KI-Steuer und Koalitionsstreit: Merz unter Druck
Streit über Plastiksteuer, Haushaltsloch und KI-Steuer: Politikanalyst Gordon Repinski erklärt, warum die Koalition keinen gemeinsamen Kurs findet.
Dieses Video wurde am 15.10.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Bundesregierung stolpert von einem Koalitionsstreit in den nächsten. Ob Plastiksteuer, Haushaltsloch oder die Debatte um eine KI-Steuer – die Koalitionspartner finden keinen gemeinsamen Kurs. Chief Political Analyst Gordon Repinski sieht ein grundlegendes Problem: Es fehlt der politische Gesamtwille, ein gemeinsames Reformbild zu entwerfen. Statt Bürger zu entlasten, entstehen immer neue Einzelsteuern – und unterm Strich bleibt keine spürbare Entlastung übrig.
Plastiksteuer und das Haushaltsloch der Koalition
Die Union hält die geplante Plastiksteuer für nicht zustimmungsfähig. Damit fehlt dem Bundesfinanzminister mehr als eine Milliarde Euro, die eigentlich eine europäische Verpflichtung abdecken sollte. Das Haushaltsloch selbst ist damit nicht neu – es wird nur größer.
Repinski macht deutlich: Es ist fast egal, welches Thema in der Koalition gerade besprochen wird – es endet stets in einem Scharmützel. Was fehlt, ist eine klare Priorisierung von oben. Solange die Koalition keinen gemeinsamen Weg findet, droht jede Reform im Kleinklein zu versanden.
Besonders auffällig: Auf dem Arbeitgebertag konnte Friedrich Merz als größten Reformerfolg des Jahres lediglich verkünden, dass die Sozialbeiträge stabil bleiben. Repinski nannte das eine „kuriose Szene” – das Beste, was man offenbar erreichen kann, ist, dass es nicht noch teurer wird.
Wirtschaft ohne Wachstum – eine strukturelle Sackgasse
Hinter dem Koalitionsstreit steckt ein tieferes Problem: Deutschland befindet sich in einer Wirtschaft ohne Wachstum. Egal an welchem Reformpunkt man ansetzt, kehrt man immer wieder zum Ausgangsproblem zurück – einem strukturellen Wachstumsdefizit.
Die Folgen sind weitreichend:
- Neue Einzelsteuern ersetzen echte Strukturreformen
- Versprochene Entlastungen für Bürger und Unternehmen bleiben aus
- Die Rentenreform und andere Großprojekte stecken fest
- Das Haushaltsdefizit wächst, ohne dass ein tragfähiger Konsolidierungspfad erkennbar ist
Repinski fordert mehr Dynamik: Nur eine wachsende Wirtschaft schafft den Spielraum, den die Koalition für ihre Reformagenda dringend benötigt.
KI-Steuer: Streit zwischen Digitalminister und Wirtschaftsministerin
Ein weiterer Konflikt innerhalb der Koalition betrifft die Frage, ob Künstliche Intelligenz bereits jetzt besteuert werden sollte. Digitalminister Wildberger hat eine KI-Steuer ins Gespräch gebracht, um den durch Automatisierung entstehenden Wandel am Arbeitsmarkt zu gestalten. Wirtschaftsministerin Reiche widerspricht: Sie plädiert dafür, KI zunächst einzuführen und zu verbreiten, bevor man über Besteuerung nachdenke.
Repinski gibt beiden Seiten teilweise recht. Wildbergers Ansatz greife eine grundlegende ordnungspolitische Frage auf: Was passiert, wenn maximale wirtschaftliche Produktivität durch Maschinen erreicht wird, aber Millionen Menschen ihre Jobs verlieren? In diesem Fall wäre eine Steuer auf maschinell erzeugte Produktivität keine linke Idee, sondern eine sachliche Antwort auf eine neue Realität.
Gleichzeitig gelte: Deutschland und Europa befinden sich im technologischen Rückstand gegenüber den USA und China. Die entscheidende Frage sei derzeit weniger die optimale Regulierung, sondern das Aufholen im globalen KI-Wettrennen.
Einordnung: Reformstau gefährdet den Standort
Die Debatten um Plastiksteuer, Haushaltsloch und KI-Abgabe sind Symptome eines tiefergehenden Problems: Der Koalition fehlt eine gemeinsame strategische Vision. Einzelne Minister verfolgen eigene Agenden, während übergreifende Reformen ausbleiben. Ob bei der Rentenreform, der Steuerstruktur oder der Digitalpolitik – ohne ein abgestimmtes Gesamtkonzept droht Deutschland im internationalen Wettbewerb weiter zurückzufallen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Koalition die Kraft findet, diesen Kurs zu korrigieren.
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