DM-Chef Werner kontert Campact-Boykott
DM-Chef Christoph Werner widersprach dem Campact-Boykottaufruf gegen YouTube-Kanäle und bekannte sich klar zum Meinungspluralismus als Grundlage der Demokratie.
Dieses Video wurde am 21.09.2026 von NIUS auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der Campact-Boykott gegen konservative YouTube-Kanäle hat sein Ziel verfehlt – zumindest bei der Drogeriekette DM. DM-Chef Christoph Werner hat sich in einem Podcast mit Journalist Paul Ronzheimer öffentlich zur Werbestrategie seines Unternehmens geäußert und dabei der Darstellung der NGO Campact widersprochen. Seine Aussagen überraschen: Werner bekennt sich ausdrücklich zum Meinungspluralismus und sieht diesen als unverzichtbare Grundlage einer funktionierenden liberalen Demokratie.
Campacts Kampagne: Boykottaufruf gegen „Hetzkanäle”
Die linke NGO Campact hatte rund 60 YouTube-Kanäle pauschal als sogenannte Hetzkanäle eingestuft. Darunter befanden sich Medien wie NIUS, Apollo News, die Weltwoche und Tichys Einblick. Anschließend wandte sich Campact an werbetreibende Unternehmen und forderte sie auf, diese Kanäle bei der Schaltung von Werbeanzeigen auszuschließen.
DM ließ die von Campact eingereichten Beispiele intern prüfen und entschied dann nach eigenen Kriterien, welche Kanäle tatsächlich von der Werbung ausgeschlossen werden. Das Ergebnis: Bekannte Medien wie NIUS und Apollo News standen nicht auf der internen Sperrliste des Unternehmens.
Werner: Meinungspluralismus als demokratisches Gebot
Im Podcast schilderte Werner, wie ihn die Reaktion seiner Kunden beeindruckt hatte. Zahlreiche Zuschriften hätten ihn erreicht – von Menschen, die besorgt waren, dass DM dem Boykottaufruf folgen könnte. Werner betonte, er habe sich bereits öffentlich, unter anderem bei Markus Lanz, für Debattenkultur ausgesprochen. Dieser Grundsatz habe ihn auch im Umgang mit der Campact-Kampagne geleitet.
„Wenn wir Menschen haben, die sagen, Meinungspluralismus ist wichtig, um sich eine Meinung zu bilden, dann ist es schon mal eine ganz wichtige Grundlage für eine funktionierende liberale und lebendige Demokratie”, so Werner wörtlich.
Besonders aufschlussreich: Werner beschrieb die Reaktion seiner Kunden als positives Signal für die Debattenkultur in Deutschland – nicht als Bedrohung oder Druck von außen.
Grauzonen statt Schwarz-Weiß-Denken
Auf die Frage, wo DM beim Thema Werbeplatzierung die Grenzen zieht, antwortete Werner differenziert. Er unterscheidet klar zwischen Inhalten, bei denen das Unternehmen nicht präsent sein möchte, und solchen, die in einer offenen Gesellschaft schlicht zumutbar seien:
- Kanäle, die Menschen bedrängen oder belästigen (sogenannter Gonzo-Journalismus), schließt DM aus
- Kanäle, die ins Zynische und Destruktive abdriften, werden ebenfalls gemieden
- Politisch kontroverse, aber legitime Meinungsformate sieht Werner als Teil des demokratischen Graubereichs
- Ein Interview mit einem AfD-Spitzenkandidaten etwa bezeichnet er ausdrücklich nicht als Hetze
Werner machte deutlich: Demokratie ist kein Schwarz-Weiß-Raum, sondern ein Spektrum vieler Grautöne. Unternehmen, die Werbung schalten, können und sollten nicht über gesellschaftliche Meinungsgrenzen entscheiden.
Rossmann vs. DM: Zwei unterschiedliche Wege
Der Vergleich mit dem Konkurrenten Rossmann fiel im Kontext deutlich aus. Während DM sich als Fürsprecher des Meinungspluralismus positioniert, halte Rossmann nach wie vor an einer Linie fest, die auf Ausschluss unliebsamer Meinungen ziele, so die Einschätzung der Diskutanten.
Ob hinter Werners Positionierung auch ökonomisches Kalkül steckt, bleibt offen. Klar ist: Das konservative Publikum, das sich von Rossmann abgewandt fühlt, könnte DM als Alternative wahrnehmen. Werner selbst betonte jedoch vor allem den inhaltlichen Aspekt – seine eigene Konsistenz in der Frage der Debattenfreiheit.
Der Fall zeigt, dass Boykottkampagnen im Stil von Campact zunehmend auf gesellschaftlichen Widerstand stoßen. Wenn ein Unternehmen wie DM öffentlich erklärt, dem Druck einer NGO nicht nachgegeben zu haben, und dabei Kundenzuspruch erntet, markiert das eine spürbare Verschiebung im öffentlichen Diskurs. Ob andere Unternehmen diesem Beispiel folgen werden, bleibt abzuwarten.
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