Trumps Ukraine-Kurs: Selenski unter Druck
Trump stellt Putin als friedenswilliger dar als Selenski. Währenddessen greifen russische Truppen erneut Energieanlagen an – mit gravierenden Folgen für die Ukraine.
Dieses Video wurde am 13.10.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Im Ukrainekrieg gerät Präsident Wolodymyr Selenski zunehmend zwischen die Fronten: US-Präsident Donald Trump präsentiert den russischen Machthaber Wladimir Putin öffentlich als den dealbereiteren Partner – und erhöht damit den Druck auf Kiew erheblich. Gleichzeitig mehren sich in der Ukraine Berichte, dass amerikanische Geheimdienstinformationen zur Raketenfrühwarnung möglicherweise nicht mehr vollständig weitergegeben werden. Die russischen Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur gehen derweil unvermindert weiter – mit potenziell verheerenden Folgen für den bevorstehenden Winter.
Trump stellt Putin als Friedenspartner dar
Donald Trump hat sich erneut öffentlich positioniert: Er sei überzeugt, dass Kremlchef Putin zu einer Einigung bereit sei – mehr noch als der ukrainische Staatschef Selenski. „Ich denke tatsächlich, Putin will den Deal mehr als Selenski”, erklärte Trump. Diese Aussage ist politisch brisant, da sie den Angreifer rhetorisch aufwertet und den Angegriffenen unter Zugzwang setzt.
Trump hatte kurz zuvor eine sogenannte Energiewaffenruhe angekündigt – einen partiellen Waffenstillstand, der Angriffe auf Energieanlagen beider Seiten aussetzen soll. Selenski signalisierte Zustimmung, machte diese jedoch von einer Gegenseitigkeit abhängig: Russland müsse ebenfalls aufhören, ukrainische Energieanlagen zu attackieren. Konkrete Details oder Zusagen aus dem Weißen Haus fehlen bisher.
Russische Angriffe trotz Waffenruhen-Ankündigung
Kurz nach Trumps Ankündigung meldete Kiew erneut russische Angriffe auf Energieanlagen. Bei Attacken auf ein Wohnhaus nahe der Hauptstadt und in anderen Regionen der Ukraine wurden nach Behördenangaben mindestens acht Menschen getötet. Die russische Seite zeigt damit keinerlei Bereitschaft, die vorgeschlagene Energiewaffenruhe de facto einzuhalten.
Russland verfolgt offenbar eine systematische Strategie: Es greift gezielt Hochspannungsleitungen und Umspannwerke an, um die Verbindungen zwischen den noch aktiven Atomkraftwerken und den großen Städten wie Kiew, Charkiw, Odessa, Dnipro und Lwiw zu kappen. Die ukrainische Stromversorgung ist stark von den drei noch in Betrieb befindlichen Kernkraftwerken abhängig. Gelingt es Russland, diese Verbindungen zu unterbrechen, droht die vollständige Isolation der Großstädte von der Energieversorgung.
Luftalarm versagt – Verdacht gegen US-Geheimdienste
In der Nacht auf den 13. Oktober schlugen in Kiew erneut Raketen ein – diesmal ohne oder mit stark verzögertem Luftalarm. Dieses Muster hat in der Ukraine eine beunruhigende Debatte ausgelöst. Der Verdacht: Die USA könnten die Ukraine nicht mehr vollständig vorwarnen, wenn russische ballistische Kurzstreckenraketen gestartet werden.
Bislang funktionierten die Frühwarnungen folgendermaßen:
- Amerikanische Geheimdienste erkennen den Raketenstart sofort per Satellit und Sensortechnik.
- Sie informieren die ukrainischen Behörden in Echtzeit, damit Luftschutzsirenen ausgelöst werden können.
- Die Bevölkerung hat so wenige Minuten Zeit, Schutzräume aufzusuchen.
- Ohne diese Vorwarnung ist ein effektiver Schutz der Zivilbevölkerung kaum möglich.
Nun besteht der Verdacht, dass Washington diese Kooperation als Druckmittel einsetzt – im Streit um Trumps Forderung, die Ukraine solle aufhören, russische Ölraffinerien anzugreifen. Trump erhofft sich dadurch eine erhöhte russische Dieselproduktion und sinkende Kraftstoffpreise in den USA – ein innenpolitisches Kalkül mit Blick auf schlechte Umfragewerte vor den Zwischenwahlen.
Drohende Energiekrise im Winter
Die anhaltenden russischen Angriffe auf die Energieinfrastruktur könnten sich im Winter als existenzielle Bedrohung erweisen. Städte wie Kiew verfügen nicht über ausreichend eigene Kraftwerkskapazitäten, um ihren Strombedarf selbst zu decken – sie sind auf die Fernleitungen aus den Atomkraftwerken angewiesen.
Russlands Strategie zielt genau auf diese Abhängigkeit: Durch die gezielte Zerstörung von Umspannwerken und Übertragungsleitungen sollen Millionenstädte von der Grundversorgung abgeschnitten werden. Mit sinkenden Temperaturen steigt der Energiebedarf – und damit das Risiko einer humanitären Krise in den betroffenen Regionen.
Die Lage im Ukrainekrieg verdichtet sich damit auf mehreren Ebenen gleichzeitig: militärisch, diplomatisch und infrastrukturell. Ob Trumps Druck auf Selenski zu einem verhandelten Ergebnis führt oder die Ukraine in eine noch schwächere Position bringt, wird sich in den kommenden Wochen entscheiden.
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