Monday, 19. October 2026
Katar

KNDS-Vorgänger KMW: Dubiose Provisionen im Katar-Panzerdeal

Beim Katar-Panzerdeal von KMW flossen offenbar rund 85 Millionen Euro an dubiose Vermittler – mit Verbindungen zur Herrscherfamilie. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Redaktion · 18. October 2026, 05:00 Uhr · 5 Min. Lesezeit

Dieses Video wurde am 18.10.2026 von Handelsblatt auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Ein 1,9-Milliarden-Euro-Rüstungsvertrag, ein deutsches Rentnerpaar in der Schweizer Idylle und Firmen mit Verbindungen zur katarischen Herrscherfamilie: Der Katar-Panzerdeal des Rüstungsunternehmens Krauss-Maffei Wegmann (KMW) – heute Teil des deutsch-französischen Konzerns KNDS – wirft bis heute ungeklärte Fragen über millionenschwere Provisionszahlungen auf. Investigativjournalisten des Handelsblatts haben das Geflecht aus Vermittlerfirmen, Gerichtsverfahren und Geheimdienst-Verbindungen jahrelang verfolgt. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft München ein Vorermittlungsverfahren eingeleitet.

Der Leopard-2-Deal mit Katar: Milliarden für Münchner Rüstungsschmiede

Anfang der 2010er-Jahre entschied sich das Emirat Katar, seine veralteten französischen Panzer vom Typ AMX-30 durch modernste Systeme zu ersetzen. Den Zuschlag erhielt KMW aus München. Der Lieferumfang war gewaltig: 62 Leopard-2-Kampfpanzer, 24 Panzerhaubitzen PZH 2000, Flak- und Bergepanzer sowie gepanzerte Radfahrzeuge der Typen Dingo und Fennec – genug Material für zwei vollständige Bataillone als Kern der katarischen Streitkräfte.

Der Gesamtwert des Vertrags betrug 1,9 Milliarden Euro. Weil es sich um ein derart voluminöses Rüstungsgeschäft handelte, bedurfte es eines geheimen Kabinettsbeschlusses unter Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie der Zustimmung von Außenminister Frank-Walter Steinmeier. KMW bestätigte den Deal 2013 öffentlich – für das Unternehmen in einer schwierigen Phase war der Großauftrag ein wirtschaftlicher Befreiungsschlag, da die Nachfrage nach schweren Waffensystemen nach dem Ende des Kalten Krieges massiv eingebrochen war.

Schweizer Gerichtsakte enthüllt dubiose Provisionsstruktur

Der Ausgangspunkt der Recherche war ein unscheinbarer vier Seiten langer Gerichtsbescheid aus dem Kanton Zug. Darin klagte die Schweizer Firma FGS Frexag gegen eine Gesellschaft namens Kingdom Projects WLL mit Sitz in Doha – und forderte 2,5 Prozent des gesamten Vertragsvolumens als Vermittlungsprovision. Bei 1,9 Milliarden Euro entspräche das rund 50 Millionen Euro.

Hinter FGS Frexag steckte ein deutsches Ehepaar Mitte 70, das im malerischen Zug am Schweizer Bergsee lebt. Beide hatten langjährige Erfahrung im Rüstungsgeschäft – der Mann arbeitete einst für Heckler & Koch und baute sich später ein Netzwerk im Nahen Osten auf. Laut Gerichtsunterlagen sollte das Geld von KMW zunächst an Kingdom Projects in Doha fließen, und von dort zur Hälfte als Vermittlungsprovision in die Schweiz zurück. Insgesamt standen demnach rund 100 Millionen Euro an Provisionen im Raum; Recherchen des Spiegels nannten später eine Summe von 85 Millionen Euro, die von KMW nach Doha geflossen sein soll.

