Thursday, 8. October 2026
AfD

Christian Sewing: Wahrheit über Deutschlands Lage

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing fordert mutige Reformen, warnt vor Populismus und erklärt, warum Europa beim Thema KI dringend aufholen muss.

Redaktion · 7. October 2026, 12:00 Uhr · 4 Min. Lesezeit

Dieses Video wurde am 07.10.2026 von Handelsblatt auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hat beim Handelsblatt Bankgipfel eine klare Botschaft an Politik und Wirtschaft gerichtet: Deutschland brauche mutige Reformen, Offenheit statt Abschottung – und die Bereitschaft, der Bevölkerung die Wahrheit über die wirtschaftliche Lage des Landes zu sagen. In einem ausführlichen Gespräch mit Handelsblatt-Chefredakteur Sebastian Matthes sprach der Bankchef über geopolitische Risiken, den Aufstieg populistischer Parteien, die Rolle künstlicher Intelligenz und die Zukunft der Deutschen Bank.

Wachstum ist möglich – aber Reformen müssen Kurs halten

Trotz geopolitischer Unsicherheiten – vom Krieg im Nahen Osten bis zur anhaltenden Lage in der Ukraine – sieht Sewing für Deutschland in diesem Jahr ein Wachstum von knapp 1 Prozent als erreichbar an. Für das Folgejahr hält er rund 1,5 Prozent für realistisch. Damit sei die Lage besser als vielfach beschrieben werde.

Gleichzeitig mahnte er: Die angekündigten Reformen der Bundesregierung müssten konsequent umgesetzt werden. Wer jetzt über Rückschritte diskutiere, sende das falsche Signal an Investoren und Märkte. Sewing zog eine Parallele zur Transformation der Deutschen Bank ab 2018: Wer Kurs halte, werde belohnt.

Als konkrete nächste Schritte nannte er:

  • Weitere Senkung der Unternehmenssteuerbelastung über die Körperschaftsteuerreform hinaus
  • Konsequenter Bürokratieabbau, etwa durch automatische Genehmigungsfiktion nach drei bis vier Monaten
  • Mehr Arbeitsmarktflexibilität, unter anderem durch angepassten Kündigungsschutz
  • Eine gesellschaftliche Debatte über längere Arbeitszeiten – Sewing sprach sich für die 40-Stunden-Woche als Standard aus

Populismus und AfD: Klare Warnung an Investoren

Kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt äußerte sich Sewing ungewohnt direkt zur politischen Lage. Ein starkes Abschneiden der AfD würde das Vertrauen internationaler Investoren in Deutschland ernsthaft beschädigen. In Gesprächen nach den Quartalsergebnissen sei die Frage nach einem möglichen AfD-Erfolg regelmäßig unter den drei meistgestellten Fragen gewesen.

Abschottung, Nationalismus und der Austritt aus dem Euro oder der Europäischen Union seien „Gift für die deutsche Wirtschaft und den deutschen Wohlstand”. Unternehmen und Investoren schätzten Deutschland gerade wegen seiner politischen Stabilität, seiner unabhängigen Institutionen und seinem Triple-A-Rating.

Zur Frage, warum populistische Parteien dennoch so stark würden, räumte Sewing eine Mitverantwortung der Wirtschaft ein: In den Jahren 2010 bis 2020 hätten viele Akteure notwendige Reformen nicht eingefordert und sich stattdessen auf günstige Rahmenbedingungen – Nullzinsen, Abhängigkeit von chinesischem Wachstum, niedrige Verteidigungsausgaben – verlassen.

Künstliche Intelligenz: Europas Rückstand und die Chance der Industrie

Ein weiterer Schwerpunkt des Auftritts war die technologische Transformation. Sewing bezeichnete künstliche Intelligenz als die größte Umwälzung seit der industriellen Revolution. Europas Rückstand gegenüber den USA und China sei enorm: Während in den USA im vergangenen Jahr rund 300 Milliarden US-Dollar privates Kapital in KI geflossen seien, hätten Deutschland, Frankreich und Großbritannien zusammen lediglich 14 Milliarden aufgebracht.

Den Wettlauf um die größten Sprachmodelle könne Europa nicht gewinnen. Die Chance liege stattdessen darin, industrielle Stärke – in Maschinenbau, Chemie, Energie, Mobilität und Gesundheit – mit KI zu verbinden und so Produktivitätsgewinne zu erzielen.

Die Deutsche Bank selbst habe im ersten Halbjahr mehr als 100 KI-Anwendungen ins operative Geschäft integriert. Gemeinsam mit Google wird ein neuer Financial Research Agent entwickelt. Intern wurde der Anteil eigener Technologiemitarbeiter von unter 50 auf über 70 Prozent erhöht, um Abhängigkeiten zu reduzieren und Daten zu schützen.

Staatsverschuldung und die Rolle privaten Kapitals

Mit Blick auf steigende Anleiherenditen weltweit – die globalen Renditen erreichten zuletzt den höchsten Stand seit Mitte 2008 – zeigte sich Sewing zwar besorgt, sah aber noch keine akute Krise. Entscheidend sei der langfristige Blick: Über einen Zeitraum von 50 bis 100 Jahren betrachtet, befänden sich die Renditen nicht auf historischem Rekordniveau.

Die eigentliche Gefahr liege im schrumpfenden fiskalischen Spielraum der Staaten. Wenn künftige Schocks einträten, stünden weniger öffentliche Mittel zur Verfügung. Dies mache privates Kapital und eine funktionierende europäische Kapitalmarktunion umso wichtiger. Subventionen für jede Marktbewegung seien der falsche Weg – Eigenverantwortung und Haushaltsdisziplin müssten Vorrang haben.

Sewings Fazit: Europa hat die industrielle Substanz, Deutschland hat die Unternehmen und die Talente. Was jetzt fehle, sei der politische Mut, diesen Wandel konsequent zu gestalten – mit Offenheit nach außen, Reformen nach innen und der Bereitschaft, kurzfristige Einschnitte auszuhalten, um langfristig zu wachsen. Genau das sei auch die Aufgabe der Banken als strategische Partner in einer Zeit tiefgreifender Transformation.

Hinweis: Dieser Artikel wurde KI-gestützt erstellt und kann Fehler oder Ungenauigkeiten enthalten. Das verwendete Beitragsbild ist das YouTube-Vorschaubild des Original-Videos. Sämtliche Urheberrechte am Video, am Vorschaubild und an den darin enthaltenen Inhalten liegen beim jeweiligen YouTube-Kanal-Betreiber (Handelsblatt). Bei Fragen oder Anliegen zur Nutzung bitte über das Impressum kontaktieren.

RE

Redaktion

Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Schnell, klar und rund um die Uhr aktualisiert.

Kommentar schreiben

Mehr aus Wirtschaft & Finanzen

Alle Beiträge →