AfD plant Zusammenarbeit mit CDU-Minderheitsregierung
Ein internes AfD-Papier skizziert konkrete Bedingungen für eine Zusammenarbeit mit einer CDU/CSU-Minderheitsregierung – von Migration bis Kernkraft.
Dieses Video wurde am 22.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Ein internes Strategiepapier der AfD-Bundestagsfraktion zeigt, wie die Partei eine mögliche Zusammenarbeit mit einer CDU/CSU-Minderheitsregierung gestalten will. Das Nachrichtenportal Adnews berichtet über das Dokument, das konkrete inhaltliche Schnittmengen sowie institutionelle Forderungen der AfD benennt. Die Partei positioniert sich damit als potenzieller Mehrheitsbeschaffer im Bundestag – ohne formelle Koalition, aber mit klaren Bedingungen.
Was das interne AfD-Papier enthält
Laut dem Bericht benennt das interne Papier der AfD-Fraktion mehrere Politikfelder, in denen man inhaltliche Überschneidungen mit der Union sieht. Dazu zählen das Staatsbürgerschaftsrecht und die Kernkraft. Die AfD signalisiert damit Gesprächsbereitschaft in zentralen Sachfragen, ohne eine formale Regierungsbeteiligung anzustreben.
Darüber hinaus enthält das Papier institutionelle Forderungen: Die Partei verlangt Ausschussvorsitze im Bundestag sowie einen Vizepräsidentenposten. Beides wären Zugeständnisse, die ihr politisches Gewicht im Parlament erheblich stärken würden.
Das Szenario einer Minderheitsregierung ist in der deutschen Nachkriegspolitik ungewöhnlich, aber nicht unmöglich. Dabei regiert eine Regierung ohne stabile parlamentarische Mehrheit und muss sich für Gesetze wechselnde Unterstützung suchen – genau das könnte der AfD Einfluss ohne Regierungsverantwortung sichern.
Bernd Baumann: „Wir sind bereit”
Bernd Baumann, Parlamentarischer Geschäftsführer der AfD-Fraktion, hat sich öffentlich zu dem Szenario geäußert. Er betonte, die Partei bereite sich auf alle denkbaren politischen Konstellationen vor – einschließlich einer Minderheitsregierung.
Baumann skizzierte ein Modell, bei dem ein Bundeskanzler der Union Gesetzentwürfe einbringt und sich dann im Parlament Mehrheiten sucht. In diesem Szenario könnte die AfD fallweise zustimmen und so politische Akzente setzen, ohne Teil der Regierung zu sein. Baumann nannte konkrete Vorhaben, bei denen die AfD sofortige Unterstützung signalisierte:
- Verschärfung der Migrationspolitik
- Reaktivierung von Kernkraftwerken
- Abschaffung des Verbrennerverbots
- Einsparungen im Bundeshaushalt
- Rücknahme sozialpolitischer Projekte der Vorgängerregierung
„Deutschland hat keine Zeit mehr”, sagte Baumann und machte deutlich, dass die AfD eine rasche Umsetzung dieser Maßnahmen als dringend notwendig betrachtet.
Strategisches Kalkül hinter dem Vorstoß
Der Vorstoß der AfD folgt einer klaren strategischen Logik: Eine CDU/CSU-Minderheitsregierung wäre auf Unterstützung von außen angewiesen. Stimmt die AfD in Schlüsselfragen zu, könnte sie politische Realität mitgestalten, ohne die Verantwortung einer Regierungsbeteiligung tragen zu müssen. Kritiker sehen darin eine schleichende Normalisierung der Partei im politischen Betrieb.
Die Union hat eine Zusammenarbeit mit der AfD bislang kategorisch ausgeschlossen – ein Grundsatz, der innerhalb der CDU/CSU jedoch zunehmend diskutiert wird. Das Bekanntwerden des internen AfD-Papiers dürfte diese Debatte weiter anheizen.
Besonders brisant ist die Situation im Hinblick auf mögliche Mehrheitsverhältnisse nach der nächsten Bundestagswahl. Sollte es weder für eine Große Koalition noch für ein bürgerliches Bündnis ohne AfD reichen, könnte das Minderheitsregierungs-Szenario politische Realität werden.
Ausblick: Tabubruch oder pragmatische Politik?
Die Debatte um eine mögliche Duldung oder fallweise Unterstützung einer CDU-Minderheitsregierung durch die AfD wird die deutsche Innenpolitik in den kommenden Monaten intensiv beschäftigen. Für die demokratischen Parteien stellt sich die Frage, wie lange die bisherige Brandmauer politisch haltbar ist – insbesondere dann, wenn Regierbarkeit auf dem Spiel steht.
Das nun bekannt gewordene Strategiepapier zeigt, dass die AfD-Fraktion sich intensiv auf genau dieses Szenario vorbereitet hat. Ob CDU und CSU auf dieses Angebot eingehen oder den Cordon sanitaire aufrechterhalten, dürfte zu einer der zentralen Richtungsentscheidungen der deutschen Politik werden.
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