Iguazú-Wasserfälle: Zehnfache Wassermenge nach Starkregen
Nach heftigem Starkregen führen die Iguazú-Wasserfälle in Brasilien 15 Millionen Liter Wasser pro Sekunde – zehnmal mehr als üblich. El Niño verstärkt das Phänomen.
Dieses Video wurde am 16.10.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Iguazú-Wasserfälle an der Grenze zwischen Brasilien und Argentinien erleben derzeit ein außergewöhnliches Naturschauspiel: Nach tagelangem heftigem Starkregen stürzen 15 Millionen Liter Wasser pro Sekunde in die Tiefe – das ist die zehnfache Menge des üblichen Durchflusses. Als UNESCO-Weltnaturerbe und eines der beeindruckendsten Naturwunder der Erde ziehen die Wasserfälle in normalen Zeiten bereits Millionen Besucher an. Die aktuellen Rekordwerte verleihen der Anlage eine kaum vorstellbare Wucht und Dramatik.
Ein Naturwunder in Rekordform
Das System der Iguazú-Wasserfälle umfasst mehr als 275 einzelne Wasserfälle, die sich über eine Breite von rund 2,7 Kilometern erstrecken. Das macht die Anlage zu einer der breitesten Wasserfalllandschaften der Welt – breiter als die Niagarafälle und höher als die Victoriafälle.
Das bekannteste und imposanteste Einzelbauwerk innerhalb des Systems ist der sogenannte Teufelsschlund (portugiesisch: Garganta do Diabo). Mit einem freien Fall von 80 Metern ist er der höchste Wasserfall der gesamten Anlage. Unter normalen Bedingungen bereits ein überwältigendes Erlebnis, entwickelt der Teufelsschlund bei den aktuellen Wassermengen eine schier unvorstellbare Kraft. Gewaltige Wassermassen, tosender Lärm und weithin sichtbare Gischt prägen derzeit das Bild.
Die Wasserfälle gehören zum UNESCO-Weltnaturerbe und sind auf beiden Seiten von Nationalparks umgeben – dem Parque Nacional do Iguaçu auf brasilianischer und dem Parque Nacional Iguazú auf argentinischer Seite.
Starkregen und El Niño als Ursachen
Verantwortlich für die historischen Wasserstände sind zwei zusammenwirkende Faktoren: anhaltende und intensive Regenfälle in den vergangenen Tagen sowie das sich derzeit verstärkende Klimaphänomen El Niño.
El Niño bezeichnet eine periodische Erwärmung der Meeresoberflächentemperaturen im zentralen und östlichen Pazifik. Dieses Phänomen beeinflusst globale Wettermuster erheblich und führt in Südamerika – insbesondere im südlichen Teil des Kontinents – typischerweise zu deutlich erhöhten Niederschlagsmengen.
- El Niño tritt unregelmäßig alle zwei bis sieben Jahre auf
- Er verursacht in Südamerika häufig Überschwemmungen und Erdrutsche
- Die aktuell gemessene Durchflussmenge beträgt das Zehnfache des Normalwertes
- 15 Millionen Liter Wasser strömen derzeit jede Sekunde über die Fälle
- Der Teufelsschlund stürzt auf einer Höhe von 80 Metern in die Tiefe
Die Kombination aus regional extremem Starkregen und dem großräumigen Einfluss von El Niño erklärt, warum die Wassermassen in so kurzer Zeit auf ein derart außergewöhnliches Niveau angestiegen sind.
Auswirkungen auf die Region und den Tourismus
Die dramatisch gestiegenen Wasserpegel haben spürbare Konsequenzen für die umliegende Region. Teile der touristischen Infrastruktur, darunter Aussichtsplattformen und Wanderwege innerhalb der Nationalparks, können bei extremen Wasserständen aus Sicherheitsgründen gesperrt werden.
Gleichzeitig zieht das Spektakel zusätzliche Aufmerksamkeit auf sich: Aufnahmen der tosenden Wassermassen verbreiten sich rasant in sozialen Medien und in internationalen Nachrichtenkanälen. Das Interesse an den Iguazú-Wasserfällen steigt in solchen Momenten sprunghaft an.
Für die lokale Bevölkerung jenseits der Touristenzonen birgt der extreme Niederschlag jedoch auch Risiken. Überschwemmungen und Erdrutsche sind in der Region bei anhaltenden Starkregenereignissen keine Seltenheit.
Einordnung: Klimawandel und Extremwetter
Die aktuellen Ereignisse reihen sich in ein globales Muster zunehmender Wetterextreme ein. Wissenschaftler beobachten seit Jahren, dass El-Niño-Ereignisse durch den fortschreitenden Klimawandel in ihrer Intensität zunehmen können. Stärkere Niederschlagsereignisse in ohnehin regenreichen Regionen wie dem südbrasilianischen Regenwald sind eine mögliche Folge.
Ob die aktuellen Rekordwasserstände an den Iguazú-Wasserfällen ein kurzfristiges Ausnahmeereignis bleiben oder sich häufen werden, bleibt abzuwarten. Für Meteorologen und Klimaforscher liefern solche Ereignisse jedenfalls wichtige Daten über die Wechselwirkung zwischen regionalen Niederschlagsmustern und globalen Klimaphänomenen wie El Niño.
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