Elif Eralp (Linke) siegt in Berlin: Koalition wird schwierig
Die Linke mit Spitzenkandidatin Elif Eralp gewinnt die Berliner Wahl. Doch Enteignungen, Antisemitismus-Vorwürfe und ein Klan-Chef überschatten den Triumph.
Dieses Video wurde am 21.09.2026 von ntv Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Jubel, Konfetti und historische Stimmung bei der Berliner Linken: Elif Eralp könnte als Spitzenkandidatin der Partei als erste Bürgermeisterin Berlins Geschichte schreiben. Der Wahlsieg ist jedoch von kontroversen Programmpunkten, schweren Antisemitismusvorwürfen und einem unangenehmen Gast auf der Wahlparty überschattet. Die Koalitionsverhandlungen dürften alles andere als einfach werden.
Elif Eralp und die Vision eines „bezahlbaren Berlin”
In ihrer Siegesrede beschwor Eralp den Zusammenhalt der Berliner Bevölkerung. „Ab heute verändern wir gemeinsam unser Berlin und machen es zu einem besseren Ort”, rief sie ihren Anhängern zu. Im Mittelpunkt steht die Idee eines bezahlbaren Berlin – einer Stadt, in der Herkunft, Glaube, sexuelle Orientierung und Einkommensstärke keine Rolle mehr spielen sollen.
Der Wahlsieg der Linken wird von vielen als Signal gewertet, dass soziale Gerechtigkeit und Wohnungspolitik die drängendsten Themen der Hauptstadtwählerinnen und -wähler sind. Eralp hatte den Wahlkampf konsequent auf diese Themen ausgerichtet.
Radikale Programmpunkte: Enteignung und Polizeiabbau
Das Programm der Berliner Linken geht weit über klassische linke Sozialpolitik hinaus. Zu den zentralen Forderungen zählen:
- Enteignung großer Wohnbaukonzerne zur Bekämpfung der Wohnungsnot
- Die Legalisierung der Besetzung leerstehender Häuser
- Ein struktureller Rückbau der Polizei
- Die Abschaffung des Verfassungsschutzes
- Zusätzliche Feiertage: Fällt ein gesetzlicher Feiertag auf einen Sonntag, soll der darauffolgende Montag arbeitsfrei sein
Auch im Bildungsbereich plant die Partei Veränderungen: Schülerinnen und Schüler sollen künftig weniger Hausaufgaben erhalten und stattdessen stärker in der Schule lernen. Diese Forderungen stoßen bei potenziellen Koalitionspartnern auf erhebliche Skepsis.
Antisemitismus-Vorwürfe und Klan-Chef auf der Wahlparty
Neben den programmatischen Differenzen belasten zwei Vorfälle die Siegesstimmung der Linken erheblich. Teile des Berliner Landesverbands stehen wegen israelfeindlicher Äußerungen und antisemitischer Vorfälle massiv in der Kritik. Wie die Partei damit im Zuge von Koalitionsverhandlungen umgeht, wird eine zentrale Frage sein.
Für zusätzlichen Wirbel sorgte der Klan-Chef Isa Remo, der am Wahlabend bei der Wahlparty der Linken auftauchte. Die Partei distanzierte sich umgehend und erklärte, er sei nicht eingeladen gewesen. Der Vorfall heizt dennoch die Debatte über das Umfeld der Partei weiter an und dürfte in den kommenden Wochen für anhaltenden politischen Druck sorgen.
Koalitionsverhandlungen: Rot-Grün kein Selbstläufer
Eralp strebt eine Koalition mit SPD und Grünen an. Doch die inhaltlichen Hürden sind erheblich. Besonders bei drei Streitthemen werden harte Verhandlungen erwartet:
- Die Frage der Enteignungen von Wohnungskonzernen
- Differenzen in der Inneren Sicherheit – Stichwort Polizeiabbau und Verfassungsschutz
- Der Umgang mit Antisemitismus innerhalb der Linken
SPD und Grüne haben sich bislang klar gegen Enteignungen positioniert und dürften auch beim Thema Sicherheit keine weitreichenden Zugeständnisse machen. Eine Einigung setzt erhebliche Kompromissbereitschaft aller Seiten voraus.
Wie schnell und mit welchem Ergebnis die Koalitionsverhandlungen verlaufen werden, bleibt offen. Klar ist: Berlin steht vor einer politischen Zäsur – und Elif Eralp vor der größten Bewährungsprobe ihrer politischen Karriere.
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