  • FGS Frexag (Schweiz): Vermittlerfirma des deutschen Ehepaars, forderte 2,5 % Provision
  • Kingdom Projects WLL (Doha): Empfänger der KMW-Zahlungen, zu 75 % im Besitz eines katarischen Generals
  • Multiservice Company Qatar (MSCQ): Vorgängerfirma von Kingdom Projects, ebenfalls im Rüstungsdeal aktiv
  • Kingdom Logistics: Joint Venture von KMW und katarischen Partnern für Wartung der Fahrzeuge

Verbindungen zur katarischen Herrscherfamilie und zum Geheimdienst

Besonders brisant sind die Eigentümerstrukturen von Kingdom Projects. Recherchen zeigen, dass die Firma zu 75 Prozent dem früheren stellvertretenden Chef des katarischen Militärgeheimdienstes, Brigadegeneral Ahmed bin Nasser bin Yassim Al-Thani, gehörte. Sein Sohn hielt die restlichen 25 Prozent. Beide entstammen der regierenden Herrscherfamilie Al-Thani.

Der General ist eine schillernde Figur: Während der Vergabephase des Leopard-Deals ernannte ihn die französische Botschaft zum Ritter der Ehrenlegion – zu einem Zeitpunkt, als der französische Rüstungskonzern Nexter ebenfalls um den Auftrag konkurrierte. Seit 2021 ist er katarischer Botschafter in Moskau. Auch ein 30-prozentiger Anteil des katarischen Militär-Investmentfonds an der Vorgängerfirma MSCQ wurde dokumentiert, was die institutionelle Verflechtung unterstreicht.

KMW erklärte damals, man habe den Partner sorgfältig durch eine lokale Anwaltskanzlei prüfen lassen und keine Unregelmäßigkeiten festgestellt. Direkte Entscheidungsträger des katarischen Staates seien nicht in Kingdom Projects involviert gewesen. Die Provisionen wurden als Vergütung für „lokale Unterstützungsleistungen” oder als Zahlungsgarantie beschrieben – Erklärungen, die Journalisten als unzureichend bewerteten.

KNDS unter Druck: Compliance-Prüfung und neue Vorermittlungen

Aus KMW wurde durch die Fusion mit dem französischen Rüstungskonzern Nexter im Jahr 2024 KNDS (Krauss-Maffei Wegmann + Nexter Defense Systems). Der Konzern boomt: Der Jahresumsatz stieg zuletzt um 16 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro, der Auftragsbestand beläuft sich auf rund 33 Milliarden Euro. Pläne für einen Börsengang wurden zunächst verschoben; aktuell erwägt der deutsche Staat, 50 Prozent der Anteile zu übernehmen – womit KNDS zum reinen Staatskonzern würde.

Anfang 2025 griff der Spiegel die Geschichte erneut auf und berichtete zudem, dass Kingdom Projects auch beim Radpanzer Boxer aufgetaucht sei. KNDS bestreitet, dass dabei Provisionen geflossen seien. Im Jahresabschluss der Konzernholding für 2025 ist dennoch eine interne Compliance-Untersuchung vermerkt, durchgeführt von der Kanzlei Freshfields und dem Wirtschaftsprüfer EY. Der vorläufige Bericht identifizierte laut Dokument „signifikante Red Flags, Kontrolldefizite und systemische Compliance-Mängel”, kam aber zu dem Schluss, dass keine strafbaren Handlungen von KNDS-Mitarbeitern belegt seien. Das Ergebnis ist ausdrücklich als vorläufig gekennzeichnet.

Die Staatsanwaltschaft München I hat inzwischen ein Vorermittlungsverfahren eingeleitet, das sich nach eigenen Angaben auf „aktuellere Sachverhalte” bezieht – womit vor allem das Boxer-Geschäft gemeint sein dürfte. KNDS erklärte, aktiv mit der Behörde zu kooperieren; ein Abschluss der internen Sonderuntersuchung wurde für November 2025 in Aussicht gestellt. Das deutsche Rentnerpaar in der Schweiz kämpft derweil noch immer vor Gericht um seine ausstehenden Provisionen – Kingdom Projects ist inzwischen in Liquidation, ein Vollzug des bereits gewonnenen Urteils in Katar gilt als faktisch aussichtslos.

Hinweis: Dieser Artikel wurde KI-gestützt erstellt und kann Fehler oder Ungenauigkeiten enthalten. Das verwendete Beitragsbild ist das YouTube-Vorschaubild des Original-Videos. Sämtliche Urheberrechte am Video, am Vorschaubild und an den darin enthaltenen Inhalten liegen beim jeweiligen YouTube-Kanal-Betreiber (Handelsblatt). Bei Fragen oder Anliegen zur Nutzung bitte über das Impressum kontaktieren.

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