Dieses Video wurde am 15.08.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der Waldbrand im Hürtgenwald in der Eifel ist der größte Waldbrand, den Nordrhein-Westfalen je erlebt hat. Rund 1400 Helfer kämpfen gegen die Flammen, die bereits etwa 300 Hektar Wald erfasst haben. Hubschrauber von Bundeswehr, Bundespolizei und Landespolizei werfen Löschwasser ab, Wasserwerfer der Polizei sind im Einsatz, und zwei Bergepanzer der Bundeswehr schaffen Schneisen im Wald. Ministerpräsident Henrik Wüst hat seinen Urlaub abgebrochen und machte sich persönlich ein Bild von der Lage.
Lage weitgehend stabil – Wind bleibt die große Unbekannte
In der Nacht hat sich das Feuer nicht weiter ausgebreitet, was als erstes positives Zeichen gewertet wird. Die Lage gilt am Mittag als weitgehend stabil. Dennoch richten alle Einsatzkräfte ihre Augen auf den Wind: Ab dem Nachmittag wurden stärkere Windböen angekündigt, deren Richtung die Lage rasch wieder verschärfen könnte.
Die Feuerwehr spricht von besonders gefährlichen Bedingungen, wenn Temperaturen über 30 Grad, eine Luftfeuchtigkeit um 30 Prozent und Windgeschwindigkeiten über 30 km/h zusammentreffen. Genau diese Kombination hatte in den vergangenen Tagen dazu geführt, dass bereits abgebrannte Flächen erneut aufflammten und Einsatzkräfte zeitweise zurückgezogen werden mussten. Die Einsatzzentrale wurde verlegt, nachdem sich der Wind so gedreht hatte, dass Qualm über den alten Standort wehte.
Der Einsatz ist auf mehrere Tage angelegt. Alle zwölf Stunden findet ein Schichtwechsel statt, bei dem mehrere Hundert Feuerwehrleute neu ins Brandgebiet einrücken.
Evakuierte Bewohner und umfangreiche Löschmaßnahmen
Rund 2000 Menschen aus dem Ortsteil Gaire mussten die Nacht außerhalb ihrer Häuser verbringen, da das Feuer bis auf 100 Meter an ihre Wohngebäude herangerückt war. Viele kamen bei Verwandten unter, andere in einer Notunterkunft in Düren. Noch immer dürfen Bewohner des evakuierten Ortsteils nicht in ihre Häuser zurück.
Neben den Löschhubschraubern und Polizeiwasserwerfen bringen auch Landwirte Wasser in Anhängern zu den Sammelstellen. Zudem werden gezielt Gegenfeuer gelegt: An geeigneten Stellen werden kontrollierte Brände entzündet, um dem Hauptfeuer die Nahrung zu entziehen.
Im Wald werden außerdem Bäume gefällt, die durch das Feuer von innen verkoht sind, äußerlich aber noch stabil wirken. Diese Bäume stellen ein erhöhtes Sicherheitsrisiko für Einsatzkräfte und Fußgänger dar.
Kriegsmunition erschwert Löscharbeiten erheblich
Ein besonderes Problem im Hürtgenwald ist die Belastung durch Munitionsreste aus dem Zweiten Weltkrieg. Der Hürtgenwald war Schauplatz einer der verlustreichsten Schlachten des Zweiten Weltkriegs – zwischen Herbst 1944 und Frühjahr 1945 kamen dort schätzungsweise 24.000 bis 32.000 deutsche und amerikanische Soldaten ums Leben. Seitdem lagern im Boden enorme Mengen an Granaten und Geschossen.
Diese Munition zwingt die Einsatzkräfte zu extremer Vorsicht und verlangsamt die Löscharbeiten am Boden erheblich. In vielen Bereichen ist es schlicht zu gefährlich, um zu Fuß vorzugehen – das Feuer kann dort nur aus der Luft bekämpft werden.
- Schätzungsweise 200.000 bis 300.000 Tonnen Munitionsreste lagern bundesweit im Boden
- Besonders stark betroffen sind neben dem Hürtgenwald Gebiete in Brandenburg und der ehemaligen DDR
- Die vollständige Räumung der Altmunition wird noch Jahrzehnte dauern
- Explodierende Munition kann Brände auslösen und Löscharbeiten unmöglich machen
- Die Kombination aus Dürre, Hitze und Munitionsbelastung gilt als besonders gefährliche Mischung
Ganz Europa kämpft gegen Waldbrände
Der Brand im Hürtgenwald steht nicht allein: In weiten Teilen Europas wüten verheerende Waldbrände. In Kroatien mussten rund 2000 Urlauber und Bewohner in Touristenorten evakuiert werden, rund drei Dutzend Menschen wurden verletzt, sieben schweben in Lebensgefahr. Auch in Montenegro brennt es in der Nähe von Wohnhäusern und einem Kloster.
In Spanien bedroht ein Waldbrand in der Region Aragón die historische Klosteranlage San Juan de la Peña – die Gebeine spanischer Könige wurden vorsorglich in Sicherheit gebracht. In Griechenland mussten über 480 Touristen per Boot evakuiert werden. In Frankreich wurden 525 Menschen aus einem Dorf im Südwesten des Landes evakuiert, in Großbritannien beschädigte ein Flächenbrand nahe Stourbridge mindestens zwölf Häuser.
Angesichts anhaltender Hitzewellen, zunehmender Trockenheit und der ungelösten Altmunitionsproblematik dürfte die Waldbrandgefahr in den kommenden Jahren in Deutschland und ganz Europa weiter steigen. Experten warnen, dass sich trockene Sommer und steigende Temperaturen gegenseitig verstärken und die Einsatzkräfte vor immer größere Herausforderungen stellen werden.
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