Dieses Video wurde am 19.08.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Moderne Elektroautos sind rollende Datensammler – und genau das macht die Spionage durch chinesische Autos zu einer ernstzunehmenden Sicherheitsbedrohung. Professor Schlomo Schpiro, Geheimdienst- und Spionageexperte, warnt eindringlich: Fahrzeuge chinesischer Hersteller verfügen über Kameras, Mikrofone und vernetzte Systeme, die weit mehr Informationen erfassen, als die meisten Fahrer ahnen. Besonders Unternehmensflotten und sicherheitsrelevante Behörden geraten dabei ins Visier des chinesischen Nachrichtendienstes.
Elektroautos als Informationssammelsystem
Jedes moderne Elektrofahrzeug ist laut Schpiro ein hochentwickeltes Informationssammelsystem. Rundumsichtkameras und Fahrerassistenzsysteme, die ursprünglich für Sicherheit im Straßenverkehr entwickelt wurden, liefern gleichzeitig detaillierte Daten über die Umgebung des Fahrzeugs. Eingebaute Mikrofone nehmen Gespräche auf, und die Verknüpfung mit dem Smartphone des Fahrers ermöglicht die Erstellung präziser Bewegungs- und Verhaltensprofile.
Das Prinzip ist simpel: Wer sein Auto täglich um 8 Uhr morgens vor demselben Gebäude parkt und es erst am Nachmittag wieder bewegt, verrät dadurch seinen Arbeitsort, seine Routine und seine sozialen Kontakte. Ein Algorithmus kann daraus automatisch ein vollständiges Profil erstellen – ohne dass die betroffene Person es bemerkt.
Dabei gilt: Das Phänomen beschränkt sich nicht auf reine Elektrofahrzeuge. Auch moderne Verbrenner mit vernetzter Elektronik sind betroffen, wenngleich Elektroautos durch ihre höhere elektrische Kapazität selbst im Stillstand ferngesteuert ausgelesen werden können.
Wer ist das eigentliche Ziel der Spionage?
Privatpersonen stehen dabei kaum im Fokus. Der chinesische Nachrichtendienst interessiert sich laut Schpiro vorrangig für Fahrzeugflotten von Unternehmen und Behörden. Im Visier stehen insbesondere:
- Rüstungsunternehmen und deren Zulieferer
- Maschinenbauer und Industriekonzerne im Wettbewerb mit chinesischen Firmen
- Energie- und Ölproduzenten
- Militärische Einrichtungen, Nachrichtendienste und Polizeibehörden
Da viele Unternehmen und öffentliche Institutionen ihre Fuhrparks im Zuge staatlicher Förderung und Kosteneinsparungen zunehmend auf Elektrofahrzeuge umstellen, wächst die potenzielle Angriffsfläche stetig. Die schiere Menge der gesammelten Daten macht diese Flotten zu einem attraktiven Ziel für Wirtschafts- und Industriespionage.
Abwehrmöglichkeiten sind begrenzt
Die Optionen zur Gegenmaßnahme sind nach Einschätzung des Experten überschaubar. Zwar lassen sich einzelne Systeme per Software oder manuell deaktivieren – doch das geht stets auf Kosten der Fahrzeugfunktionalität. Wer die Kamera abklebt, verliert die Fahrerassistenz. Wer das Mikrofon deaktiviert, kann die Sprachsteuerung des Navigationssystems nicht mehr nutzen.
Schpiro nennt das ein „zweischneidiges Schwert”: Vollständiger Schutz und komfortabler Fahrbetrieb schließen sich weitgehend aus. Selbst scheinbar triviale Maßnahmen wie das Abkleben einer Kamera mit einem Kaugummi beseitigen das Grundproblem nicht – die systemische Vernetzung der Fahrzeuge bleibt bestehen.
Drohnen-Skandal als Warnsignal für die NATO
Die Risiken gehen über den zivilen Straßenverkehr hinaus. In Großbritannien löste die Enthüllung einen Sicherheitsskandal aus: Seedrohnen vom Typ K3 Scout sollen Signale nach China gesendet haben. Chinesische Bauteile stecken demnach nicht nur in Autos, sondern auch in westlichem Militärgerät.
Schpiro hält diesen Fund für äußerst besorgniserregend – und zwar aus zwei Gründen. Zum einen können die betroffenen Drohnen geheimdienstliche Informationen direkt nach China übermitteln. Zum anderen besitzt China die Möglichkeit, diese Systeme im Ernstfall aus der Ferne abzuschalten. Im Konfliktfall könnte ein einziger Klick in Peking dazu führen, dass NATO-Drohnen schlicht nicht mehr funktionieren.
Die Enthüllungen rund um chinesische Spionagetechnik in Alltagsfahrzeugen und Militärgerät zeigen: Die Auseinandersetzung zwischen westlichen Geheimdiensten und chinesischen Nachrichtendiensten wird zunehmend unsichtbar und technologisch. Wie Staaten und Unternehmen darauf regulatorisch und sicherheitspolitisch reagieren, dürfte eine der zentralen Fragen der kommenden Jahre bleiben.
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