KI-Werte im Aufwind: Was die Wall Street bewegt
KI-Werte gewinnen trotz gemischter Nachrichten zu Anthropic und Oracle an Fahrt. Welche Faktoren die Wall Street diese Woche antreiben – ein Überblick.
Dieses Video wurde am 21.09.2026 von Handelsblatt auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Trotz einer Reihe von negativen Schlagzeilen zum Wochenbeginn zeigen KI-Werte an der Wall Street überraschende Stärke. Meldungen über eine Verschiebung des Anthropic-Börsengangs, schwächere Anleihen bei Oracle und ein negativer Cashflow-Ausblick bei OpenAI hätten die Kurse eigentlich belasten müssen – doch das Gegenteil ist der Fall. Niedrigere Energiepreise, Hoffnungen auf diplomatische Fortschritte im Nahen Osten und ein anstehendes Treffen zwischen den USA und China sorgen für Optimismus an den Märkten.
Anthropic-Börsengang und Oracle: Negative News, alte Bekannte
Die meistdiskutierte Meldung der vergangenen Tage betrifft den geplanten Anthropic-Börsengang. Laut übereinstimmenden Berichten der New York Times und des Wall Street Journals wird der Gang aufs Parkett frühestens im November stattfinden – bisher war Oktober geplant. Gleichzeitig sollen die jährlich wiederkehrenden Umsätze des KI-Unternehmens rund 100 Milliarden Dollar erreichen, während die Wall Street mit etwa 110 Milliarden Dollar gerechnet hatte.
Die Verschiebung überrascht Beobachter kaum: Mit den US-Zwischenwahlen am 3. November und dem gestiegenen Risiko eines demokratischen Sweeps wäre ein Börsengang von über zwei Billionen Dollar Marktkapitalisierung in dieser politisch heiklen Woche schwer zu platzieren gewesen.
Auch bei Oracle sorgen negative Schlagzeilen für Gesprächsstoff. Laut Financial Times performen die Unternehmensanleihen – darunter Verbindlichkeiten im Zusammenhang mit dem milliardenschweren Rechenzentrum-Projekt „Jupiter” in New Mexico – am Kapitalmarkt schlecht. Für Marktkenner kommt dies jedoch nicht überraschend: Die Credit Spreads bei Oracle-Anleihen hatten die Problematik bereits länger signalisiert.
OpenAI-Cashflow und anhaltend hohe KI-Nachfrage
Ein weiterer Bericht der Financial Times weist darauf hin, dass OpenAI zwischen 2026 und 2030 einen negativen freien Cashflow von rund 280 Milliarden Dollar erwirtschaften dürfte – bedingt durch anhaltend hohe Investitionsausgaben in Infrastruktur und Rechenkapazität.
Genau dieser Befund lässt sich aber auch positiv lesen: Hohe Ausgaben spiegeln eine anhaltend starke Nachfrage nach KI-Infrastruktur wider. Anthropic bestätigte gegenüber der New York Times, dass die eigene Rechenkapazität Ende 2026 auf fünf Gigawatt anwachsen soll – und sich bis Ende 2027 auf zehn Gigawatt verdoppeln wird. Solche Zahlen sprechen für strukturell hohes Wachstum im Sektor, was erklärt, warum KI-Werte trotz der negativen Einzelmeldungen stabil notieren.
- Anthropic-Börsengang voraussichtlich frühestens November 2025
- OpenAI plant bis 2030 rund 280 Milliarden Dollar an Netto-Investitionsausgaben
- Anthropics Rechenkapazität soll sich bis Ende 2027 auf 10 Gigawatt verdoppeln
- Morgan Stanley hebt Kursziel für Marvell Technology auf 268 Dollar an
- Wells Fargo setzt Kursziel für Meta Platforms auf 796 Dollar herauf
Memory-Markt: Chinesischer Wettbewerb nimmt zu
Im Bereich der Halbleiter und Speicherchips wächst der Konkurrenzdruck aus China spürbar. Die chinesische CXMT hat laut South China Morning Post die Massenproduktion der nächsten Speicherchip-Generation gestartet. Damit steigt das globale Memory-Angebot – zum Nachteil etablierter Anbieter wie Samsung, SK Hynix und Micron.
Der CEO von Acer bestätigte, dass das wachsende chinesische Angebot bestehende Engpässe bei amerikanischen Unternehmen zunehmend lindert. Für die großen westlichen Chipkonzerne bedeutet das wachsenden Margendruck im Memory-Segment.
Geopolitik und die Wochenhighlights für Investoren
Auch die geopolitische Lage bleibt ein zentraler Markttreiber. Trotz ausgeweiteter Huthi-Angriffe auf Saudi-Arabien und anhaltender Drohnenangriffe im Ukraine-Russland-Krieg sinken die Energiepreise – sowohl Brent als auch WTI. Grund ist die wachsende Hoffnung auf diplomatische Fortschritte rund um die UN-Generalversammlung (22. bis 28. September), darunter mögliche Gespräche zwischen Iran und den USA.
Parallel steht das Treffen zwischen US-Präsident Trump und dem chinesischen Staatschef Xi Jinping im Fokus. Berichten zufolge könnten Zölle auf rund 30 Milliarden Dollar an Gütern gelockert und chinesische Abgaben auf US-Erdgas abgeschafft werden – ein potenziell positives Signal für die Märkte.
Weitere Termine der Woche: Am Mittwoch wird der PMI-Einkaufsmanagerindex für September veröffentlicht, Zuckerberg spricht auf der Meta Connect, und am Donnerstag steht das Trump-Xi-Treffen an. Auf Unternehmensseite berichten unter anderem Costco und DR Horton. Für Langfristinvestoren bleibt der KI-Sektor trotz kurzfristiger Volatilität strukturell interessant – sofern die geopolitischen Risiken nicht erneut eskalieren.
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