Lungenkrebs beim Papst: Experte gibt Entwarnung
Der Papst wurde wegen Lungenkrebs operiert. Ein Thorax-Chirurg erklärt, warum die Prognose gut ist und was die Entfernung eines Lungenlappens bedeutet.
Dieses Video wurde am 16.10.2026 von BILD auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Diagnose Lungenkrebs beim Papst hat weltweit Erschrecken ausgelöst. Am vergangenen Sonntag bestätigte das Kirchenoberhaupt, dass ein Knoten in seiner Lunge festgestellt worden sei. Am darauffolgenden Dienstag erfolgte die Operation: Der untere Lappen des rechten Lungenflügels wurde entfernt. Die Diagnose lautet Adenokarzinom. Dr. Jan Fenrick, Direktor der Klinik für Thoraxchirurgie und Leiter des Lungenkrebszentrums der Evangelischen Kliniken Essen, ordnet den Fall ein – und gibt trotz der ernsten Grunderkrankung vorsichtigen Anlass zur Hoffnung.
Was ist ein Adenokarzinom der Lunge?
Lungenkrebs zählt zu den gefährlichsten und tödlichsten Krebserkrankungen überhaupt. Medizinisch unterscheidet man grundsätzlich zwei große Gruppen: kleinzellige und großzellige Lungenkarzinome. Das Adenokarzinom gehört zur Gruppe der großzelligen Karzinome und ist bei Nichtrauchern die mit Abstand häufigste Form – rund 80 bis 85 Prozent der Lungenkrebsfälle bei Nichtrauchern entfallen auf diesen Typ.
Der Papst gilt nach aktuellem Kenntnisstand als Nichtraucher. Bei Menschen, die nie geraucht haben, spielen vor allem genetische Faktoren eine entscheidende Rolle bei der Entstehung eines Adenokarzinoms. Das unterscheidet diese Patientengruppe grundlegend von jenen, bei denen langjähriger Tabakkonsum die Hauptursache ist.
Rauchen bleibt dennoch der bedeutendste Risikofaktor für Lungenkrebs insgesamt. Etwa 85 Prozent der Patienten in Lungenkrebszentren sind Raucher oder ehemalige Raucher – nur rund 15 Prozent sind lebenslange Nichtraucher.
Frühstadium: Warum die Operation ein gutes Zeichen ist
Entscheidend für die Prognose bei Lungenkrebs ist stets, wie weit der Tumor fortgeschritten ist – insbesondere, ob Lymphknoten befallen sind. Der direkte operative Eingriff beim Papst, bei dem der gesamte untere Lappen des rechten Lungenflügels entnommen wurde, lässt laut Experten einen wichtigen Rückschluss zu: Es handelt sich aller Wahrscheinlichkeit nach um ein Frühstadium ohne Lymphknotenbeteiligung.
Wäre der Tumor bereits weiter gestreut gewesen, hätte man zunächst eine andere Therapieform gewählt – etwa eine Chemotherapie oder Immuntherapie – und die Operation erst im Anschluss durchgeführt. Die gewählte Vorgehensweise deutet also darauf hin, dass der Tumor begrenzt und operativ vollständig entfernbar war.
- Kein Hinweis auf Lymphknotenbefall nach aktuellem Stand
- Direkte Operation spricht für lokalisiertes Frühstadium
- Möglicherweise ist keine weitere Chemo- oder Strahlentherapie erforderlich
- Abschließende Beurteilung folgt nach feingeweblicher Untersuchung durch Pathologen
Die endgültige Einschätzung, ob die Behandlung damit abgeschlossen ist, hängt vom Befund der pathologischen Untersuchung des entnommenen Gewebes ab.
Leben ohne einen Lungenlappen – was das bedeutet
Der entfernte untere Lappen des rechten Lungenflügels entspricht ungefähr 25 Prozent der gesamten Lungenleistung. Das klingt erheblich, ist in der Praxis jedoch gut kompensierbar. Unmittelbar nach der Operation – vor allem bei minimalinvasiven Techniken – sind die Einschränkungen überschaubar.
Im Verlauf des folgenden Jahres erholt sich die Lungenfunktion erfahrungsgemäß noch weiter. Patienten können nach einer solchen Operation in der Regel ein vollständig normales Leben mit guter Leistungsfähigkeit führen. Für den Papst, der als körperlich aktiv gilt, sind die Aussichten auf eine weitgehende Genesung damit grundsätzlich gut.
Moderne Therapien: Lungenkrebs ist kein Todesurteil mehr
Die Behandlungsmöglichkeiten bei Lungenkrebs haben sich in den vergangenen Jahrzehnten fundamental verändert. Im Vergleich zu den 1990er-Jahren hat sich die Sterblichkeitsrate bei dieser Erkrankung nahezu halbiert. Treiber dieser Entwicklung sind vor allem neue, zielgerichtete Therapien.
Moderne Immuntherapien und sogenannte zielgerichtete Medikamente setzen direkt an genetischen Mutationen des Tumors an. Dabei wird auf molekularer Ebene in die Biologie der Krebszellen eingegriffen und deren Wachstum gehemmt. Solche Ansätze sind heute ein fester Bestandteil der onkologischen Behandlung und können je nach Tumorprofil zusätzlich zur Operation eingesetzt werden.
Die Diagnose Lungenkrebs ist damit zwar weiterhin ernst zu nehmen – sie bedeutet aber längst nicht mehr automatisch das Schlimmste. Gerade in frühen Stadien, wie es beim Papst der Fall zu sein scheint, sind die Heilungschancen heute erheblich besser als noch vor einer Generation. Der beurteilende Experte zieht ein klares Fazit: Mit guter Hoffnung auf eine vollständige Genesung darf gerechnet werden.
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