Wednesday, 23. September 2026
Börsengang

Uniper-Verkauf: Droht dem Bund das Commerzbank-Desaster?

Der Bund muss seine Uniper-Anteile bis 2028 auf 25 % reduzieren. Tschechischer Milliardär Kretinski bietet – und alte Fehler drohen sich zu wiederholen.

Redaktion · 23. September 2026, 17:48 Uhr · 3 Min. Lesezeit

Dieses Video wurde am 23.09.2026 von Handelsblatt auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Der Uniper-Verkauf nimmt Fahrt auf: Der tschechische Milliardär Daniel Kretinski hat mit seiner Energiegruppe EP ein unverbindliches Angebot auf Deutschlands wichtigsten Gasversorger abgegeben. Gleichzeitig bereitet Uniper parallel einen Börsengang vor. Beides weckt Erinnerungen an den Commerzbank-Ausstieg des Bundes – und damit die Sorge, dass Bundesfinanzminister Lars Klingbeil erneut strategische Kontrolle über ein systemrelevantes Unternehmen leichtfertig aufgibt.

Warum hält der Bund 99 % an Uniper?

Der Ursprung liegt im russischen Angriff auf die Ukraine. Als Russland im September 2022 die Gaslieferungen über Nord Stream 1 stoppte, geriet Uniper in eine existenzielle Krise. Das Unternehmen hatte den Großteil des deutschen Gasimports über diese Pipeline abgewickelt und musste plötzlich teure Ersatzmengen auf dem Weltmarkt kaufen.

Um eine Insolvenz und den Zusammenbruch der Gasversorgung zu verhindern, übernahm der Bund Uniper zu 99 Prozent. Die EU-Kommission genehmigte die Staatshilfe – aber nur unter einer beihilferechtlichen Auflage: Bis Ende 2028 muss der Bundesanteil auf maximal 25 Prozent sinken. Der Verkaufsdruck ist damit real und die Zeit läuft.

Wer bietet beim Uniper-Verkauf?

Der laufende Prozess befindet sich in der Phase der sogenannten Non-binding Offers – unverbindlichen Erstgeboten. Neben Kretinski und seiner EP-Gruppe sollen laut Insider-Informationen unter anderem folgende Interessenten aktiv sein:

  • Ein Konsortium aus dem kanadischen Vermögensverwalter Brookfield und dem Pensionsfonds CPP Investments
  • Die US-Beteiligungsgesellschaft KKR
  • Der norwegische Energiekonzern Equinor
  • Die skandinavischen Versorger Vattenfall und Fortum (Interesse an Einzelassets)
  • Staatsfonds aus dem Nahen Osten sowie Schweizer Rohstoffhändler

Als nächstes wird das Finanzministerium die Gebote auswerten. Danach folgen mindestens eine, möglicherweise zwei weitere Bieterrunden mit bindenden Angeboten. Eine Entscheidung könnte im Winter oder frühen Frühjahr fallen.

Warum ist Uniper für Deutschland so systemrelevant?

Uniper versorgt rund 500 Industriebetriebe und weitere 500 Stadtwerke mit Gas – und damit indirekt einen Großteil der deutschen Bevölkerung. Wer das Unternehmen kontrolliert, bestimmt, zu welchem Preis und aus welchen Quellen Gas nach Deutschland fließt.

Früher bezog Uniper den Großteil seines Gases aus Russland. Inzwischen ist das Unternehmen deutlich breiter aufgestellt, mit Lieferanten aus Kanada, den USA und anderen Regionen. Darüber hinaus betreibt Uniper Kraftwerke in Schweden – Wasserkraft und Atomkraft – sowie Gaskraftwerke und plant neue Anlagen in Deutschland. Auch die Energiewende hängt damit am neuen Eigentümer: Ein strategisch falsch ausgerichteter Investor könnte die Transformation bremsen.

Drohen dieselben Fehler wie bei der Commerzbank?

Genau hier liegt die politische Brisanz. Beim Commerzbank-Ausstieg öffnete der Bund durch schrittweise Anteilsverkäufe unbeabsichtigt die Tür für die feindliche Übernahme durch UniCredit – ein Szenario, das als weitgehend unumkehrbar gilt.

Beim Uniper-Verkauf warnen Beobachter vor ähnlichen Fehlern. Der Betriebsrat von Uniper hat bereits klar signalisiert, dass er eine Übernahme durch Kretinski ablehnen würde. Der Vorwurf: Kretinski schöpfe bei Unternehmen wie dem ostdeutschen Stromproduzenten Leag vor allem kurzfristige Renditen ab, statt langfristig und nachhaltig zu investieren.

Für Klingbeil bedeutet das: Der Verkaufsprozess muss so strukturiert sein, dass die Bundesregierung nicht automatisch dem Höchstbietenden den Zuschlag erteilen muss, sondern strategisch den richtigen Käufer auswählen kann. Auch ein Zerschlagen des Unternehmens in Einzelteile soll ausgeschlossen werden – ob das vertraglich dauerhaft absicherbar ist, bleibt jedoch fraglich. Einige Experten halten eine Kombination aus Börsengang und strategischen Ankerinvestoren für den realistischsten Ausweg.

Hinweis: Dieser Artikel wurde KI-gestützt erstellt und kann Fehler oder Ungenauigkeiten enthalten. Das verwendete Beitragsbild ist das YouTube-Vorschaubild des Original-Videos. Sämtliche Urheberrechte am Video, am Vorschaubild und an den darin enthaltenen Inhalten liegen beim jeweiligen YouTube-Kanal-Betreiber (Handelsblatt). Bei Fragen oder Anliegen zur Nutzung bitte über das Impressum kontaktieren.

RE

Redaktion

Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Schnell, klar und rund um die Uhr aktualisiert.

Kommentar schreiben

Mehr aus Wirtschaft & Finanzen

Alle Beiträge →