VW-Aktie: Warum sie im DAX gerade boomt
Die VW-Aktie legte innerhalb eines Monats 7 % zu – DAX-Spitze. Stellenabbau, niedriges KGV und Value-Investoren treiben den Kursanstieg an.
Dieses Video wurde am 19.09.2026 von Handelsblatt auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die VW-Aktie ist derzeit der stärkste Wert im gesamten DAX: Innerhalb eines Monats legte sie rund 7 Prozent zu – eine bemerkenswerte Trendwende für einen Titel, der in den vergangenen fünf Jahren mehr als die Hälfte seines Wertes eingebüßt hatte. Hinter dem plötzlichen Kursanstieg stecken mehrere Faktoren: ein konsequenter Sparkurs des Managements, eine charttechnisch günstige Ausgangslage und eine historisch niedrige Bewertung, die Value-Investoren anlockt.
Harter Sparkurs: VW baut weitere 50.000 Stellen ab
Der wichtigste Kurstreiber ist das entschlossene Handeln des Volkswagen-Managements beim Thema Effizienz. Der Konzern plant den Abbau von 50.000 weiteren Stellen – zusätzlich zu den bereits Ende 2024 vereinbarten 50.000 Stellen, die allein in Deutschland wegfallen sollen.
VW will diesen massiven Personalabbau möglichst sozialverträglich gestalten. Dabei setzt das Unternehmen auf folgende Instrumente:
- Vorruhestandsregelungen für ältere Beschäftigte
- Altersteilzeit als schrittweiser Übergang in den Ruhestand
- Natürliche Fluktuation durch ausbleibende Nachbesetzungen
- Freiwillige Abfindungen für ausscheidende Mitarbeiter
Viele Anleger honorieren diesen klaren Schnitt. Jahrelang hatte der Konzern mit hohen Kosten, sinkender Wettbewerbsfähigkeit und dem schwierigen Übergang zur Elektromobilität zu kämpfen. Dass das Management nun konsequent gegensteuert, gibt Investoren neues Vertrauen.
Charttechnik: Der Verkaufsdruck ist erschöpft
Neben den fundamentalen Nachrichten spielte auch die charttechnische Lage eine entscheidende Rolle für den Kursanstieg. Obwohl in den vergangenen Monaten zahlreiche negative Meldungen auf den Markt trafen, bildete die Aktie keine neuen Kurstiefs mehr aus.
Das ist ein klassisches Signal der technischen Analyse: Wer die Aktie verkaufen wollte, hatte dies offenbar längst getan. Der Verkaufsdruck war damit weitgehend erschöpft. In einer solchen Marktsituation reichen bereits wenige positive Impulse aus, um den Kurs spürbar nach oben zu treiben – denn es fehlt an Gegendruck durch weitere Verkäufer.
Dieses Muster, auch als „Bodenbildung” bekannt, gilt in der technischen Analyse als Vorbote einer möglichen Trendwende und erhöht die Attraktivität einer Aktie für kurzfristig orientierte Trader ebenso wie für langfristige Investoren.
Niedrige Bewertung zieht Value-Investoren an
Ein weiterer, struktureller Faktor ist die außergewöhnlich günstige Bewertung der VW-Aktie. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von nur 4,1 ist Volkswagen derzeit der am niedrigsten bewertete Titel im gesamten DAX – ein Wert, der im internationalen Vergleich für einen Großkonzern dieser Größe äußerst selten ist.
Diese extrem niedrige Bewertung wirkt wie ein Magnet auf sogenannte Value-Investoren – Anleger, die gezielt nach Aktien suchen, die gemessen an ihren Unternehmensgewinnen oder ihrer Substanz unterbewertet erscheinen. Gerade in einem von Nervosität geprägten Gesamtmarkt tendieren diese Investoren dazu:
- Zurückgebliebene, günstig bewertete Aktien zu kaufen
- Zuvor stark gestiegene, hoch bewertete Titel zu verkaufen
- Ihre Portfolios defensiver und wertorientierter aufzustellen
VW profitiert von genau dieser Rotation – die Aktie gilt nach Jahren des Kursrückgangs als klassischer „Value Play”.
Ausblick: Trendwende oder kurzfristiges Aufflackern?
Die Kombination aus konsequentem Stellenabbau, erschöpftem Verkaufsdruck und historisch niedriger Bewertung erklärt, warum die VW-Aktie aktuell die DAX-Rangliste anführt. Ob daraus eine nachhaltige Erholung wird, hängt jedoch von mehreren Faktoren ab: dem Fortschritt bei den Restrukturierungsmaßnahmen, der Entwicklung der Elektromobilitätsstrategie und dem allgemeinen konjunkturellen Umfeld in Europa und China. Anleger sollten den Kurs und neue Unternehmensmeldungen daher weiterhin aufmerksam verfolgen.
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