Frühstartrente: Bundestag beschließt Kinderrente
Der Bundestag hat die Frühstartrente beschlossen: Kinder erhalten ab dem 6. Lebensjahr 10 € monatlich für die Altersvorsorge. Was das Gesetz bedeutet.
Dieses Video wurde am 16.10.2026 von Handelsblatt auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der Bundestag hat am Freitag mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen von CDU, CSU und SPD die sogenannte Frühstartrente beschlossen. Das Gesetz führt erstmals eine staatlich geförderte private Altersvorsorge für Kinder ein und gilt für alle, die ab dem Jahr 2020 geboren wurden. Befürworter sprechen von einem historischen Schritt für die finanzielle Absicherung künftiger Generationen – Kritiker warnen vor einem Zweiklassensystem zulasten einkommensschwacher Familien.
So funktioniert die Frühstartrente
Kinder, die Anspruch auf die Förderung haben, erhalten vom 6. bis zum 18. Lebensjahr monatlich 10 Euro vom Staat. Das Geld fließt auf ein sogenanntes Standarddepot, das die Eltern für ihr Kind anlegen müssen.
Schließen Eltern keinen eigenen Vertrag ab, investiert der Bund die monatlichen Beiträge automatisch in ein Sondervermögen namens Frühstartrente. Dieses Sondervermögen wird von der Deutschen Bundesbank verwaltet und darf ausschließlich in breit gestreute globale Aktien oder Aktienfonds angelegt werden.
Die wichtigsten Eckpunkte des Gesetzes im Überblick:
- Zielgruppe: alle ab 2020 geborenen Kinder
- Staatlicher Zuschuss: 10 Euro pro Monat über zwölf Jahre
- Anlage: Standarddepot der Eltern oder staatliches Sondervermögen
- Verwaltung des Sondervermögens: Deutsche Bundesbank
- Investitionsstrategie: breit gestreute globale Aktien und Aktienfonds
Mögliche Rendite: Über 50.000 Euro bis zur Rente
Nach Berechnungen des Bundesfinanzministeriums könnten durch die Frühstartrente – auf Basis historischer Renditen – bis zum Rentenbeginn mehr als 50.000 Euro angespart werden. Die Bundesregierung betont jedoch ausdrücklich, dass es sich dabei um reine Modellannahmen handelt.
Eine garantierte Rendite gibt es nicht. Wie hoch das angesparte Kapital am Ende tatsächlich ausfällt, hängt maßgeblich von der Entwicklung der globalen Aktienmärkte ab. Das Verlustrisiko trägt damit letztlich das Kind beziehungsweise der spätere Rentenempfänger.
Koalitionsvertreter verteidigten das Modell dennoch als wichtigen Schritt hin zu einer breiteren Beteiligung der Bevölkerung am Kapitalmarkt. Es handele sich um ein zentrales Vorhaben der aktuellen Koalition, das nun konsequent umgesetzt werde.
Kritik: Droht ein Zweiklassensystem bei der Altersvorsorge?
Aus der Opposition kommt deutliche Kritik. Bemängelt wird vor allem, dass das Gesetz Kinder aus wohlhabenderen Familien strukturell begünstigt. Eltern, die finanziell in der Lage sind, zusätzlich eigene Beiträge auf das Depot einzuzahlen, können die staatliche Starthilfe deutlich stärker hebeln als Familien, die ausschließlich auf die staatlichen 10 Euro angewiesen sind.
Kritiker sprechen deshalb von einem Zweiklassensystem: Wer in der sogenannten „Elternlotterie” Glück hatte, profitiere überproportional von der Frühstartrente, während Kinder aus einkommensschwachen Verhältnissen am Ende möglicherweise leer ausgehen könnten. Union und SPD hätten es in den Koalitionsverhandlungen versäumt, dieses strukturelle Ungleichgewicht zu korrigieren.
Die Koalition weist diese Vorwürfe zurück. Gerade für Kinder, deren Eltern keine zusätzlichen Ersparnisse beisteuern könnten, sei das automatisch angelegte Sondervermögen eine wichtige Grundsicherung im Alter.
Ausblick: Wann tritt das Gesetz in Kraft?
Das Gesetz soll zeitnah in Kraft treten; ein konkretes Datum wurde im Rahmen des Beschlusses noch nicht abschließend kommuniziert. Mit der Frühstartrente betritt Deutschland im europäischen Vergleich Neuland: Eine staatlich organisierte, kapitalmarktbasierte Altersvorsorge im Kindesalter ist in dieser Form bislang einzigartig im deutschsprachigen Raum.
Ob das Modell langfristig sein Ziel erreicht, nämlich die gesetzliche Rentenversicherung zu entlasten und zugleich mehr Menschen am Kapitalmarkt zu beteiligen, wird maßgeblich davon abhängen, wie sich die globalen Finanzmärkte in den kommenden Jahrzehnten entwickeln und ob es gelingt, auch einkommensschwache Familien wirksam einzubinden.
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