Nasdaq unter Druck: Zweifel am KI-Boom wachsen
Techwerte geraten auf breiter Front unter Druck – der Nasdaq verlor 2,6 % an einem Tag. Wachsen die Zweifel am KI-Boom? Auch Gold und DAX sind betroffen.
Dieses Video wurde am 23.10.2026 von ntv Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der Nasdaq hat den größten Tagesverlust seit Wochen verbucht: Minus 2,6 Prozent in einer einzigen Handelssitzung. Ausgelöst wurde der Rückgang durch einen breiten Abverkauf von Techwerten – und durch eine Frage, die an den Märkten immer drängender wird: Lohnen sich die Billionen-Investitionen in Künstliche Intelligenz überhaupt, und wenn ja, wann? Die wachsenden Zweifel am KI-Boom belasten nicht nur Technologieaktien, sondern ziehen auch den Goldpreis und europäische Indizes wie den DAX mit nach unten.
Zweifel am KI-Boom: Wann rentieren sich die Investitionen?
Seit Monaten pumpen große Technologiekonzerne – sogenannte Hyperscaler – gigantische Summen in KI-Infrastruktur, Chips und Rechenzentren. Die Hoffnung: Die Investitionen zahlen sich früher oder später aus und treiben Umsatz sowie Gewinn. Doch an den Märkten wachsen die Zweifel, ob dieses „früher” tatsächlich bald erreicht wird.
Viele Hightechwerte hatten in den vergangenen Monaten wie an einer Fahnenstange nach oben gezeigt. Doch irgendwann brechen solche Fahnenstangen – Anleger beginnen, Gewinne mitzunehmen, und die Kurse geraten unter Druck. Genau das war nun zu beobachten: Mehrere Technologieaktien verloren zweistellig, der Nasdaq büßte an einem Tag 2,6 Prozent ein – ein Rückgang in dieser Größenordnung war seit Wochen nicht mehr gesehen worden.
Nasdaq-Abverkauf zieht den Goldpreis mit
Ungewöhnlich an der jüngsten Marktbewegung ist, dass der Abverkauf bei Technologieaktien auch den Goldpreis unter Druck gesetzt hat. Normalerweise gilt Gold als sicherer Hafen in turbulenten Zeiten – diesmal sank der Preis jedoch ebenfalls und fiel zeitweise unter die Marke von 4.000 US-Dollar.
Der Mechanismus dahinter ist folgender:
- Anleger nehmen Gewinne aus dem gut gelaufenen Goldmarkt mit, um Liquidität zu schaffen.
- Dort, wo Kursgewinne vorhanden sind – sprichwörtlich „wo Speck dran ist” – wird verkauft.
- Gleichzeitig steigen die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen auf rund 5 Prozent – das macht festverzinsliche Papiere attraktiver und belastet Gold als zinsloses Anlagegut.
- Die Kombination aus Gewinnmitnahmen und steigenden Zinsen erzeugt doppelten Gegenwind für den Goldpreis.
In der Nacht prallte der Goldpreis jedoch an einer technischen Unterstützungszone nach oben ab und notierte zuletzt wieder knapp über der 4.000-Dollar-Marke. Ein Zeichen, dass viele Marktteilnehmer diese Schwelle als bedeutsam erachten.
DAX ebenfalls im Minus – europäische Märkte unter Druck
Die Turbulenzen an den US-Technologiemärkten machen auch vor Europa nicht halt. Der DAX startete mit einem Minus von rund 69 Punkten in den Handelstag. Das ist kein dramatischer Einbruch, zeigt aber, wie eng die globalen Märkte miteinander verzahnt sind.
Sobald der tonangebende Nasdaq schwächelt, überträgt sich die Nervosität rasch auf europäische Leitindizes. Gerade Technologie- und wachstumsstarke Werte, die im DAX ebenfalls vertreten sind, leiden unter dem veränderten Risikoappetit der Investoren.
Einordnung: Korrektur oder Trendwende?
Die entscheidende Frage lautet nun, ob es sich um eine gesunde Korrektur nach einer langen Rally handelt oder ob die Zweifel am KI-Boom struktureller Natur sind. Solange die großen Technologiekonzerne keine überzeugenden Belege liefern, dass ihre massiven KI-Ausgaben in absehbarer Zeit zu entsprechenden Erträgen führen, dürfte die Unsicherheit anhalten.
Hinzu kommt das Zinsumfeld: Renditen von rund 5 Prozent bei zehnjährigen US-Anleihen sind ein ernstzunehmender Konkurrent für riskantere Anlagen wie Technologieaktien oder Gold. Solange die Zinsen auf diesem Niveau verharren, bleibt der Gegenwind spürbar. Anleger dürften in den kommenden Wochen besonders aufmerksam auf Quartalsergebnisse der großen KI-Investoren schauen – sie werden zeigen, ob die Milliarden tatsächlich Früchte tragen.
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