Bitcoin & Gold: Beide Asset-Klassen unter Druck
Bitcoin und Gold gleichzeitig im Minus – ein historisches Novum seit 2011. Was die US-Midterms, der KI-Hype und der Nahostkonflikt für die Märkte bedeuten.
Dieses Video wurde am 03.11.2026 von DER AKTIONÄR TV auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
An den internationalen Kapitalmärkten herrscht Unruhe: Bitcoin und Gold notieren gleichzeitig tief im Minus – Bitcoin rund 12 Prozent und Gold rund 10 Prozent im Jahresverlauf. Ein solches paralleles Minus dieser beiden Asset-Klassen hat es seit dem Jahr 2011 nicht mehr gegeben. Hinzu kommen die US-Zwischenwahlen (Midterms), anhaltende Spannungen im Nahen Osten sowie eine gemischte Quartalssaison, die die Anleger weltweit beschäftigen.
Bitcoin und Gold: Historische Ausnahme oder Kaufsignal?
Dass Bitcoin und Gold zeitgleich zu den schwächsten Asset-Klassen des Jahres zählen, ist statistisch außergewöhnlich. Seit 2011 hat es eine solche Konstellation nicht gegeben. Optimisten interpretieren das als Fehlentwicklung, die sich bald korrigieren dürfte – und damit als mögliche Einstiegschance.
Auf der anderen Seite lasten steigende Zinsen besonders auf Gold, das keine laufenden Erträge ausschüttet. Im relativen Vergleich zu verzinsten Anlagen verliert das Edelmetall damit an Attraktivität. Bei der Marke von 4.000 US-Dollar liegt eine technisch robuste Unterstützungszone; viele Investoren, die Gold aus Sicherheitsgründen halten, dürften dennoch nicht verkaufen.
Bitcoin konnte seit Juli immerhin rund 25 Prozent zulegen. Langfristig orientierte Anleger verfolgen die aktuellen Schwankungen daher vergleichsweise gelassen.
US-Midterms und ihre Auswirkungen auf den Markt
Die US-Zwischenwahlen dominieren die kurzfristige Marktstimmung. Aktuelle Umfragen deuten darauf hin, dass die Demokraten beide Häuser des Kongresses – Senat und Repräsentantenhaus – übernehmen könnten. Das hätte weitreichende Konsequenzen für verschiedene Sektoren:
- KI und Technologie: Demokraten gelten als regulierungsfreudiger; der sogenannte KI-Trade könnte kurzfristig unter Druck geraten.
- Rüstung: Aktien wie RTX könnten leiden, da Verteidigungsausgaben unter demokratischer Mehrheit tendenziell geringer priorisiert werden.
- Erneuerbare Energien: Unternehmen wie First Solar dürften profitieren, wenn Subventionen für grüne Energie wieder in den Fokus rücken.
- Gesundheitssektor: Private Krankenversicherer wie UnitedHealth und Pharmaunternehmen wie Pfizer könnten von einem veränderten politischen Klima begünstigt werden.
- Tech-Konzerne: Meta und ähnliche Plattformen stehen bei regulatorischen Debatten rund um Datenzentren – besonders in Texas – im Blickpunkt.
Historisch gesehen laufen die Börsen in den zwölf Monaten nach Midterms in der Regel stark. Allerdings war der S&P 500 in diesen Phasen zuvor typischerweise schwächer – was diesmal nicht zutrifft. Anleger sollten die Marke von 5.750 Punkten beim S&P 500 sowie die 200-Tage-Linie als technische Orientierungspunkte im Blick behalten.
Quartalszahlen: Apple, Palantir und die KI-Debatte
Apple meldete Rekordumsätze, enttäuschte jedoch mit einem schwächeren Margenausblick – die Aktie geriet vorbörslich mit rund vier Prozent unter Druck. Bemerkenswert: Apple hat bei KI-Investitionen bewusst abgewartet und setzt lieber auf ausgereifte Technologien. Genau diese Zurückhaltung wird von manchen Anlegern nun honoriert, während Unternehmen mit hohen KI-Ausgaben kritischer beäugt werden.
Palantir lieferte starke Zahlen: Die Umsätze im privatwirtschaftlichen Segment wuchsen zuletzt um rund 150 Prozent, auch Behördenverträge entwickelten sich positiv. Dennoch verlor die Aktie vorbörslich rund sechs Prozent – die dreistelligen Bewertungsniveaus machen Investoren nervös. Das Unternehmen gilt als Paradebeispiel für den KI-Trade, das gilt auch als Risiko, sollte sich das politische Umfeld ändern.
CoreWeave und andere sogenannte Neoclouds stehen wegen ihrer hohen Schulden und dem steigenden Zinsniveau unter Druck.
DAX-Einzelwerte: Gewinner und Verlierer
An der Frankfurter Börse sorgt die Hoffnung auf ein Friedensabkommen im Nahen Osten für etwas Rückenwind. Der DAX notiert mit rund 0,2 Prozent leicht im Plus.
Zu den Gewinnern zählen:
- Bayer: Anhebung des Gewinnausblicks dank starker Pharmageschäfte; die Aktie legte in den vergangenen zwölf Monaten rund 100 Prozent zu.
- Fresenius Medical Care: Erholung setzt sich fort, Quartalszahlen trotz leichter Verfehlung positiv aufgenommen.
- Lufthansa: Besseres operatives Ergebnis als erwartet, gestützt durch hohe Ticketpreise.
Auf der Verliererseite stehen Zalando (schwache Bruttomarge), SAP (Schwäche im Techsektor), Adidas (Kritik an zu hohen Lagerbeständen), MTU (Streichung der Kaufempfehlung durch die Bank of America) sowie TeamViewer, das mit einem Kursverlust von rund 25 Prozent der größte Tagesverlierer ist.
Die kommenden Tage werden zeigen, wie Märkte auf das Wahlergebnis reagieren. Kurzfristig ist mit erhöhter Volatilität zu rechnen – insbesondere bei Tech- und KI-Werten. Mittel- und langfristig spricht die historische Datenlage nach Midterms eher für steigende Kurse, auch wenn das aktuelle Umfeld aus steigenden Zinsen, geopolitischer Unsicherheit und hohen Bewertungen viele Anleger zur Vorsicht mahnt.
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