Dieses Video wurde am 15.08.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Gefahr durch extreme Hitze in Kliniken und Pflegeheimen wächst – und die Kommunen schlagen Alarm. Der Städte- und Gemeindebund fordert mindestens 20 Milliarden Euro an Investitionen, um Krankenhäuser und Altenpflegeeinrichtungen in Deutschland flächendeckend mit Klimaanlagen auszurüsten. Aktuell ist lediglich etwas mehr als ein Drittel der deutschen Krankenhäuser klimatisiert – ein Zustand, den Experten und Kommunalvertreter angesichts zunehmender Hitzewellen als unhaltbar bezeichnen.
Erschreckende Zahlen: Nur 38 Prozent der Kliniken klimatisiert
Der Blick auf den aktuellen Versorgungsstand ist ernüchternd. Gerade einmal 38 Prozent der Krankenhäuser in Deutschland verfügen über eine Klimatisierung. Besonders brisant ist die Situation in den Notaufnahmen: In jeder dritten Klinik fehlt dort jegliche Kühlung – ausgerechnet in dem Bereich, in dem schwerkranke und hitzegefährdete Patientinnen und Patienten als Erstes versorgt werden.
Das bedeutet, dass in Hochsommerphasen mit Temperaturen über 35 Grad Celsius weder Personal noch Patienten in vielen Häusern ausreichend vor der Hitze geschützt sind. Medizinisches Gerät kann bei Überhitzung ausfallen, und die Behandlungsqualität leidet erheblich.
Diese strukturellen Mängel betreffen nicht nur einzelne Regionen, sondern sind ein bundesweites Problem – in städtischen wie ländlichen Gebieten gleichermaßen.
Pflegeheime besonders gefährdet
Neben den Krankenhäusern stehen auch Alten- und Pflegeheime im Fokus der Forderungen. Bewohnerinnen und Bewohner dieser Einrichtungen gehören zu den am stärksten hitzegefährdeten Gruppen: Ältere Menschen regulieren ihre Körpertemperatur schlechter, nehmen oft weniger Flüssigkeit zu sich und leiden häufig an Vorerkrankungen, die durch Hitze verschlimmert werden können.
Der Städte- und Gemeindebund warnt eindringlich vor den gesundheitlichen Folgen für Kranke und Pflegebedürftige, wenn keine schnellen Maßnahmen ergriffen werden. Hitzewellen führen nachweislich zu erhöhten Sterblichkeitsraten in Pflegeeinrichtungen – ein Trend, der sich ohne bauliche Gegenmaßnahmen weiter verschärfen wird.
Zu den dringlichsten Maßnahmen zählen laut Kommunalverbänden:
- Nachrüstung von Klimaanlagen in allen Pflegeheimen und Krankenhäusern
- Vorrangige Kühlung von Notaufnahmen und Intensivstationen
- Hitzeschutzpläne für vulnerable Bewohnergruppen
- Schulung des Pflegepersonals im Umgang mit hitzebedingten Erkrankungen
- Bauliche Anpassungen wie Verschattung und Begrünung als ergänzende Maßnahmen
20 Milliarden Euro: Wer soll das finanzieren?
Die vom Städte- und Gemeindebund genannte Summe von mindestens 20 Milliarden Euro verdeutlicht das Ausmaß des Investitionsstaus. Offen ist bislang, wie diese Mittel aufgebracht werden sollen. Die Kommunen allein sind finanziell nicht in der Lage, solche Summen zu stemmen – zumal viele Städte und Gemeinden ohnehin unter Haushaltsdruck stehen.
Entsprechend richten sich die Forderungen an Bund und Länder, Förderprogramme aufzulegen und die Krankenhausfinanzierung um eine Klimaschutzkomponente zu erweitern. Diskutiert wird auch, ob Mittel aus dem Klima- und Transformationsfonds gezielt für die Gesundheitsinfrastruktur genutzt werden könnten.
Kritiker weisen darauf hin, dass angesichts der ohnehin angespannten Lage vieler Kliniken – Stichwort Krankenhausreform – zusätzliche Investitionen in Klimatisierung in direkter Konkurrenz zu anderen dringenden Modernisierungsmaßnahmen stehen.
Klimawandel macht Handeln unausweichlich
Der Hitzesommer 2003 hatte in Europa bereits gezeigt, welche verheerende Wirkung extreme Temperaturen auf vulnerable Bevölkerungsgruppen haben können – damals starben allein in Deutschland Tausende Menschen an den Folgen der Hitze. Seitdem haben sich heiße Sommer häuft und sind intensiver geworden.
Der Klimawandel macht Investitionen in den Hitzeschutz für Gesundheitseinrichtungen nicht zu einer optionalen Modernisierungsmaßnahme, sondern zu einer Frage der Daseinsvorsorge. Fachleute und Kommunalvertreter sind sich einig: Ohne zügige politische Entscheidungen und verlässliche Finanzierungszusagen droht in den nächsten Hitzesommern ein realer Kollaps der Versorgungsqualität in deutschen Kliniken und Pflegeheimen.
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