US-Landwirte unter Druck: Zölle und hohe Kosten
Steigende Betriebskosten, Zollchaos und sinkende Gewinne: Wie US-Landwirte im Mittleren Westen die Agrarpolitik unter Trump wirklich erleben.
Dieses Video wurde am 12.10.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Steigende Diesel- und Düngerpreise, ein verunsicherter Exportmarkt und Zollstreitigkeiten mit China: US-Landwirte im Mittleren Westen stehen unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Dennoch fällt die politische Stimmung auf den Höfen weit nüchterner aus, als es die laute Debatte in Washington vermuten lässt. Ein Besuch bei einem Sojabohnen-Farmer in Missouri gibt Einblick in die Realität zwischen guten Ernteerträgen und wegbrechenden Gewinnen.
Wenn Erträge steigen, aber Gewinne sinken
Kevin bewirtschaftet rund 1.100 Hektar im Mittleren Westen – nach amerikanischen Maßstäben ein mittelgroßer Betrieb, der aber etwa dem Zwanzigfachen des deutschen Durchschnittshofs entspricht. Seinen Mähdrescher, der allein rund eine Million Dollar kostet, fährt er selbst.
Die Erntezahlen stimmen ihn in diesem Jahr vorsichtig optimistisch: Die Erträge liegen über dem Durchschnitt, und auch die Erzeugerpreise haben sich erholt. Doch die Betriebskosten erzählen eine andere Geschichte. „Ich würde sagen, sie sind um 30 bis 35 Prozent gestiegen”, erklärt Kevin. Der Anstieg begann mit der Covid-Pandemie und hält seitdem an.
Das Ergebnis: Der Gewinn schrumpft kontinuierlich, trotz guter Ernten. Besonders zwei Kostentreiber schlagen zu Buche:
- Dieselpreise, die das Ernten und den Maschinenbetrieb deutlich verteuern
- Düngerpreise, die in den vergangenen Jahren stark gestiegen sind
- Schwankende Wechselkurse, die Exporterlöse direkt beeinflussen
- Unsichere Handelsbeziehungen, die die Planbarkeit erschweren
Zollstreit mit China trifft Sojabohnen-Farmer hart
Besonders schmerzhaft war für viele Betriebe im Mittleren Westen der Handelskonflikt mit China. Als Peking im Zuge von Trumps Zollpolitik zeitweise keine amerikanischen Sojabohnen mehr importierte, brachen wichtige Absatzmärkte weg. China gehört zu den größten Abnehmern amerikanischer Sojabohnen weltweit.
Inzwischen hat sich die Lage teilweise normalisiert. Doch die Erinnerung an den abrupten Nachfrageeinbruch sitzt tief. Farmer wie Kevin wissen, wie abhängig ihre Einkommen von politischen Entscheidungen in Washington und Peking sind – Entscheidungen, auf die sie selbst kaum Einfluss haben.
Auch die Rinderzüchter gerieten zwischenzeitlich unter Druck, als Zollanpassungen für ausländisches Rindfleisch die heimischen Preise unter Druck setzten. Die Agrarpolitik der Trump-Ära hat damit verschiedene Sektoren der amerikanischen Landwirtschaft auf unterschiedliche Weise getroffen.
Politische Loyalität trotz wirtschaftlicher Sorgen
Was überrascht: Trotz aller wirtschaftlichen Belastungen ist die Kritik an Präsident Trump auf vielen Höfen begrenzt. Kevin zweifelt nicht an seiner Unterstützung für den Präsidenten. Seine Begründung ist pragmatisch: In Trumps erster Amtszeit habe die Politik etwa im Pharmabereich funktioniert, und die Alternative – eine liberale Regierung – erscheint ihm für die Landwirtschaft noch weniger attraktiv.
Gleichzeitig zeigt Kevin eine bemerkenswerte politische Nüchternheit. Er räumt ein, dass Trump manchmal mehr an seinem politischen Vermächtnis als an konkreter Problemlösung interessiert wirke. „Da gibt es Dinge, die in Washington vor sich gehen, die wirklich keiner Priorität bedürfen”, sagt er.
Der Farmer verkörpert damit eine Haltung, die im Mittleren Westen weit verbreitet scheint: Man hält Distanz zur politischen Hysterie der Hauptstadt und bewertet Regierungshandeln nach handfesten Kriterien – Handelsbilanz, Dollarkurs, Importpreise.
Mittlerer Westen bleibt stabile Basis für Trump
Die Besuche auf den Höfen Missouris zeichnen ein differenziertes Bild. Wirtschaftlicher Druck und politische Loyalität schließen sich für viele Farmer nicht aus. Solange die demokratische Opposition keine überzeugende agrarpolitische Alternative präsentiert, bleibt der Mittlere Westen eine verlässliche Stütze für Trump.
Die strukturellen Probleme – steigende Kosten, volatile Exportmärkte, Abhängigkeit von politischen Handelsentscheidungen – werden jedoch bleiben, unabhängig davon, wer im Weißen Haus sitzt. Für die amerikanische Landwirtschaft wird es darauf ankommen, wie stabil Handelsbeziehungen langfristig gestaltet werden und ob die Betriebskosten wieder auf ein tragfähiges Niveau sinken.
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