Nasdaq 100 Sell-off: Korrektur oder Trendwende?
Der Nasdaq 100 verlor knapp 3 % an einem einzigen Tag – der größte Tagesverlust seit Juni. Was steckt hinter dem Sell-off und wie reagieren Chipaktien wie AMD und Intel?
Dieses Video wurde am 23.10.2026 von DER AKTIONÄR TV auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der Nasdaq 100 hat einen der heftigsten Handelstage des Jahres hinter sich: Mit einem Minus von knapp 3 Prozent verzeichnete der Index seinen größten Tagesverlust seit dem 5. Juni. Innerhalb kürzester Zeit wurden fast 1,2 Billionen US-Dollar an Marktkapitalisierung vernichtet. Steigende Ölpreise, Inflationssorgen, Zinsunsicherheiten, geopolitische Konflikte und hohe Capex-Ausgaben der großen Technologiekonzerne sorgten gemeinsam für den heftigen Abverkauf. Anleger fragen sich nun: Handelt es sich um eine gesunde Korrektur – oder beginnt eine ausgeprägtere Baissephase?
Nasdaq 100 Sell-off: Was steckt hinter dem Kursrückgang?
Der Abverkauf traf vor allem Chip- und KI-Aktien mit voller Wucht. Viele dieser Werte hatten in den Wochen zuvor bereits deutlich korrigiert, erholten sich kurzzeitig – und gaben dann erneut nach. Beobachter sehen den jüngsten Rücksetzer nicht als isoliertes Ereignis, sondern als Folge einer Kombination aus fundamentalen Belastungsfaktoren.
Besonders ins Gewicht fiel der sprunghaft gestiegene Ölpreis, der zeitweise wieder das Jahreshoch bei rund 113 US-Dollar erreichte. Höhere Energiepreise befeuern Inflationserwartungen und setzen damit Druck auf die Zinspolitik der Notenbanken – ein klassischer Belastungsmix für Wachstumswerte.
Hinzu kommt, dass der Oktober historisch als volatiler Börsenmonat gilt. Statistisch gesehen bilden die Märkte in diesem Zeitraum häufig ihre zyklischen Bewegungstiefs, bevor die saisonal starken Monate November und Dezember folgen.
Chipaktien AMD und Intel unter Druck
Unter den am stärksten betroffenen Einzelwerten stachen AMD und Intel hervor: AMD verlor rund 8,1 Prozent, Intel rund 8 Prozent. Beide Aktien gelten charttechnisch trotz der heftigen Korrektur weiterhin als intakte Megatrends.
- AMD notiert trotz des Rücksetzers noch immer rund 266 Prozent über dem Trendsignal vom Juni 2025.
- Intel hat alle größeren Trendziele des Analyse-Systems erreicht, das Spitzenziel lag bei 122 US-Dollar.
- Beide Werte befinden sich technisch im überverkauften Bereich, was auf mögliche Erholungspotenziale hindeutet.
- Kurzfristige Erholungsziele werden je nach Wert mit bis zu 40 bis 50 Prozent vom aktuellen Kursniveau berechnet.
Der Tenor der Marktanalyse lautet dennoch: Abwarten, keine Panikverkäufe. Wer jetzt in fallende Kurse hinein kauft, ohne Bestätigung einer Bodenbildung abzuwarten, geht ein erhöhtes Risiko ein.
KI-Aktien Nebius und Meta Platforms im Fokus
Nebius verlor rund 7 Prozent und nähert sich damit den Juli-Tiefs bei etwa 150 US-Dollar. Meta Platforms gab ebenfalls fast 7 Prozent nach. Für beide Werte gilt: Die übergeordneten Trends sind intakt, kurzfristig besteht jedoch weiteres Rückschlagpotenzial.
Bei Nebius wurden die großen Trendziele bereits im Mai bei rund 200 US-Dollar erreicht, die Aktie stieg danach sogar bis auf 300 US-Dollar. Aktuell notiert sie bei rund 120 US-Dollar. Das Analyse-System sieht kurzfristige Erholungspotenziale von bis zu 31 Prozent vom aktuellen Niveau.
Bei Meta läuft ein Optionsschein mit Laufzeit bis März 2027. Der benötigte Kurs liegt bei etwa 720 US-Dollar – ein Niveau, das bei einer moderaten Erholung bis Jahresende oder ins erste Quartal 2027 als erreichbar eingestuft wird.
Moderna und Rohstoffe: Zusätzliche Belastungsfaktoren
Moderna erlitt mit einem Tagesverlust von über 17 Prozent den schwersten Einbruch im Beobachtungsuniversum. Auslöser waren negative Meldungen rund um einen Impfstoff, die sich in sozialen Netzwerken rasch verbreiteten. Im Handelstief verlor die Aktie zwischenzeitlich fast 25 Prozent. Trotz des heftigen Rücksetzers gilt der seit Dezember 2025 bestehende Aufwärtstrend als strukturell intakt.
Auch an den Rohstoffmärkten herrschte Druck: Gold testete die psychologisch wichtige Marke von 4.000 US-Dollar erneut von oben – Analysten raten hier zum Abwarten, da ein erneuter Test dieser Marke häufig zu einem Unterschreiten führt. Silber notierte auf dem niedrigsten Stand seit rund zwölf Monaten. Insgesamt wurden an den Edelmetallmärkten schätzungsweise 1,3 Billionen US-Dollar umgeschichtet.
Der Volatilitätsindex (VIX) sprang am gestrigen Handelstag zeitweise um 16 bis 17 Prozent nach oben – ein Zeichen gestiegener Marktnervosität, aber noch kein Alarmsignal für eine strukturelle Trendwende.
In der Gesamtschau bleibt die Botschaft der Marktbeobachter klar: Die großen Börsenampeln stehen weiterhin auf Neutral, alle übergeordneten Trends sind intakt. Der aktuelle Sell-off fällt in eine saisonal typische Phase erhöhter Volatilität. Sollten die erwarteten Tiefs im Oktober gebildet werden, könnten die Monate November und Dezember – historisch starke Börsenmonate – für eine kräftige Erholungsbewegung sorgen. Entscheidend wird sein, wie die großen Technologiekonzerne in der kommenden Woche mit ihren Quartalszahlen überzeugen.
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