Söder als Merz-Nachfolger? CSU hält sich bedeckt
Markus Söder rückt als möglicher Merz-Nachfolger ins Gespräch. Warum die CSU schweigt, welche Rolle Wüst spielt und wie realistisch ein CSU-Kanzler wäre.
Dieses Video wurde am 21.09.2026 von ntv Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Beim Herbst-Klausur der CSU-Landtagsfraktion im oberfränkischen Kloster Banz dominiert hinter den Kulissen ein Thema: die Zukunft von Bundeskanzler Friedrich Merz und die Frage, ob Markus Söder als möglicher Merz-Nachfolger in Frage käme. Während CSU-Landesgruppenchef Hoffmann öffentlich betont, man führe „keine Personaldebatten”, verdichtet sich die Analyse, dass Söder seine Optionen längst strategisch vorbereitet – ohne sich dabei die Finger zu verbrennen.
CSU schweigt – aber denkt laut
Die offizielle Linie der CSU ist klar: Die Koalition muss funktionieren, Personaldebatten sind tabu. Söder selbst leitete am Klausurtag zunächst eine Sitzung des bayerischen Kabinetts und äußerte sich nicht öffentlich zu Merz. Das hat Methode.
Die CSU sieht sich als Garant einer Reformagenda, die die Bundesregierung trotz aller Schwierigkeiten durchziehen soll. Der parteiinterne Slogan von der „letzten Patrone” wird dabei ernst genommen: Scheitert diese Regierung, droht eine politische Krise, die niemandem nützt.
Dennoch ist unübersehbar, dass in München etwas in Bewegung geraten ist. Beobachter berichten, dass eine Chance, die vor wenigen Monaten als ausgeschlossen galt, wieder greifbar erscheint: Söder könnte als Kanzler nach Berlin gerufen werden – diesmal nicht als Drängler, sondern als Gerufener.
Söders Strategie: Geduld statt Königsmord
Der entscheidende Unterschied zur gescheiterten Kandidatur gegen Armin Laschet liegt in Söders Herangehensweise. Wer sich ins Kanzleramt drängt, scheitert – das hat er gelernt. Diesmal wartet er auf eine Einladung der CDU.
Deshalb arbeitet Söder seit Monaten diskret an Brücken, vor allem zu den ostdeutschen CDU-Landesvorsitzenden, mit denen er eine belastbare Verbindung aufgebaut hat. Sein Verhalten gegenüber Merz war in dieser Zeit auffällig konstruktiv – kein offener Angriff, kein Dolchstoß.
- Söder enthielt sich öffentlicher Kritik an Merz trotz parteiinterner Spannungen.
- Er pflegte Kontakte zu CDU-Landesfürsten jenseits des Rheins.
- Er positioniert sich als verlässlicher Koalitionspartner, nicht als Rivale.
- Eine Kandidatur käme nur infrage, wenn die CDU ihn aktiv unterstützt.
Ohne diese Unterstützung, so die nüchterne Einschätzung, kann der CSU-Chef schlicht nicht Kanzler werden. Die Arithmetik der Union lässt keinen anderen Schluss zu.
Konkurrent Wüst: Blockade oder Rückendeckung?
Als ernsthaftester Gegenkandidat gilt Hendrik Wüst, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen. Das Bild, das beide sich gegenseitig blockieren, ist in Unionskreisen geläufig – und nicht ganz falsch.
Wüst hat derzeit wenig Anreiz, Merz zu stürzen. Solange der Kanzler die schwierige Reformarbeit erledigt und den politischen Gegenwind der SPD abfängt, kann Wüst sich schonen. Ein frühzeitiger Aufstieg ins Kanzleramt würde bedeuten, all diese ungelösten Probleme zu erben – ein riskantes Unterfangen.
Söder hingegen ist in einer anderen Lage: Er regiert Bayern, hat Abstand von Berlin und kann die Bundespolitik kommentieren, ohne direkt in der Schusslinie zu stehen. Diese Außenposition gibt ihm Spielraum – aber eben nur, solange er nicht als Unruhestifter wahrgenommen wird.
Ein CSU-Kanzler – Rettung oder Alptraum für die CDU?
Die strukturelle Frage bleibt heikel: Würde ein Kanzler aus der CSU die CDU langfristig schwächen? In Unionskreisen war diese Sorge stets präsent – auch zu Zeiten, als die CDU noch deutlich stärker dastand als heute nach einer Reihe von Wahlniederlagen.
Die Logik, einen CSU-Mann ins Kanzleramt zu rufen, greift erst dann, wenn die CDU darin ihre einzige Rettung sieht. Und genau dieser Punkt, so die Einschätzung aus dem Umfeld der Klausur, ist zwar noch nicht erreicht – aber auch nicht mehr so weit entfernt wie noch vor einem Jahr.
Söders Chancen gelten weiterhin als begrenzt, aber nicht länger als null. Wie das politische Kräftespiel ausgeht, hängt weniger von Söder selbst ab als von der Frage, wie lange Merz die Führung der Bundesregierung aufrechterhalten kann – und ob die CDU irgendwann bereit ist, einen bayerischen Kanzler zu akzeptieren.
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