Monday, 2. November 2026
Binance

Deutschland AG: Rückkehr als Lösung für die Wirtschaft?

Telekomchef Höttges fordert mehr Kooperation à la Deutschland AG. Was steckt hinter der Debatte – und taugt das Modell als Blaupause für die Zukunft?

Redaktion · 2. November 2026, 05:52 Uhr · 4 Min. Lesezeit

Dieses Video wurde am 02.11.2026 von Handelsblatt auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Die Deutschland AG gilt seit der Jahrtausendwende als überwundenes Kapitel – ein Netzwerk aus Überkreuzbeteiligungen und Aufsichtsratsverflechtungen, das von einigen Dutzend Männern kontrolliert wurde. Doch ausgerechnet Telekomchef Timotheus Höttges hat das Modell zurück in die Debatte gebracht. Nach einer fünftägigen Asienreise mit Bundeskanzler Olaf Scholz rief er auf LinkedIn: „Her mit der Deutschland AG.” Das sorgte für Aufsehen – und wirft eine berechtigte Frage auf: Braucht die deutsche Wirtschaft eine neue Form koordinierter Zusammenarbeit?

Was Höttges mit der Deutschland AG meint

Höttges meint mit seiner Forderung keine Rückkehr zu intransparenten Herrenrunden. Er fragt vielmehr, was wäre, wenn deutsche Großkonzerne, Mittelstand, Wissenschaft und Politik konsequent gemeinsam an Innovation und technologischer Stärke arbeiteten – pragmatischer, geschäftsorientierter, ohne ständige Abgrenzungsdebatten.

Der Anstoß kam aus Asien. In Südkorea etwa fördert der Staat seit den 1960er Jahren gezielt Konglomerate und sektorale Kooperationen, etwa bei Chips und Batterien. Das Ergebnis: eine wettbewerbsfähige Industrie in globalen Schlüsseltechnologien. Wer solche Strukturen als reines Relikt abtut, ignoriert, dass ähnliche Modelle in den USA und China heute bewusst eingesetzt werden.

Auch der Autor Konstantin Richter, der die Geschichte der Deutschland AG literarisch aufgearbeitet hat, stellt die Frage, ob ein Mehr an koordiniertem Kapitalismus heute helfen könnte – nicht als Comeback eines intransparenten Systems, sondern als gemeinsame Fortschrittsidee.

Stärken und Schwächen des alten Modells

Die historische Deutschland AG hatte zweifellos ihre Schattenseiten. Die engen Verflechtungen zwischen Banken, Versicherungen und Industriekonzernen machten das System träge. Kritiker sehen in dieser Trägheit einen wesentlichen Grund für die heutige Innovationsschwäche deutscher Unternehmen.

  • Überkreuzbeteiligungen verhinderten oft mutige Investitionsentscheidungen
  • Wenig Wettbewerb unter den vernetzten Konzernen dämpfte Innovationsanreize
  • Compliance-Strukturen und Diversität spielten kaum eine Rolle
  • Politische Abhängigkeiten erschwerten unternehmerische Unabhängigkeit

Als Metapher für mehr strategische Zusammenarbeit trifft Höttges’ Forderung dennoch einen Nerv. Als wörtliche Gebrauchsanweisung greift sie zu kurz.

Habeck, Handelspolitik und der „dritte Weg”

Dass das Thema koordinierter Wirtschaftspolitik virulent ist, zeigt auch der frühere Vizekanzler Robert Habeck. In einem Interview warnte er die Bundesregierung davor, auf eine Rückkehr zu einer regelbasierten Handelsordnung zu hoffen. Seine Diagnose: China habe den Freihandel zu einer Falle gemacht.

Habecks Lösungsansatz klingt ähnlich wie das, was Höttges andeutet: „Wir brauchen einen gemeinsamen dritten Weg, der grob gesprochen so funktioniert, dass der Staat dem Markt Sicherheiten schafft und seine Innovationskräfte in strategischen Bereichen nutzt.” Beide denken also in Richtung einer strategisch gelenkten, aber marktwirtschaftlich verankerten Zusammenarbeit zwischen Staat und Wirtschaft.

Commerzbank, Börse und Krypto: Weitere Marktthemen im Blick

Abseits der Deutschland-AG-Debatte bewegen weitere Themen die Finanzmärkte. Bei der Commerzbank wächst die Sorge unter Investoren, dass Unicredit-Chef Andrea Orcel Minderheitsaktionäre bei einer möglichen Übernahme benachteiligen könnte. Große deutsche Fondsgesellschaften wie Union Investment, DWS und DZ Bank haben ihre Commerzbank-Positionen bereits deutlich reduziert.

An den Börsen bröckelt derweil das Fundament der sogenannten Magnificent Seven. Apple, Amazon, Alphabet, Meta, Microsoft, Nvidia und Tesla hatten jahrelang den US-Börsenboom getrieben. Doch mit wachsenden Zweifeln am KI-Versprechen verloren Alphabet, Amazon und Meta allein seit Donnerstag rund 700 Milliarden Dollar an Börsenwert – etwa so viel wie die drei größten DAX-Konzerne zusammen wert sind.

Und in der Kryptowelt erschütterte ein Rekord-Hack die Branche: Angreifer erbeuteten bei der Börse Binance rund 6,3 Milliarden Dollar – laut FBI das Werk der nordkoreanischen Gruppe Lazarus. Binance versprach, alle Verluste aus eigenen Reserven auszugleichen. Für eine Branche, die Banken überflüssig machen wollte, ist es bemerkenswert, dass das Kundenvertrauen letztlich von ausreichenden Rücklagen abhängt – bei Banken schlicht Eigenkapital genannt.

Die Debatte um die Deutschland AG zeigt: Der Ruf nach mehr strategischer Koordination zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Staat ist kein nostalgisches Phänomen, sondern eine Reaktion auf reale geopolitische und technologische Verschiebungen. Wie eine solche Kooperation ohne die Fehler der Vergangenheit gelingen kann, bleibt die entscheidende offene Frage.

Hinweis: Dieser Artikel wurde KI-gestützt erstellt und kann Fehler oder Ungenauigkeiten enthalten. Das verwendete Beitragsbild ist das YouTube-Vorschaubild des Original-Videos. Sämtliche Urheberrechte am Video, am Vorschaubild und an den darin enthaltenen Inhalten liegen beim jeweiligen YouTube-Kanal-Betreiber (Handelsblatt). Bei Fragen oder Anliegen zur Nutzung bitte über das Impressum kontaktieren.

RE

Redaktion

Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Schnell, klar und rund um die Uhr aktualisiert.

Kommentar schreiben

Mehr aus Wirtschaft & Finanzen

Alle Beiträge →