Dieses Video wurde am 17.08.2026 von DER AKTIONÄR TV auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der DAX zeigt sich zum Start in die neue Handelswoche in robuster Verfassung. Am Freitag markierte der deutsche Leitindex mit einem Schlusskurs von rund 26.540 Punkten ein neues Rekordhoch auf Schlusskursbasis. Das bisherige Allzeithoch bei 26.573 Zählern ist in greifbarer Nähe. Dennoch mahnen steigende Anleiherenditen zur Vorsicht: In Deutschland liegt die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen wieder bei 3,20 Prozent, US-Staatsanleihen rentieren mit 4,67 Prozent, britische Gilts sogar über fünf Prozent – von nachlassendem Zinsdruck ist wenig zu spüren.
DAX-Technisches Bild: Vier Handelstage an der Widerstandszone
Bereits vier Handelstage in Folge hat der DAX im Bereich um 26.500 Punkte nach oben abgeprallt, ohne dabei die Unterstützungsmarke von 26.250 Punkten zu unterschreiten. Das technische Bild bleibt damit konstruktiv. Sollte eine tiefere Konsolidierung einsetzen, wäre der Bereich der alten Hochs bei rund 25.900 Punkten die nächste relevante Auffangzone.
Sowohl die 50-Tage-Linie als auch die 200-Tage-Linie zeigen aufwärts. Der Abstand zwischen aktuellem Kursniveau und dem gleitenden 200-Tage-Durchschnitt verdient weiterhin Beobachtung, da historisch ausgeprägte Abstände häufig Kurskorrekturphasen vorausgehen.
Die abklingende Berichtssaison – im DAX und MDAX sind die Halbjahreszahlen weitgehend veröffentlicht – sorgt für fehlende Kurstreiber. Insgesamt verlief die Zahlenrunde ordentlich, ohne große Überraschungen nach unten.
Aixtron und OHB: Technische Erholung und Milliardenauftrag
Aixtron setzt die Erholung vom Tief Ende Juli fort. Die Aktie notiert bei rund 41,50 Euro und steuert auf die 50-Tage-Linie bei etwa 46 Euro zu, die als erstes charttechnisches Ziel gilt. Der Anlagenbauer hat zuletzt einen starken Ausblick gegeben; spätestens 2027 soll das Wachstum deutlich an Fahrt gewinnen. Chip- und KI-Werte stehen nach dem jüngsten Kapitalmarkttag von ASML wieder stärker im Fokus der Anleger.
OHB gehört am Montagmorgen zu den auffälligsten Gewinnern. Laut einem Bericht des Handelsblatts hat das Bremer Raumfahrtunternehmen Aufträge für den Bau von 18 MEO-Satelliten im Rahmen des europäischen Projekts „IRIS²” erhalten. Das Auftragsvolumen soll sich auf knapp eine Milliarde Euro belaufen. Die Satelliten sollen in einer höheren Erdumlaufbahn kreisen und eine sichere, souveräne europäische Satellitenkommunikation gewährleisten – als Gegengewicht zu Elon Musks Starlink-Netzwerk.
- 18 MEO-Satelliten für das Projekt IRIS²
- Auftragsvolumen: knapp eine Milliarde Euro
- Fokus auf militärische und zivile Satellitenkommunikation
- Nächstes Kursziel: 300 Euro (aktueller Widerstand bei ~275 Euro)
OHB ist seit dem Einzug in den EURO STOXX stärker im Blick institutioneller Investoren und verfügt nach Einschätzung von Marktbeobachtern über erhebliches Wachstumspotenzial.
Rheinmetall und Salzgitter: Rüstung und Stahl mit Rückenwind
Rheinmetall setzt seinen Aufwärtstrend fort. Nachdem der Abwärtstrend bereits überwunden und die 50-Tage-Linie zurückerobert wurde, liegt der nächste bedeutende Widerstand oberhalb von 1.230 Euro. Darüber wäre die Marke von 1.300 Euro das nächste Kursziel. Jefferies und JP Morgan haben ihre Kursziele zuletzt auf jeweils 1.350 Euro angehoben. Für Anfang 2026 erscheint ein Kursbereich zwischen 1.400 und 1.500 Euro realistisch, sofern die geopolitische Lage im Nahen Osten stabil bleibt und die Rüstungsausgaben in Europa weiter steigen.
Salzgitter profitiert gleich von zwei Faktoren: dem europäischen Protektionismus gegenüber Billigstahlimporten sowie der hohen Rüstungsnachfrage nach Stahl. Die EU-Bestrebungen, die heimische Stahlindustrie zu schützen, stützen die Perspektiven des Konzerns. Charttechnisch hat Salzgitter die 50-Tage-Linie zurückerobert und zählt am Montagmorgen mit einem Plus von rund sechs Prozent zu den stärksten Werten. Der Widerstand bei etwa 58 Euro ist das nächste relevante Ziel.
Energiekontor und TeamViewer: Gewinnwarnung trifft auf Software-Phantasie
Ein scharfer Kontrast zeichnet sich bei Energiekontor ab. Der Windparkentwickler hat am vergangenen Donnerstag zunächst die Jahresguidance bestätigt, um wenige Stunden später eine Gewinnwarnung herauszugeben. Die Folge: ein Kurssturz von rund 20 Prozent am Freitag. Die Aktie notiert nun auf dem tiefsten Stand seit 2020. Analysten haben ihre Bewertungen vorerst ausgesetzt.
Nächste potenzielle Unterstützungszonen liegen erst im Bereich von 21 bis 22 Euro. Angesichts des erheblichen Vertrauensverlustes durch die widersprüchliche Kommunikation empfiehlt sich für Anleger Zurückhaltung, bis sich ein klareres Bild der Unternehmenslage ergibt.
TeamViewer profitiert indirekt von einem Übernahmegerücht im Softwaresektor: Der Private-Equity-Investor Silver Lake soll Interesse am US-Unternehmen Workday bekundet haben. Das Signal wirkt als Beleg dafür, dass europäische Softwareunternehmen trotz KI-Disruption noch substanziellen Wert besitzen. TeamViewer hat sich seit Anfang Juli erholt und nähert sich einem massiven Widerstand. Ein nachhaltiger Ausbruch darüber könnte die Aktie schnell in Richtung 8 Euro treiben – ein Anstieg von rund 20 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau.
Insgesamt bleibt der DAX in Rekordsichtweite, getragen von starken Einzelwerten aus Rüstung, Raumfahrt und Technologie. Der Empire State Index am Nachmittag (14:30 Uhr) dürfte als einziger nennenswerter Makrotermin des Tages erste Hinweise auf den Zustand der US-Wirtschaft liefern und kurzfristig Impulse setzen.
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