Russlands Schattenkrieg gegen Europa: Putins Plan
Militärexperte Carlo Masala erklärt, wie Russland mit hybridem Schattenkrieg und Infrastrukturangriffen die europäische Ukraine-Unterstützung untergraben will.
Dieses Video wurde am 23.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Russland verfolgt im Ukraine-Krieg eine Doppelstrategie: Während die Kämpfe an der Front andauern, intensiviert Moskau seinen Schattenkrieg gegen Europa mit hybriden Mitteln. Militärexperte und Politikwissenschaftler Carlo Masala ordnet ein, warum es Russland nicht allein um die Ukraine geht – sondern um die Erosion der europäischen Unterstützung für Kiew. Die jüngsten Vorfälle, von Drohnenfunden in Deutschland bis zu Explosionen in Munitionsfabriken, passen in ein klares Muster der Destabilisierung.
Trump und Selenskyj einig – Russland spielt nicht mit
Donald Trump und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj haben sich auf eine gemeinsame Position verständigt: Der Krieg soll noch in diesem Jahr beendet werden. Doch diese Übereinstimmung hat bislang nur begrenzten diplomatischen Wert. Russland hat den Ball nicht aufgenommen.
Masala bewertet die Annäherung dennoch als relevantes Signal: Sie zeigt, dass Washington und Kiew derzeit an einem Strang ziehen, und setzt Moskau unter Erklärungsdruck. Die Ukraine hofft, dass die USA als Reaktion auf Russlands Verweigerungshaltung den Druck auf Moskau erhöhen. Masala hält diese Hoffnung jedoch für wenig begründet – das Signal sei vor allem diplomatischer Natur.
Ähnlich verlief Selenskyjs Vorstoß für eine begrenzte Waffenruhe im Energiesektor: Die Ukraine erklärte sich bereit, Angriffe auf russische Energieinfrastruktur einzustellen, wenn Russland dasselbe täte. Moskau lehnte ab.
Infrastruktur als Waffe: Russlands Kalkül für den Winter
Die anhaltenden russischen Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur verfolgen laut Masala ein klares Ziel: Eine humanitäre Katastrophe in der Zivilbevölkerung der Ukraine bei einem harten Winter herbeiführen – und gleichzeitig die Kosten für die europäischen Unterstützerstaaten in die Höhe treiben.
Russland setzt dabei auf eine gesellschaftliche Ermüdung in Europa. Die Logik dahinter: Wenn die Energiepreise steigen und die Stimmung in der Bevölkerung kippt, wächst der Druck auf die Regierungen, die Ukraine-Hilfe zu reduzieren. Masala sieht diese Dynamik bereits in Deutschland: Debatten über die finanzielle Unterstützung ukrainischer Geflüchteter im Vergleich zu deutschen Sozialleistungen oder Aussagen einzelner Ministerpräsidenten zeigen, dass Russlands Kalkül zumindest teilweise aufgeht.
- Angriffe auf ukrainische Strom- und Wärmeversorgung als Druckmittel auf Europa
- Gesellschaftliche Spaltungsnarrative in europäischen Ländern werden gezielt befeuert
- Wachsende Skepsis in der Bevölkerung soll Regierungen zum Kurswechsel zwingen
- Begrenzte Waffenruhe-Angebote werden von Moskau konsequent abgelehnt
Hybrider Schattenkrieg: Russlands Angriffe auf Europa
Parallel zur militärischen Front betreibt Russland nach Masalas Einschätzung einen hybriden Schattenkrieg gegen europäische Staaten – und hat dessen Intensität in den vergangenen Monaten deutlich erhöht. Eine bei Wunsdorf gefundene Drohne, die Ermittlern zufolge bereits seit 2024 dort lag, illustriert, dass dieser Plan unabhängig von der Intensität der Ukraine-Unterstützung entwickelt wurde.
Masala listet eine Reihe konkreter Vorfälle auf, die zu diesem Muster gehören:
- Anschlag in Leipzig
- Explosionen in Munitionsfabriken in Bulgarien und Italien
- Ballistische Rakete über polnischem Territorium
- Bewaffnete Seedrohne in internationalen Gewässern vor Rumänien
- Tägliche Drohneninvasionen sowie Luftraumverletzungen in baltischen Staaten
Das gemeinsame Ziel all dieser Aktionen: Europa soll destabilisiert und von der Unterstützung der Ukraine abgebracht werden.
Europas Antwort: Abschreckung und Infrastrukturschutz
Europa reagiert auf den hybriden Angriffsdruck vor allem mit zwei Maßnahmen: dem verstärkten Schutz kritischer Infrastruktur und einer intensivierten Abschreckungsstrategie der NATO durch Manöver und Truppenpräsenz. Masala sieht darin eine notwendige, aber nur begrenzt wirksame Antwort.
Was bislang fehlt oder zumindest nicht sichtbar ist, sei eine aktive hybride Gegenstrategie, die Russland auf eigenem Terrain unter Druck setzt. Ob entsprechende Maßnahmen im Verborgenen stattfinden, lässt sich kaum beurteilen – das liege im Zuständigkeitsbereich der Geheimdienste. Klar ist: Einen hundertprozentigen Schutz vor hybriden Angriffen gibt es nicht.
Solange Russland seinen Schattenkrieg als kostengünstiges Mittel zur Destabilisierung Europas einsetzt, wird die Allianz der Ukraine-Unterstützer auf eine harte Probe gestellt. Ob der europäische Zusammenhalt einen weiteren langen Winter übersteht, bleibt die entscheidende strategische Frage.
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