Dieses Video wurde am 05.05.2026 von DW auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Europa erwärmt sich schneller als jeder andere Kontinent – und könnte sich dennoch langfristig drastisch abkühlen. Dieses Paradox steht im Mittelpunkt neuer Forschung zur Atlantischen Umwälzzirkulation (AMOC), jenem gewaltigen System von Meeresströmungen, das warmes Wasser aus den Tropen nach Norden transportiert. Eine in der Fachzeitschrift Science Advances veröffentlichte Studie zeigt: Die AMOC ist gefährdeter als bisher gedacht, und der Punkt ohne Wiederkehr könnte näher sein als erwartet.
Was ist die AMOC und warum ist sie so wichtig?
Die AMOC funktioniert wie ein riesiges Förderband im Ozean. Warmes, salzreiches Oberflächenwasser fließt aus den Tropen in Richtung Nordatlantik, gibt dort Wärme an die Atmosphäre ab und hält so das Klima in Europa vergleichsweise mild. Durch Abkühlung und Verdunstung wird das Wasser dichter und sinkt in die Tiefe, um dann südwärts zurückzufließen – ein Kreislauf, der seit Jahrtausenden stabil ist.
Dieser Kreislauf ist jedoch in Gefahr. Globale Erwärmung lässt Gletscher schmelzen und süßes Schmelzwasser in den Nordatlantik fließen. Dieses leichtere, weniger salzhaltige Wasser sinkt nicht mehr so tief – und der Antriebsmechanismus des Förderbands schwächt sich ab.
Ein sichtbares Zeichen dieser Abschwächung ist der sogenannte Cold Blob: ein ungewöhnlich kühles Meeresgebiet westlich der Britischen Inseln und südlich von Island. Es ist die einzige Region der Erde, die sich trotz globaler Erwärmung messbar abgekühlt hat – genau wie von Klimamodellen vorhergesagt.
Neue Forschung: Kipppunkt näher als gedacht
Stefan Rahmstorf, Professor für Ozeanphysik an der Universität Potsdam und einer der führenden AMOC-Forscher weltweit, hat seine Einschätzung des Kollapsrisikos grundlegend revidiert. Jahrelang bezifferte er die Wahrscheinlichkeit eines vollständigen AMOC-Zusammenbruchs auf rund 5 Prozent. Neuere Klimamodelle zeichnen ein deutlich beunruhigenderes Bild:
- Bei hohen Treibhausgasemissionen zeigen rund 70 Prozent der Modelle einen AMOC-Kollaps bis Ende dieses Jahrhunderts.
- Selbst bei niedrigen Emissionsszenarien liegt die Wahrscheinlichkeit noch bei 25 Prozent.
- Der Kipppunkt – ab dem der Prozess unumkehrbar wird – könnte bereits in den nächsten Jahrzehnten erreicht werden.
- Nach dem Überschreiten des Kipppunkts würde die AMOC über einen Zeitraum von 50 bis 100 Jahren zum Erliegen kommen.
Der Kipppunkt ist dann erreicht, wenn die sogenannte Tiefenwasserbildung im Nordatlantik – das Absinken schweren, kalten Wassers – dauerhaft zum Stillstand kommt. Dieser Prozess ist der Antrieb der gesamten Zirkulation.
Welche Folgen hätte ein AMOC-Kollaps für Europa?
Ein Zusammenbruch der atlantischen Umwälzzirkulation wäre kein Ereignis wie im Hollywood-Film The Day After Tomorrow – keine neue Eiszeit innerhalb von Tagen. Die Veränderungen wären graduell, aber gravierend.
Besonders betroffen wären Großbritannien, Island und Skandinavien, die im Winter erheblich kältere Temperaturen erleben könnten. Gleichzeitig würde Südeuropa sich weiter aufheizen. Das steigende Temperaturgefälle zwischen Nord und Süd würde laut Rahmstorf die Häufigkeit und Intensität von Wetterextremen deutlich erhöhen – sowohl Hitzewellen als auch Stürme.
Weitere drohende Konsequenzen umfassen:
- Zunehmende Trockenheit in Europa – verstärkt durch den ohnehin klimabedingten Rückgang von Niederschlägen
- Regionaler Meeresspiegelanstieg um zusätzlich etwa einen halben Meter entlang der europäischen Küsten
- Veränderte Drucksysteme über dem Atlantik, die bereits heute Hitzewellen in Europa begünstigen
Der Cold Blob beeinflusst demnach schon jetzt das europäische Wetter: Tiefdruckgebiete, die über dem kühlen Wasser verharren, lenken warme Luft aus dem Südwesten nach Europa – einer der Gründe, warum sich der Kontinent schneller erwärmt als andere Regionen auf vergleichbaren Breitengraden.
Gibt es einen Ausweg?
Rahmstorf ist in diesem Punkt eindeutig: Sobald der Kipppunkt überschritten ist, gibt es keinen Weg zurück. Selbstverstärkende Rückkopplungseffekte machen den Prozess unumkehrbar. Die einzige wirksame Gegenmaßnahme ist die schnellstmögliche Reduktion von Treibhausgasemissionen – vor allem durch den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen.
Der Wissenschaftler kritisiert, dass weltweit die Subventionierung fossiler Energieträger weitergeht und der politische Wille zu entschlossenem Handeln fehlt. Als Physiker, so Rahmstorf, könne er keine Prognosen über menschliches Verhalten abgeben – er könne nur appellieren, dass die Politik die Erkenntnisse der Wissenschaft ernst nimmt.
Europas Klimazukunft ist damit von einem grundlegenden Widerspruch geprägt: Der Kontinent erwärmt sich schneller als jeder andere – und riskiert zugleich eine dramatische Abkühlung. Statt sich gegenseitig auszugleichen, würden beide Entwicklungen das Wettergeschehen in eine Richtung treiben: hin zu mehr Extremen.
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