Lungenpest in Sibirien: Laborantin stirbt in Irkutsk
Eine 28-jährige Laborantin aus Irkutsk starb nach möglichem Kontakt mit Lungenpest. Russische Behörden dementieren einen Laborunfall – doch 200 Kontaktpersonen stehen unter Quarantäne.
Dieses Video wurde am 06.10.2026 von ntv Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Eine 28-jährige Laborantin am Forschungsinstitut für Pestbekämpfung im sibirischen Irkutsk ist gestorben. Daria Shipilova arbeitete dort an der Erforschung und Bekämpfung von Pestepidemien – und soll nun möglicherweise selbst an der gefährlichsten Form dieser Krankheit gestorben sein. Russische Behörden sprechen offiziell von einer Lungenentzündung unbekannter Ursache, während lokale Medien und Experten von einem möglichen Fall von Lungenpest ausgehen. Der Vorfall wirft international Fragen zur Transparenz russischer Gesundheitsbehörden auf.
Behörden dementieren Laborunfall – lokale Medien widersprechen
Die russische Gesundheitsbehörde schließt einen Laborunfall offiziell aus. Weder seien Mikroorganismen aus dem Labor bei der Verstorbenen nachgewiesen worden, noch gebe es Hinweise auf einen Zwischenfall im Institut. Der Kremlsprecher rief dazu auf, sich an offizielle Erklärungen zu halten und keine Spekulationen zu verbreiten.
Lokale Medienberichte zeichnen jedoch ein anderes Bild: Demnach soll sich Daria Shipilova im Labor mit dem Erreger der Lungenpest infiziert haben. Diese Version wird von den Behörden weder bestätigt noch vollständig widerlegt – eine Offenheit, die international für Aufmerksamkeit sorgt.
Lungenpest: Die tödlichste Form der Pest
Die Lungenpest ist die gefährlichste Verlaufsform der Pest. Im Unterschied zur Beulenpest überträgt sie sich per Tröpfcheninfektion direkt von Mensch zu Mensch und ist ohne Behandlung in nahezu allen Fällen tödlich. Das Zeitfenster für eine erfolgreiche Therapie mit Antibiotika ist dabei extrem klein – wird es verpasst, gibt es kaum noch wirksame Behandlungsmöglichkeiten.
- Übertragungsweg: Tröpfcheninfektion, Mensch zu Mensch
- Unbehandelt: nahezu immer tödlich
- Therapie: Antibiotika nur in einem sehr engen Zeitfenster wirksam
- Vorkommen: aktiv in Teilen Russlands, Asiens und Afrikas
- In Europa: seit mehr als 50 Jahren kein Auftreten verzeichnet
Erschwerend kommt hinzu, dass Mikroben und Keime laut Experten zunehmend resistenter werden, was die Behandlung von Lungenentzündungen generell schwieriger macht als noch vor einigen Jahrzehnten.
Quarantäne für 200 Kontaktpersonen und fünf Krankenhäuser
Trotz der offiziellen Dementis deuten die Maßnahmen vor Ort auf eine ernste Lage hin. Berichten zufolge stehen rund 200 Kontaktpersonen unter Quarantäne, darunter 60 Kollegen von Daria Shipilova aus dem Institut. Ebenso sollen fünf Krankenhäuser in Irkutsk unter Quarantänemaßnahmen stehen.
Russische Behörden bestätigen die Quarantäne nicht explizit, sprechen aber von „Maßnahmen zur Seuchenbekämpfung”. Der Gouverneur von Irkutsk erklärte, seit dem Tod der Laborantin habe kein weiterer Mitarbeiter des Instituts medizinische Hilfe benötigt. Die hygienische Lage sei stabil.
Europäisches Risiko gilt als gering – Lage wird beobachtet
Die zuständige EU-Gesundheitsbehörde hat den Vorfall im Blick, stuft das Infektionsrisiko für Menschen in Europa jedoch als sehr gering ein. Zu dieser Einschätzung kommen auch die US-amerikanischen Behörden. Die Lungenpest ist in Europa seit mehr als 50 Jahren nicht mehr aufgetreten.
Dennoch wird der Fall international aufmerksam verfolgt. Die ungeklärten Todesumstände, kombiniert mit dem Arbeitsumfeld der Verstorbenen in einem Pestforschungsinstitut und den weitreichenden Quarantänemaßnahmen, geben Anlass zur Wachsamkeit. Solange die russischen Behörden keine vollständige Transparenz über Erreger und Infektionsweg herstellen, bleiben zentrale Fragen rund um den Tod von Daria Shipilova offen.
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