Autoindustrie: Autoländer fordern härteren Kurs gegen China
Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen fordern gemeinsam EU-Schutz für die Autoindustrie – mit Zöllen auf China-Autos und günstigerem Ladestrom.
Dieses Video wurde am 18.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die deutsche Autoindustrie steht unter gewaltigem Druck: Stellenabbau, stockende Transformation und wachsende Konkurrenz aus China bedrohen das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Nun haben die Ministerpräsidenten der drei großen Autoländer Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen parteiübergreifend einen gemeinsamen Appell an Bund und EU gerichtet. Sie fordern mehr Spielraum beim Verbrennungsmotor, bessere Rahmenbedingungen für Elektroautos und entschiedenere Schutzmaßnahmen gegenüber chinesischen Herstellern.
Autoindustrie unter Druck: 52.000 Jobs weg in einem Jahr
Die Lage ist ernst. Allein im Jahr 2025 gingen bei deutschen Autobauern und Zulieferern 52.000 Arbeitsplätze verloren. Die Branche steckt mitten in einer tiefgreifenden Transformation, die zwischen Elektrifizierung, CO₂-Regulierung und internationalem Wettbewerb reibt. Selten haben sich die drei Autoländer so einig gezeigt wie jetzt – ihr Schulterschluss über Parteigrenzen hinweg von CSU über SPD bis zu den Grünen ist ein politisches Signal mit Gewicht.
Das gemeinsame Ziel: Die Transformation der Branche darf nicht auf Kosten der industriellen Basis gehen. „Wir müssen regeln und nicht steuern”, lautet die Forderung – also Rahmenbedingungen schaffen statt Technologien per Regulierung vorschreiben.
Verbrenner-Debatte: Söder fordert Technologieoffenheit
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder macht die CO₂-Ausstoßvorgaben der EU als zentrales Problem aus. Er spricht sich klar gegen ein pauschales Verbrenner-Aus aus und plädiert stattdessen für „Vorfahrt für Technologieoffenheit”. Auch der hocheffiziente Hochleistungsverbrenner solle weiterhin eine Option bleiben.
- Forderung nach Abkehr vom starren Verbrenner-Ausstiegsdatum
- Mehr Spielraum für alternative Kraftstoffe wie E-Fuels
- Kein Bestrafen der Industrie auf dem Weg der Transformation
- CO₂-Regulierung soll realistische Ziele setzen
Hintergrund ist die Sorge, dass europäische Hersteller durch zu enge Vorgaben im globalen Wettbewerb ins Hintertreffen geraten, während Konkurrenten aus anderen Weltregionen weniger streng reguliert werden.
Elektromobilität: Günstigerer Ladestrom und Ausbau im ländlichen Raum
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies setzt einen anderen Akzent: Er will die Elektromobilität attraktiver machen – nicht durch Verbote, sondern durch bessere Bedingungen. Konkret fordert er eine Senkung der Stromsteuer, eine stärkere Finanzierung der Netzentgelte aus dem Bundeshaushalt sowie einen flächendeckenden Ausbau der Ladeinfrastruktur.
„Es kann nicht sein, dass man nur in den großen Städten laden kann”, so Lies. Gerade im ländlichen Raum fehle es an ausreichend Ladepunkten, was potenzielle Käufer abschrecke. Ohne eine verlässliche Infrastruktur werde die Elektromobilität kein Massenphänomen.
Die Senkung der Ladestrompreise gilt dabei als wichtiger Hebel, um die Kaufzurückhaltung bei Elektrofahrzeugen zu überwinden und den heimischen Absatzmarkt zu stärken.
Chinesische Konkurrenz: Forderung nach EU-Zöllen auf Hybridautos
Besonders drängend ist die Frage des fairen Wettbewerbs gegenüber China. Chinesische Marken kommen inzwischen auf einen Marktanteil von 8,7 Prozent bei den Neuzulassungen in Europa – Tendenz steigend. Grünen-Ministerpräsident Winfried Kretschmann aus Baden-Württemberg fordert daher klaren EU-Industrieschutz: „Wir wollen Autos nicht nur fahren, sondern wir wollen sie auch hier bauen.”
VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo schlägt in dieselbe Kerbe und verlangt ausdrücklich Zölle auf chinesische Hybridfahrzeuge. Bestehende Schutzmechanismen greifen ihrer Ansicht nach nicht ausreichend, solange Hybride aus China ohne adäquate Gegenmaßnahmen in den europäischen Markt drängen könnten.
Die Botschaft der drei Autoländer an Berlin und Brüssel ist unmissverständlich: Die Transformation der Autoindustrie soll und muss weitergehen – aber unter fairen Bedingungen und ohne dass Deutschland dabei seine industrielle Stärke verliert. Ob EU und Bundesregierung die Forderungen aufgreifen, wird sich in den kommenden Monaten entscheiden.
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