bleiben: Wer an Umspannwerken oder anderen sensiblen Anlagen unbekannte Fahrzeuge oder Personen bemerkt, sollte dies ohne Scheu den Behörden melden – auch wenn sich der Verdacht als falsch herausstellt.
Die Lage bleibt ernst, aber beherrschbar. Der Westen agiert koordinierter und selbstbewusster als noch vor einigen Monaten. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, gesellschaftliche Spaltung und Desinformation wirksam zu bekämpfen – denn genau dort greift Russlands Schattenkrieg am tiefsten.
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