Ukraine-Krieg: Strack-Zimmermann warnt vor Feind im Inneren
Marie-Agnes Strack-Zimmermann kritisiert Trumps Ukraine-Politik scharf und wirft AfD und BSW vor, als verlängerter Arm Moskaus Deutschland zu destabilisieren.
Dieses Video wurde am 12.10.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Im Ukraine-Krieg wächst die Skepsis gegenüber der amerikanischen Vermittlungsrolle – und gegenüber jenen politischen Kräften in Deutschland, die Russland nahestehen. Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Vorsitzende des EU-Verteidigungsausschusses, hat sich in einem Interview klar positioniert: Sie kritisiert die Diplomatie der Trump-Administration als interessengeleitet, mahnt Europa zu mehr Eigenständigkeit und wirft AfD sowie der BSW um Sahra Wagenknecht vor, als Werkzeug Moskaus die Bundesrepublik von innen zu destabilisieren. Für Strack-Zimmermann sitzt der Feind nicht nur im Osten – sondern auch mitten in Deutschland.
Trumps Diplomatie im Ukraine-Krieg: Eigeninteresse statt Friedenspolitik
Die vermeintlichen Waffenruhe-Initiativen der US-Regierung hält Strack-Zimmermann für wenig glaubwürdig. Als Verhandlungsführer agieren demnach weder erfahrene Diplomaten noch außenpolitische Experten, sondern enge Vertraute und Familienangehörige von Donald Trump – mit eigenen wirtschaftlichen Interessen.
Besonders pikant: Den Druck auf die Ukraine erklärt Strack-Zimmermann nicht mit echtem Friedenswillen, sondern mit innenpolitischen Sachzwängen in den USA. Eine Dieselknappheit, die durch den amerikanischen Angriff auf den Iran und die Sperrung der Straße von Hormus entstanden sei, versuche Trump auf dem Rücken der Ukraine zu lösen. „Moralisch so unvorstellbar”, kommentierte sie diese Verschiebung der Verantwortung.
Als möglichen Ausweg empfiehlt sie Wolodymyr Selenskyj, dem Druck taktisch zu begegnen: Indem er grundsätzliche Wahlbereitschaft signalisiert – die aber an echten Waffenstillstand geknüpft bleibt – könnte er den Ball zurück ins russische Feld spielen.
Europas Rolle: Mehr Eigenständigkeit, aber Grenzen der Einflussnahme
Auch in der Frage, wie viel Eigengewicht Europa in möglichen Friedensverhandlungen entwickeln kann, bleibt Strack-Zimmermann realistisch. Selbst hochrangige Besuche europäischer Spitzenpolitiker in Kiew – sie verweist ausdrücklich auf den Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz als „begrüßenswert und mutig” – hätten Putin nicht zum Einlenken bewogen.
Stattdessen betreibe Russland gezielt eine Spaltungsstrategie: Es versuche, europäische Staaten gegeneinander aufzuhetzen und den Graben zwischen Europa und den USA zu vertiefen. Strack-Zimmermanns Schlussfolgerung:
- Europa muss die Ukraine militärisch, finanziell und organisatorisch weiter unterstützen – ohne nachzulassen.
- Sanktionen gegen Russland müssen konsequent verschärft werden, ohne Ausnahmen für Oligarchen.
- Letztlich bleibt echter Druck auf Putin nur durch die USA möglich – sofern Washington dazu bereit ist.
- Europäische Staaten, die sich bislang „einen schlanken Fuß machen”, müssen mehr Verantwortung übernehmen.
Zur dramatischen Lage Russlands selbst verweist sie auf aktuelle Verlustzahlen: Jeden Monat fielen demnach zehntausende russische Soldaten – eine Zahl, die selbst Russlands Wirtschaft und Arbeitskräftereserven nachhaltig belaste.
AfD und BSW: Langer Arm Moskaus in Deutschland?
Besonders aufsehenerregend sind Strack-Zimmermanns Aussagen über innenpolitische Akteure. Anlass ist ein technischer Ausfall russischer Server – nach einem ukrainischen Angriff auf das „technische Herz Russlands” sei die AfD im Internet kurzzeitig verstummt. Für die Politikerin ist das ein Indiz dafür, dass die AfD eng mit russischer IT-Infrastruktur verknüpft ist.
Darüber hinaus erklärt sie die Wahlerfolge von AfD und BSW bei jüngsten Landtagswahlen zwar einerseits mit legitimer Unzufriedenheit über die Bundespolitik und wirtschaftliche Sorgen vieler Bürger. Wer permanent höre, das Geld fließe in die Ukraine statt ins eigene Land, ohne den Sicherheitsaspekt zu begreifen, wähle aus nachvollziehbaren, aber kurzsichtigen Motiven.
Andererseits wertet sie die russlandnahen Positionen beider Parteien als gezielte Destabilisierungsstrategie Moskaus. Ihre Schlussfolgerung ist eindeutig: „Wir haben nicht nur einen russischen Feind gegen den Westen – wir haben auch den Feind, der mitten in der Bundesrepublik sitzt.”
Einordnung: Zwischen moralischem Anspruch und politischer Realität
Strack-Zimmermanns Analyse verdeutlicht die zunehmende Komplexität des Ukraine-Krieges: Während auf dem Schlachtfeld täglich Menschen sterben, wird der Friedensprozess von geopolitischen Eigeninteressen, wirtschaftlichem Kalkül und innenpolitischen Verwerfungen überlagert. Europa steht vor der Aufgabe, sowohl die Ukraine konkret zu unterstützen als auch die eigene demokratische Resilienz gegenüber hybrider Einflussnahme zu stärken. Ob die USA unter Trump diese Lücke füllen wollen, bleibt nach Einschätzung der Politikerin offen – und ist der entscheidende Faktor für jede künftige Friedenslösung.
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