Rot-Rot-Grün in Berlin: Einigung im Antisemitismus-Streit
SPD, Linke und Grüne einigen sich auf ein Anti-Judenhass-Paket und räumen damit das zentrale Hindernis für Sondierungsgespräche in Berlin aus dem Weg.
Dieses Video wurde am 08.10.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Zweieinhalb Wochen nach der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus zeichnet sich ein klarer politischer Kurs ab: SPD, Linke und Grüne haben sich nach Informationen von WELT und der Deutschen Presse-Agentur auf ein gemeinsames Handlungspaket gegen Antisemitismus geeinigt. Damit räumen die drei Parteien das bislang größte Hindernis für den Beginn offizieller Sondierungsgespräche beiseite und ebnen so den Weg für ein mögliches Rot-Rot-Grün-Bündnis an der Spitze des Berliner Senats.
Antisemitismus als zentrales Hindernis für Sondierungen
Die SPD hatte eine klare Bedingung formuliert: Antisemitische Vorfälle aus den Reihen der Linkspartei dürfen bei einer möglichen Koalition keine Rolle mehr spielen. Damit reagierte sie auf jahrelange Debatten rund um den Neuköllner Verband der Linken, dem Beobachter eine strukturelle Durchdringung mit antisemitischen Positionen attestieren.
Der Problemherd ist nicht neu. Bereits seit Jahren sorgen Äußerungen aus diesem Bezirksverband für Empörung — und für Konsequenzen. Allein im Jahr 2024 verließen fünf prominente Linkenpolitiker die Partei, unter anderem als direkte Reaktion auf die anhaltenden antisemitischen Vorfälle.
Wie die Linke den Neuköllner Verband intern zur Räson bringt, bleibt eine offene Frage. Klar ist: Für den Beginn der Sondierungen setzt man auf eine gemeinsam vereinbarte Sprachregelung und ein verbindliches Handlungspaket, das im Falle antisemitischer Vorfälle greifen soll.
Drei Vorbereitungstreffen – jetzt folgen die echten Sondierungen
Die drei Parteien trafen sich bereits dreimal — ausdrücklich nur zur Vorbereitung von Sondierungen, nicht zu diesen selbst. Ein entscheidender Unterschied, denn erst die Sondierungsgespräche sollen in konkrete Koalitionsverhandlungen münden.
Bereits am Mittwochabend hatte die SPD-Fraktion eine digitale Sitzung einberufen, um die aktuellen Verhandlungsstände zu besprechen. Zu einem abschließenden Beschluss kam es dabei noch nicht. Für den Donnerstag um 13 Uhr ist ein gemeinsames Pressestatement von SPD, Linken und Grünen geplant — dann soll Klarheit über das weitere Vorgehen herrschen.
Streitthema Enteignungen: Linke macht Abstriche
Neben dem Antisemitismus-Komplex gibt es weitere inhaltliche Hürden, die die potenziellen Koalitionspartner überwinden müssen. Besonders das Thema Wohnungspolitik und Enteignungen gilt als heiß umkämpft. Doch auch hier deutet sich eine Annäherung an:
- Die Linke rückt offenbar von maximalen Enteignungsforderungen ab.
- Stattdessen soll bei den rund 400.000 landeseigenen Wohnungen auf Mieterhöhungen verzichtet werden.
- Dieses Modell gilt als möglicher Kompromiss, der auch für SPD und Grüne tragbar wäre.
- Bei den Grünen signalisiert eine deutliche Mehrheit, auch unter den Wählerinnen und Wählern, Offenheit gegenüber den Sondierungsgesprächen.
- In der SPD überwiegt hingegen noch eine gewisse Skepsis gegenüber dem Linksbündnis.
Mögliche linke Bürgermeisterin für Berlin
Sollten die Sondierungsgespräche erfolgreich verlaufen und in Koalitionsverhandlungen münden, könnte Berlin erstmals eine Bürgermeisterin der Linkspartei bekommen. Dieses Szenario rückt mit der heutigen Einigung greifbarer näher — auch wenn bis zu einer tatsächlichen Regierungsbildung noch zahlreiche Verhandlungsrunden bevorstehen.
Die politische Lage in der Hauptstadt bleibt damit in Bewegung. Das Pressestatement am Donnerstagmittag wird zeigen, ob die drei Parteien den nächsten formellen Schritt gemeinsam gehen — und ob Rot-Rot-Grün in Berlin tatsächlich Realität wird.
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