Dieses Video wurde am 14.08.2026 von ntv Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Das Niedrigwasser am Rhein hat in Kaub, Rheinland-Pfalz, einen historischen Tiefstand erreicht: Der Pegel liegt derzeit bei nur 9 Zentimetern – erstmals in der Messgeschichte ist der Wert einstellig. Tendenz sinkend. Für den kommenden Tag wird ein weiterer Rückgang auf rund 6 Zentimeter erwartet. Das hat weitreichende Folgen für die Binnenschifffahrt auf einer der wichtigsten Wasserstraßen Europas.
Kaub als kritischer Messpunkt am Rhein
Die Messstelle in Kaub gilt als eine der bedeutendsten am gesamten Rhein. Der Fluss ist an dieser Stelle besonders schmal, weshalb der dortige Pegelstand als maßgebliche Richtgröße für die Schifffahrt auf dem Mittelrhein dient.
Normalerweise zeigt die Meßlatte in Kaub einen Pegelstand von rund 2 Metern an – eine Wassertiefe, die einer stehenden Person etwa bis zur Hüfte reichen würde. Derzeit ist das Wasser so weit zurückgegangen, dass weder die reguläre Messlatte noch eine zweite Hilfskonstruktion abgelesen werden kann. Erst ein eigens angebrachter dritter Hilfspegel ermöglicht die aktuelle Messung von 9 Zentimetern.
Schifffahrt unter extremem Druck
Der dramatisch gesunkene Rheinpegel stellt die Binnenschifffahrt vor enorme Herausforderungen. Die für die Navigation relevante Fahrrinne weist derzeit eine Tiefe von nur noch rund 1,20 Metern auf.
Mittelgroße bis große Schiffe müssen jedoch einen Sicherheitsabstand von mindestens 30 Zentimetern zum Grund einhalten. Das bedeutet: Effektiv steht den Schiffen weniger als 1 Meter nutzbarer Wassertiefe zur Verfügung. Aktuell sind noch vereinzelte Schiffe auf dem Rhein unterwegs – deutlich weniger als unter normalen Bedingungen üblich.
Kapitäne und Reedereien entscheiden über Weiterfahrt
Ob ein Schiff überhaupt noch fährt, liegt letztlich im Ermessen der Kapitäne und Reedereien. Dabei spielen zwei zentrale Fragen eine Rolle:
- Wirtschaftlichkeit: Bei Niedrigwasser können Schiffe nur einen Bruchteil ihrer normalen Frachtmenge laden, was die Rentabilität eines Einsatzes erheblich mindert.
- Sicherheitsrisiko: Bei zu geringer Wassertiefe besteht die ernste Gefahr, dass Schiffe auf dem Flussboden auflaufen und stecken bleiben.
- Logistische Folgen: Weniger Schiffe auf dem Rhein bedeuten Engpässe in der Versorgungskette, insbesondere für Güter wie Kohle, Chemikalien und Agrarprodukte.
Sollte der Pegel tatsächlich weiter auf 6 Zentimeter sinken, könnte der Schiffsverkehr auf diesem Abschnitt vollständig zum Erliegen kommen.
Ausblick: Historisches Ereignis mit wirtschaftlichen Folgen
Das aktuelle Extremniedrigwasser am Rhein reiht sich in eine Reihe von Trockenheitsereignissen ein, die den Fluss in den vergangenen Jahren wiederholt an seine Grenzen gebracht haben. Bereits 2018 und 2022 sorgten ähnliche Situationen für massive Beeinträchtigungen des Güterverkehrs und damit für Auswirkungen auf die gesamte deutsche Industrie und Versorgung.
Mit einem Pegelstand von 9 Zentimetern und weiter sinkender Tendenz steht der Rhein vor einem Rekord, der die Verwundbarkeit der deutschen Infrastruktur gegenüber Extremwetterereignissen einmal mehr deutlich macht. Experten und Behörden beobachten die Lage genau – und Reedereien bereiten sich darauf vor, ihren Betrieb möglicherweise vollständig einstellen zu müssen.
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