Berlin-Wahl 2026: Enteignung oder Neubau?
Die Berlin-Wahl 2026 entscheidet über Enteignungen, Wohnungsbau und den künftigen Regierungskurs – CDU und Linke liegen bei je 20 Prozent.
Dieses Video wurde am 18.09.2026 von BILD auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Berlin-Wahl 2026 gilt als eine der folgenreichsten Abstimmungen in der Geschichte der Hauptstadt. CDU und Linke liegen in den Umfragen gleichauf bei jeweils 20 Prozent – ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das die Stadt an eine politische Weggabelung führt. Je nachdem, wer die künftige Dreierkoalition anführt, drohen entweder weitreichende Enteignungen von Großvermietern oder ein Kurs, der auf Neubau und Investitionssicherheit setzt.
Koalitionsarithmetik: Wer regiert mit wem?
Grüne und SPD gelten als gesetzt für eine Regierungsbeteiligung – die entscheidende Frage ist lediglich, ob sie nach links oder nach rechts andocken. Die SPD schwächelt derzeit bei rund 12 Prozent, während die Grünen ebenfalls kein starkes Ergebnis erwarten. Dennoch dürfte eine Dreierkoalition unvermeidlich sein, denn eine Zweierkoalition aus CDU und Linker ist politisch ausgeschlossen.
Zwei Szenarien stehen im Raum: Entweder führt die Linke unter ihrer Spitzenkandidatin Elif Irak ein Bündnis mit Grünen und SPD an – oder die CDU unter Spitzenkandidat Stefan Evers übernimmt das Ruder mit denselben Partnern. Der Unterschied in der praktischen Politik wäre erheblich.
Enteignung: Volksgesetz als Druckmittel
Das beherrschende Streitthema ist die Vergesellschaftung von Wohnungsbeständen großer Immobilienkonzerne. Beim Volksentscheid 2021 sprach sich eine Mehrheit der Berliner dafür aus, rund neun Großvermieter zu enteignen. Die Linke will dieses Votum nun umsetzen – allerdings nur zu 40 Prozent des Verkehrswerts, was rechtlich hochumstritten ist und letztlich das Bundesverfassungsgericht beschäftigen dürfte.
Auch die Grünen befürworten die Umsetzung des Volksentscheids. Die Initiative, die den Volksentscheid 2021 angestoßen hat, plant für den Fall einer Nichterfüllung ein eigenes konkretes Gesetz zur Abstimmung zu stellen. Erhält dieses eine Mehrheit, wäre es als Volksgesetz bindend – unabhängig davon, welche Partei regiert.
- Rund 50.000 Wohnungen fehlen derzeit in Berlin
- Enteignungen würden keinen einzigen Neubau schaffen
- Investoren könnten die Hauptstadt meiden, was den Wohnungsmangel verschärft
- Internationale Fonds – darunter Anleger aus Norwegen und den USA – sind in den betroffenen Unternehmen engagiert
- Das Bundesverfassungsgericht müsste über die Höhe einer rechtmäßigen Entschädigung entscheiden
Kritiker argumentieren, Enteignungen lösen das Wohnungsproblem strukturell nicht: Der Bestand wächst nicht, während Investoren abgeschreckt werden und künftige Neubauprojekte ausbleiben.
Tempelhofer Feld: Bebauung als Ausweg?
Ein konkreter Lösungsansatz im Bereich Wohnungsbau ist die Randbebauung des Tempelhofer Feldes. Die CDU schlägt vor, auf dem Gelände des ehemaligen Stadtflughafens rund 50.000 neue Wohnungen zu errichten, während 200 Hektar Freifläche – deutlich mehr als der Central Park in New York – offen blieben. SPD und Grüne lehnen eine Bebauung jedoch ab und wollen das Areal als Event- und Sportfläche erhalten.
Damit blockieren ausgerechnet die wahrscheinlichen Koalitionspartner beider möglicher Regierungen einen der wenigen Ansätze, der den Wohnungsmangel durch echten Neubau lindern könnte.
Kandidaten und die Bilanz der CDU-Regierung
Die Spitzenkandidaten sind außerhalb Berlins weitgehend unbekannt. Elif Irak (Linke), Juristin und Tochter türkischer Einwanderer, verfügt über politische Erfahrung als Bundestagsreferentin und Abgeordnete, jedoch kaum über exekutive Verwaltungserfahrung. Stefan Evers (CDU) amtiert seit drei Jahren als Finanzsenator, Steffen Krach (SPD) war Wissenschaftsstaatssekretär und Regionspräsident in Hannover – beide bringen mehr Regierungspraxis mit.
Die scheidende CDU-geführte Koalition unter Bürgermeister Kai Wegner steht wegen der sogenannten Tennisplatz-Affäre – Wegner hatte während eines Stromausfalls Anfang 2026 öffentlich nicht die Wahrheit über seinen Aufenthaltsort gesagt – unter Druck. Dennoch kann die CDU Erfolge vorweisen:
- Drastisch verkürzte Wartezeiten in Bürgerämtern
- Fortschritte bei der Digitalisierung kommunaler Dienstleistungen
- Einführung von KI-gestützten Kameras an Kriminalitätsschwerpunkten
- Vergleichsweise geräuschloser Regierungsstil im Vergleich zur Vorgängerkoalition
Die Berliner Wahl ist damit weit mehr als eine Personalentscheidung. Sie bestimmt, ob die Hauptstadt auf Enteignung und staatliche Bewirtschaftung oder auf Investitionssicherheit und Neubau setzt – mit Konsequenzen, die weit über die Stadtgrenzen hinaus spürbar sein werden.
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