Geförderte Rente: Ein Drittel Bonus, null Kosten
Die neue staatlich geförderte Rente bringt 45 Euro Bonus auf 150 Euro Einzahlung. Warum die Kosten über Jahrzehnte Zehntausende Euro kosten können – und was das bedeutet.
Dieses Video wurde am 14.10.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die geförderte Altersvorsorge bekommt ab Januar 2027 ein neues Gesicht – und bietet Sparern einen erheblichen staatlichen Bonus: Wer monatlich 150 Euro in die neue Altersvorsorgedepot-Lösung (kurz: AVD) einzahlt, erhält automatisch 45 Euro vom Staat dazu. Das entspricht einem Drittel der Eigenleistung. Entscheidend für den tatsächlichen Ertrag ist jedoch, wie hoch die anfallenden Kosten sind – denn selbst geringe Gebühren können über 40 Jahre den Unterschied von Hunderttausenden Euro ausmachen.
Die dritte Säule der Rente – was steckt hinter dem AVD?
Das deutsche Rentensystem ruht auf drei Säulen: der gesetzlichen Rentenversicherung, der betrieblichen Altersvorsorge und der privaten, staatlich geförderten Vorsorge. Letztere war bislang vor allem durch das Riester-Modell bekannt – das nun durch das neue Altersvorsorgedepot abgelöst wird. Start ist der 1. Januar 2027.
Das Prinzip ist simpel: Monatlich werden mindestens 150 Euro eingezahlt, der Staat legt 45 Euro Förderung obendrauf. Damit entspricht die staatliche Beteiligung genau einem Drittel der Eigeneinlage – ein deutlich transparenteres und großzügigeres Modell als viele bisherige Förderwege.
Mehrere Anbieter buhlen bereits um Kunden. Neobroker wie Trade Republic, aber auch Konkurrenten wie Scalable Capital oder Smartbroker werben mit einem Angebot, das besonders aufhorchen lässt: null Euro Gebühren – weder für das Depot, noch für den Sparplan, noch für die enthaltenen Produkte.
Warum Kosten über Jahrzehnte entscheidend sind
Der entscheidende Hebel beim langfristigen Sparen sind nicht die Renditen allein, sondern die Kostenquote. Eine Beispielrechnung über 40 Jahre verdeutlicht das drastisch:
- Eigeneinzahlung über 40 Jahre (150 €/Monat): rund 72.000 Euro
- Endwert ohne Gebühren: rund 740.000 Euro
- Endwert bei 0,2 % Gebühren pro Jahr: rund 700.000 Euro – also 40.000 Euro weniger
- Endwert bei 1,0 % Gebühren pro Jahr: rund 560.000 Euro – also etwa 180.000 Euro weniger
Die Zahlen zeigen: Schon eine jährliche Kostenquote von einem Prozent – was in der Branche durchaus üblich ist – frisst über vier Jahrzehnte fast ein Viertel des möglichen Endvermögens auf. Wer also heute die richtige Entscheidung beim Anbieter trifft, spart im Rentenalter erhebliche Summen.
Auf die Kosten achten – aber wie?
Nicht jedes Nullkosten-Angebot bleibt dauerhaft kostenfrei. Anbieter können Konditionen anpassen, sobald die Förderphase läuft. Verbraucher sollten deshalb beim Abschluss genau prüfen, welche Kostengarantien vertraglich festgeschrieben sind.
Relevant sind dabei drei Kostenebenen:
- Depotgebühren: laufende Kosten für die Kontoführung
- Sparplangebühren: Transaktionskosten bei monatlichen Einzahlungen
- Produktkosten: interne Kosten der enthaltenen ETFs oder Fonds (Total Expense Ratio)
Nur wenn alle drei Posten möglichst niedrig oder null sind, entfaltet die Förderung ihre volle Wirkung. Ein Vergleich mehrerer Anbieter lohnt sich daher ausdrücklich – und sollte nicht allein auf Basis von Werbekampagnen erfolgen.
Krankenkassenbeiträge steigen – weiterer Druck auf private Vorsorge
Der Handlungsdruck für private Altersvorsorge wächst auch durch steigende Sozialabgaben. Der sogenannte Schätzerkreis der gesetzlichen Krankenversicherung prüft aktuell, ob der Zusatzbeitrag von derzeit 2,9 Prozent weiter angehoben werden muss. Hinzu kommt eine Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze von knapp 6.000 auf 6.375 Euro monatlich – was für Gutverdiener bereits ab 2027 rund 50 Euro mehr im Monat bedeutet.
Wer von einer Krankenkasse eine Beitragserhöhung mitgeteilt bekommt – oder dies eigenständig feststellt –, hat ein Sonderkündigungsrecht und kann die Kasse wechseln. Eine aktive Prüfung ist ratsam, da Kassen nicht immer proaktiv informieren müssen.
Die Einführung des Altersvorsorgedepots ist eine echte Chance für Sparer, die bislang keine staatlich geförderte Vorsorge betrieben haben. Der staatliche Bonus von einem Drittel auf jede Einzahlung ist attraktiv – doch die langfristige Rendite steht und fällt mit der Kostenstruktur des gewählten Anbieters. Je früher der Einstieg, desto stärker der Zinseszinseffekt. Die private Altersvorsorge rückt damit wieder stärker in den Fokus – und das zu Recht.
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