Wohnungsnot auf Mallorca: Seniorin lebt im Auto
Die Wohnungsnot auf Mallorca trifft auch ältere Menschen hart: Pilar Lopez, 65, lebt in ihrem Auto – verdrängt durch Ferienwohnungen und explodierende Mieten.
Dieses Video wurde am 03.10.2026 von ntv Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Wohnungsnot auf Mallorca hat ein menschliches Gesicht: Pilar Lopez, 65 Jahre alt, lebt seit dem Sommer 2025 in ihrem schwarzen VW Polo. Klamotten, ein Strohhut, ein Klappstuhl und Hygieneartikel – mehr passt nicht in das kleine Fahrzeug, das ihr nun als einziges Zuhause dient. Im Juni musste sie ihre Wohnung in Palma de Mallorca nach zwölf Jahren räumen. Ein Einzelschicksal, das exemplarisch für eine gesamtgesellschaftliche Krise steht, die ganz Spanien erfasst hat.
Alltag ohne vier Wände: Leben auf der Straße mit 65
Für Pilar Lopez beginnt jeder Tag mit einer einfachen Frage: Wo kann sie sich waschen? Die Antwort ist der Strand. Handtücher, Duschgel und Windeln gehören zu ihrem täglichen Gepäck. „Das sind meine Hygieneartikel – ein paar Handtücher, um mich am Strand zu duschen und auch um mich zwischendurch frisch zu machen”, erklärt sie. Dazu trägt sie Windeln, weil ein normaler Toilettengang für sie im Alltag ohne eigene Wohnung nicht selbstverständlich ist.
Der Verlust der Wohnung kam nach mehr als einem Jahrzehnt im selben Zuhause. Mit 65 Jahren, in einem Alter, in dem viele Menschen bereits Rentnerin sind oder kurz davor stehen, steht Lopez vor dem Nichts. Eine neue bezahlbare Wohnung zu finden, ist für sie nahezu unmöglich.
Spaniens Wohnungskrise: 750.000 fehlende Wohnungen
Was Pilar Lopez erlebt, ist kein Zufall. Laut der spanischen Zentralbank fehlen in Spanien landesweit mindestens 750.000 Wohnungen. Die Nachfrage übersteigt das Angebot seit Jahren deutlich, während die Mieten in vielen Städten und Regionen drastisch gestiegen sind.
Besonders betroffen sind folgende Personengruppen und Regionen:
- Ältere Menschen mit geringem Renteneinkommen
- Einkommensschwache Haushalte in Ballungszentren
- Bewohner von Urlaubsregionen wie den Balearen
- Junge Erwachsene ohne Eigenkapital für Immobilien
- Langjährige Mieter, die durch Eigentümerwechsel verdrängt werden
Die Krise hat strukturelle Ursachen: Zu wenig Neubau, hohe Baukosten und ein liberalisierter Mietmarkt, der Vermietern große Spielräume lässt.
Ferienwohnungen verdrängen Einheimische auf Mallorca
Auf den Balearen – und besonders auf Mallorca – verschärft sich die Lage durch einen zusätzlichen Faktor: den Massentourismus. Mit Ferienwohnungen für Urlauber lässt sich deutlich mehr Geld verdienen als mit langfristigen Mietverträgen für Einheimische. Viele Vermieter wandeln deshalb reguläre Mietwohnungen in touristische Unterkünfte um, oft ohne Rücksicht auf langjährige Mieter.
In Pilars Viertel in Palma ist dieser Wandel deutlich spürbar. Nach ihrer Aussage leben dort inzwischen fast ausschließlich deutsche Urlauber und Touristen, während die einheimische Bevölkerung verdrängt wurde. Das Viertel hat seinen Charakter als Wohnquartier verloren.
Dieses Phänomen ist kein Einzelfall: Auf Mallorca haben Proteste gegen Massentourismus in den vergangenen Jahren zugenommen. Demonstranten fordern eine Regulierung des Ferienwohnungsmarkts und mehr Schutz für Einheimische.
Politischer Druck wächst – doch Lösungen lassen auf sich warten
Spaniens Regierung hat das Ausmaß der Wohnungskrise erkannt und erste Maßnahmen angekündigt. Diskutiert werden unter anderem Mietpreisbremsen, der Ausbau von Sozialwohnungen und strengere Regulierungen für Kurzzeitvermietungen. Auf den Balearen haben die Behörden bereits begonnen, die Vergabe neuer Touristenlizenzen einzuschränken.
Doch für Menschen wie Pilar Lopez kommen diese Maßnahmen zu spät. Sie sitzt – buchstäblich – in ihrem Auto und wartet auf eine Lösung. Ihr Fall zeigt, wie dringend strukturelle Reformen auf dem spanischen Wohnungsmarkt sind. Ohne entschiedenes politisches Handeln werden sich ähnliche Schicksale auf Mallorca und anderen überteuerten Tourismusregionen häufen.
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