Putins neue Drohnenstrategie gegen Ukraine
Russland setzt mit KI-gesteuerten Kamikaze-Drohnen gezielt Kiews Infrastruktur unter Druck. Was steckt hinter Putins neuer Strategie im Ukrainekrieg?
Dieses Video wurde am 02.10.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Russland verfolgt im Ukrainekrieg eine neue Drohnenstrategie, die gezielt auf kritische Infrastruktur abzielt. Mit hochentwickelten, KI-gesteuerten Kamikaze-Drohnen greifen russische Streitkräfte Brücken und Hochspannungsleitungen rund um die ukrainische Hauptstadt Kiew an – und erzielen dabei erstmals spürbare Erfolge. Gleichzeitig hat Präsident Wladimir Putin erklärt, das ukrainische Donbasgebiet innerhalb von anderthalb Jahren vollständig unter russische Kontrolle bringen zu wollen, möglicherweise sogar früher.
Angriffe auf Kiews Transportinfrastruktur – eine neue Qualität
Innerhalb von nur 48 Stunden griffen russische Streitkräfte wiederholt die Südbrücke Kiews an – eine zentrale Verbindung zwischen dem westlichen und östlichen Stadtteil der Hauptstadt über den Dnipro. Was in der Vergangenheit ohne nennenswerten Erfolg blieb, gelingt Russland nun zunehmend effektiv.
Der Grund: Der Einsatz neuer Waffensysteme, konkret der Gerani-4 und Gerani-5 – reaktive Kamikaze-Drohnen mit Düsenantrieb. Diese sind deutlich präziser als ihre Vorgänger und treffen ihre Ziele mit bisher ungekannter Zuverlässigkeit. Der Verkehr auf der Brücke kommt immer wieder zum Erliegen, was sowohl wirtschaftliche als auch logistische Folgen für die Stadt hat.
Parallel dazu werden im Großraum Kiew auch Hochspannungsleitungen mit denselben Drohnen attackiert – ebenfalls mit Erfolg, wie Beobachter vor Ort berichten.
Künstliche Intelligenz als Schlüssel zur Treffsicherheit
Das entscheidende Merkmal der neuen russischen Drohnengeneration ist ihre Fähigkeit zur autonomen Navigation. Die Systeme werden nicht mehr maßgeblich von einem Piloten gesteuert, sondern operieren auf Basis von maschinellem Sehen und gespeicherten Kartendaten.
Das Prinzip funktioniert so: Die Drohne gleicht kontinuierlich das Kamerabild der Erdoberfläche mit gespeicherten Landkarten ab, bestimmt ihren genauen Standort und steuert präzise auf das Ziel zu. Dadurch ist sie weitgehend immun gegenüber elektronischen Gegenmaßnahmen wie Störsendern (sogenannten Jammern), die zuvor ein wirksames Abwehrmittel darstellten.
Dies stellt die ukrainische Luftabwehr vor erhebliche Probleme, denn konventionelle Störmaßnahmen greifen bei diesen Systemen kaum noch.
Ukraine kämpft mit unzureichender Luftabwehr
Um die neuen russischen Drohnen effektiv zu bekämpfen, bräuchte die Ukraine nach Einschätzung von Experten deutlich mehr Ressourcen. Konkret fehlt es an:
- Modernen und leistungsfähigeren Flugabwehrsystemen
- Ausreichend Munition für den Drohnenabwehreinsatz
- Sogenannten Abfangdrohnen, die speziell für die Bekämpfung schneller, manövrierfähiger Kamikaze-Drohnen entwickelt werden
Die Ukraine arbeitet zwar an eigenen Abfangdrohnen, doch diese Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen. Solange diese Lücke besteht, bleibt die Infrastruktur des Landes verwundbar.
Die russischen Drohnen sind zwar nicht in der Lage, die massiv gebauten sowjetischen Brücken zum Einsturz zu bringen – dazu fehlt ihnen die Sprengkraft. Das Ziel ist jedoch ein anderes: durch wiederholte Störungen Kosten verursachen, Nerven zermürben und die ukrainische Bevölkerung dauerhaft belasten.
Putins Ziel: Donbas bis 2027 vollständig einnehmen
Auf einem internationalen Forum in Moskau äußerte sich Putin auch zu seinen strategischen Zielen: Er rechne damit, das Donbasgebiet in weniger als anderthalb Jahren vollständig zu erobern – womöglich noch früher. Der ukrainischen Seite warf er vor, Menschen sinnlos für den Kampf um die Region zu opfern.
Demgegenüber steht die militärische Realität: In den vergangenen Wochen konnten ukrainische Einheiten im Gebiet Donezk mehrere Dutzend Quadratkilometer zurückerobern – ein Zeichen dafür, dass der Kriegsverlauf weiterhin dynamisch bleibt und Putins Zeitplan keineswegs als gesichert gilt.
Die Kombination aus offensivem Infrastrukturkrieg und propagandistischen Ankündigungen deutet auf eine Doppelstrategie Moskaus hin: militärischen Druck auf die Frontlinie und gleichzeitig psychologischen Druck auf die Zivilbevölkerung. Wie die Ukraine und ihre westlichen Partner darauf reagieren – insbesondere mit Blick auf Waffenlieferungen und Luftabwehrsysteme –, dürfte die nächste Phase des Krieges maßgeblich bestimmen.
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