Dieses Video wurde am 15.08.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der französische Verfassungsrat hat das vom Parlament im Juli beschlossene Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren für verfassungswidrig erklärt und damit gekippt. Die Richter urteilten, das gesetzliche Verbot stelle einen unverhältnismäßigen Eingriff in die Meinungs- und Kommunikationsfreiheit der Betroffenen dar. Das Urteil ist eine empfindliche Niederlage für Präsident Emmanuel Macron, der das Gesetz als wegweisendes Schutzinstrument für Minderjährige im digitalen Raum propagiert hatte.
Verfassungsrat: Eingriff in Grundrechte unverhältnismäßig
Der Verfassungsrat begründete seine Entscheidung mit dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit. Ein vollständiges gesetzliches Verbot der Nutzung sozialer Netzwerke für alle Personen unter 15 Jahren gehe über das hinaus, was zum Schutz Minderjähriger notwendig sei.
Die Richter betonten, dass die Meinungsfreiheit und das Recht auf freie Kommunikation auch für junge Menschen gelten. Ein pauschales Verbot ohne differenzierte Regelungen könne diesen verfassungsrechtlich geschützten Grundrechten nicht gerecht werden.
Das Urteil hat weitreichende Folgen: Das gesamte entsprechende Gesetzespaket verliert damit seine Rechtskraft, zumindest in zentralen Teilen. Die Regierung muss nun entscheiden, ob und in welcher Form ein neues, verfassungskonformes Schutzgesetz auf den Weg gebracht werden soll.
Frankreich als Vorreiter in Europa gescheitert
Frankreich hatte mit dem im Juli verabschiedeten Gesetz eine Vorreiterrolle in Europa übernommen. Das Land war der erste EU-Mitgliedstaat, der ein gesetzliches Social-Media-Verbot für Minderjährige unter 15 Jahren parlamentarisch beschlossen hatte.
International wurde das französische Modell mit großem Interesse verfolgt, insbesondere von Ländern, die ebenfalls über den Schutz von Kindern und Jugendlichen in sozialen Netzwerken diskutieren. Australien hatte zuvor ein ähnliches Mindestalter für die Nutzung sozialer Medien eingeführt.
Mit dem Scheitern vor dem Verfassungsrat verliert Frankreich nun seinen Status als europäisches Vorbild in dieser Frage. Andere Staaten dürften die Entscheidung der französischen Verfassungsrichter bei eigenen Gesetzgebungsvorhaben aufmerksam zur Kenntnis nehmen.
Handyverbot an Schulen bleibt Teil des Gesetzes
Neben dem Social-Media-Verbot enthielt das Gesetz eine weitere zentrale Maßnahme: die Ausweitung des Handyverbots an Schulen. Bislang gilt dieses Verbot in Frankreich für Grund- und Mittelschulen. Das neue Gesetz sah vor, das Verbot auf die Oberstufe auszudehnen.
Ob dieser Teil des Gesetzespakets ebenfalls von der Entscheidung des Verfassungsrats betroffen ist, muss die Regierung nun rechtlich prüfen. Das Handyverbot in Schulen ist in Frankreich deutlich weniger umstritten als das allgemeine Social-Media-Verbot und genießt breite politische Unterstützung.
- Handyverbot bisher gültig: Grund- und Mittelschulen
- Geplante Ausweitung: auch auf Oberstufen
- Social-Media-Verbot: für alle Unter-15-Jährigen vorgesehen
- Begründung des Verbots: Schutz Minderjähriger im digitalen Raum
- Urteil des Verfassungsrats: unverhältnismäßiger Eingriff in Grundrechte
Macron unter Druck – wie geht es weiter?
Für Präsident Macron ist das Urteil eine politische Schlappe. Der Schutz von Kindern vor den Risiken sozialer Medien war ein erklärtes Anliegen seiner Regierung. Das Scheitern vor dem Verfassungsrat zeigt, wie schwierig es ist, weitreichende Einschränkungen digitaler Kommunikation mit verfassungsrechtlichen Grundsätzen in Einklang zu bringen.
Die Debatte über den richtigen Umgang mit sozialen Medien und Minderjährigen ist damit keineswegs beendet. Experten und Politiker fordern nun differenziertere Ansätze, etwa stärkere Pflichten für Plattformbetreiber zur Altersverifikation oder bessere Kontrollmechanismen für Eltern. Frankreich steht vor der Aufgabe, einen neuen, rechtssicheren Rahmen zu entwickeln, der Jugendschutz und Grundrechte in Einklang bringt.
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